Vatikan veröffentlicht Richtlinien zur Pastoralarbeit auf der Straße

Zehn Gebote für Autofahrer

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ROM, 20. Juni 2007 (ZENIT.org).- „Wir wissen, dass infolge von Regelverstößen und Fahrlässigkeit jährlich 1,2 Millionen Menschen auf der Straße sterben und 50 Millionen verletzt werden“, erklärte Kardinal Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Migranten und Menschen unterwegs, am Dienstag im Vatikan. „Das ist eine traurige Wahrheit und zugleich eine große Herausforderung für Gesellschaft und Kirche.“



Der 74 Jahre alte Kurienkardinal sprach sich für mehr Bewusstseinsbildung aus. Bei der Vorstellung der „Richtlinien für Pastoralarbeit auf der Straße“ bekräftigte er außerdem, dass die Straße dem Menschen diene „und dazu da ist, das Leben und die ganzheitliche Entwicklung der Gesellschaft zu erleichtern“.

Die pastoralen Richtlinien (englische Fassung), die vom Päpstlichen Rat ausgearbeitet wurden, finden sich in den vier großen Kapiteln: 1. Pastoraler Dienst für Teilnehmer im Straßenverkehr; 2. Pastoraler Dienst für die Befreiung von Frauen auf der Straße; 3. Pastoraler Dienst für Straßenkinder; 4. Pastoraler Dienst für Obdachlose.
Die Leitlinien wollen eine konzertierte Aktion unter allen beteiligten kirchlichen Einrichtungen erreichen, die sich auf der Welt der Straße engagieren. Darüber hinaus sollen die nationalen Bischofskonferenzen in den Ländern, wo es solche Einrichtungen noch nicht gibt, dazu angeregt werden, entsprechende Initiativen zu ergreifen.

Kardinal Martino wies darauf hin, dass es die Kirche als notwendig erachte, sich um die seelsorgerischen Bedürfnisse von Kraftfahrern zu kümmern, weil Autofahren ein wichtiger Bestandteil des heutigen Lebens sei.

Die Leitlinien unterscheiden zwischen der angemessenen Nutzung des Autos und dem Missbrauch. Autofahrer dürften nicht einem Herrschaftsinstinkt und übersteigertem Ich-Gefühl anheim fallen, sondern müssten Selbstkontrolle und Rücksicht üben, hob der Kurienkardinal hervor. Des Weiteren werde zu Respekt vor den Verkehrsregeln und zu einem umfassenden Verantwortungsbewusstsein aufgerufen. Wer im betrunkenen Zustand oder Geschwindigkeitsrausch die Sicherheit anderer und die eigene gefährde, mache sich in schwerer Weise schuldig, heißt es in dem Dokument.

„Das Auto neigt dazu, den Menschen von seiner ‚primitiven‘ Seite zu zeigen, und das mit sehr unangenehmen Folgen“, wird erklärt. Im Verhalten am Steuer werde häufig ein „psychologischer Rückschritt“ sichtbar.

Mit „zehn Geboten für Autofahrer“ reden die neu vorgestellten Leitlinien des Vatikans rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern ins Gewissen:

-- Du sollst nicht töten
-- Die Straße soll ein Ort der Zusammenkunft von Menschen sein, kein Ort tödlicher Verletzungen
-- Freundlichkeit, Aufrichtigkeit und Klugheit werden dir helfen, mit unvorhergesehenen Zwischenfällen fertig zu werden
-- Sei mildtätig und hilf deinem Nachbarn in Not; vor allem hilf den Unfallopfern
-- Autos sollen nicht Ausdruck von Macht oder Herrschaft sein und kein Mittel zur Sünde
-- Sei wohltätig und unterstütze die Jungen und die nicht mehr ganz so Jungen: dass sie nicht fahren, wenn sie sich nicht im entsprechenden Zustand befinden
-- Unterstütze die Familien der Unfallopfer
-- Bringe Schuldige an Unfällen und ihre Opfer zur rechten Zeit zusammen, damit sie die befreiende Erfahrung der Vergebung erleben können
-- Schütze die schwächeren Verkehrsteilnehmer auf der Straße
-- Fühle dich für andere verantwortlich