Vatikan: Vor acht Jahren wurde Beitrag der jüdischen Schriften wiederentdeckt

Joseph Ratzinger: Im Lichte der Schrift hätte Bruch zwischen Kirche Christi und jüdischem Volke nicht erfolgen dürfen

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ROM, 13. April 2010 (ZENIT.org).- Die einzig "wirklich christliche" Haltung dem jüdischen Volk gegenüber sei "Achtung und Liebe", war die Schlussfolgerung, die Experten des Vatikans in dem vor acht Jahren veröffentlichten Dokument "Das jüdische Volk und seine Heiligen Schriften in der christlichen Bibel" zogen.

Der von der Päpstlichen Bibelkommission im Jahr 2002 veröffentlichte Text - diese untersteht der Glaubenskongregation - hebt auch hervor, dass es völlig falsch ist, "die ´Mahnungen´ an die Juden, die in der christlichen Bibel enthalten sind, als Vorwand zum Antisemitismus zu nehmen".

In dem Dokument wurde im Frühjahr 2002 anerkannt, dass "in der Vergangenheit Irrtümer begangen worden sind, indem man einseitig auf der Diskontinuität bestand, die (was ja nicht geleugnet wird) zwischen jüdischer Bibel (Altem Testament) und christlicher Bibel (Altem und Neuen Testament) besteht.

Der 210-seitige Text wurde damals von jüdischen Vertretern in aller Welt sehr positiv aufgenommen. Darin erkennen Christen die Heiligen Schriften der Juden voll und ganz als Wort Gottes an und schenken ihnen höchste Bedeutung.

Es war die Päpstlichen Bibelkommission, die das Dokument erarbeitet hatte, und der damalige Kardinal Joseph Ratzinger schrieb das Vorwort dazu.

Der Kardinal lädt die Christen darin ein, "die jüdische Lesart der Bibel als eine mögliche" anzuerkennen. Das heißt, sie kann bei so wichtigen Themen, wie das des Messias eines ist, von großer Hilfe sein.

In seinem Vorwort erklärte Joseph Ratzinger, dass man Christus nicht völlig begreifen könne, wenn man die in den jüdischen Schriften enthaltene göttliche Offenbarung ausschliesse. Deshalb lehnte er jegliche Geringachtung des Alten Testamentes ab.

"Die jüdische Messiaserwartung ist nicht vergebens. Für uns kann sie ein starker Ansporn sein, die eschatologische Dimension aufrechtzuerhalten", das heißt, die christliche Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi am Ende der Zeiten.

"Sie wie wir leben in Erwartung. Der Unterschied besteht darin, dass für uns "jener, der kommen wird, die Züge dieses Jesus tragen wird, der bereits gekommen ist und unter uns präsent und aktiv ist".

Mit diesem Dokument soll in der Kirche Christi die Liebe zu den Juden "nach den abscheulichen Verbrechen" während des Zweiten Weltkrieges gestärkt werden. "Im Lichte der Schrift hätte der Bruch zwischen der Kirche Christi und dem jüdischen Volke eigentlich nicht erfolgen dürfen", so das Dokument.

Die göttliche Initiative zur Befreiung und zum Heil, die Erwählung Israels, der Bund, das Gesetz, Gebet und Kult, die privilegierte Stellung Jerusalems und seines Tempels, all das seien Elemente des Testamentes Israels, die das spirituelle Leben der Christen nähren.

(AR)