Vatikan würdigt Obamas Rede in der Universität von Kairo

P. Lombardi: Sehr wichtige Wortmeldung des amerikanischen Präsidenten

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ROM, 5. Juni 2009 (ZENIT.org).- Der Hauptartikel der Tageszeitung des Vatikans, dem Osservatore Romano, ist heute der Rede von US-Präsident Barack Obama in Kairo gewidmet.

Unter dem Titel Der Islam gehört zu Amerika würdigt die Zeitung den erstrebten Neuanfang der Beziehungen zwischen den USA und den Ländern mit vorwiegend islamischer Bevölkerung.

Das sei „eine sehr wichtige Wortmeldung", meinte der Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, P. Federico Lombardi SJ, zur italienischen Nachrichtenagentur "ansa". P. Lombardi wollte keine Einzelheiten der Rede kommentieren, mit der Obama von der ägyptischen Hauptstadt aus der islamischen Welt Versöhnung angeboten hatte, wies aber darauf hin, dass viele seiner Positionen mit denen des Heiligen Stuhles übereinstimmten. Dabei gehe es nicht nur um die Beziehungen zwischen den USA und der islamischen Welt, sondern überhaupt um die weltweiten Friedensperspektiven.



Obama hatte in seiner Rede unter anderem die Zwei-Staaten-Lösung für den Konflikt im Heiligen Land bekräftigt. Papst Benedikt XVI. hatte im Mai bei seiner Pilgerreise ins Heilige Land ebenfalls auf diese Lösung gedrängt. P. Lombardi hofft nun, dass die Rede des US-Präsidenten zu neuen Beziehungen zwischen den USA und der islamischen Welt führen wird.

Der Osservatore Romano würdigte gerade diese Tatsache, dass Präsident Obama in seiner Rede zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen Amerika und den Muslimen aufgerufen hatte. Diese Beziehung sollte nicht durch Konkurrenz geprägt sein, sondern „auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt“ beruhen. Dazu gehörten Prinzipien wie Gerechtigkeit, Toleranz und Menschenwürde.

„Es gibt keinen Zweifel: Der Islam ist ein Teil Amerikas. Und ich glaube daran, dass Amerika in sich die Wahrheit trägt, dass wir alle ungeachtet der Rasse, Religion oder des Lebensabschnitts gemeinsame Sehnsüchte haben: in Frieden und Sicherheit zu leben, eine Ausbildung zu erhalten und in Würde zu arbeiten, unsere Familien, Gemeinden und unseren Gott zu lieben. Diese Dinge teilen wir“, so zitierte der Osservatore Romano aus der Rede von Präsident Obama in der Universität von Kairo.

„Wir müssen uns dauerhaft bemühen, einander zuzuhören, voneinander zu lernen, einander zu respektieren und eine gemeinsame Grundlage zu finden. Wie uns der Heilige Koran sagt: Sei dir der Existenz Gottes bewusst und sage die Wahrheit.“

Vor gut 3.000 Zuhörern stellte Obama mit Blick auf den Irakkrieg klar, dass kein Staat einem anderen ein Regierungssystem aufzwingen dürfe. „Amerika maßt sich nicht an zu wissen, was für alle das Beste ist.“

Der Vortrag habe sieben Hauptpunkte berührt: den Kampf gegen den Extremismus, die Frage Israel-Palästina, den Iran und seine Kernwaffen, die Demokratie, Religionsfreiheit, Frauenrechte und die wirtschaftliche Entwicklung.

Der US-Präsident habe seinen Zuhöreren die Lage in Afghanistan vor Augen geführt und die Ereignisse vom 11. September in Erinnerung gerufen. Die Lage in Afghanistan zeige Amerikas Ziele „und die Notwendigkeit, dass wir zusammenarbeiten“, wie es im Osservatore Romano heißt. „Aber lassen Sie mich deutlich sagen: Al Qaida hat an dem Tag beinahe 3.000 Menschen getötet. Die Opfer waren unschuldige Männer, Frauen und Kinder aus Amerika sowie aus vielen anderen Nationen, die niemandem Leid angetan hatten. Trotzdem entschied Al Qaida, die Menschen skrupellos zu ermorden, rühmte sich des Angriffs und erklärt noch jetzt ihre Entschlossenheit, in großem Stil zu töten. Sie haben Filialen in vielen Ländern und versuchen, ihre Reichweite zu vergrößern. Dies sind keine Meinungen, über die wir diskutieren müssten, dies sind Tatsachen, mit denen wir umgehen müssen.

„Es ist quälend für Amerika, unsere jungen Männer und Frauen zu verlieren. Es ist kostspielig und politisch schwierig, diesen Konflikt fortzusetzen. Wir würden gerne jeden einzelnen unserer Soldaten nach Hause bringen...

Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung des gewaltsamen Extremismus, sondern ein wichtiger Teil zur Förderung des Friedens.“

Zum Thema Irak habe Obama erklärt: „Wir werden dem Irak helfen, seine Sicherheitskräfte auszubilden und seine Wirtschaft zu entwickeln. Aber wir werden einen sicheren und vereinten Irak als Partner unterstützen, niemals als Schutzbefohlenen.“

Eingehend sei der amerikanische Präsident auch auf die Lage im Nahen Osten eingegangen: „Amerikas starke Bande zu Israel sind gut bekannt. Diese Verbindung ist unzerbrechlich... In aller Welt wurde das jüdische Volk Jahrhundert lang verfolgt, und in Europa gipfelte der Antisemitismus in dem beispiellosen Holocaust. Diese Tatsache zu leugnen ist gegenstandslos, ignorant und abscheulich. Israel mit Zerstörung zu drohen oder widerwärtige Klischees über Juden zu wiederholen, ist zutiefst falsch.“

Andererseits sei es aber ebenso unbestreitbar, „dass das palästinensische Volk, Muslime wie Christen, auf der Suche nach einem Heimatland gelitten haben. Es gibt keinen Zweifel: Die Lage des palästinensischen Volks ist untragbar. Amerika wird dem legitimen Streben der Palästinenser nach Würde, Chancen und einem eigenen Staat nicht den Rücken kehren.“

Damit die Ziele der Palästinenser erreicht werden könnten, müsse die Hamas die Gewalt beenden und das Existenzrecht Israels anerkennen. „Zugleich müssen die Israelis einsehen, dass Palästinas Existenzrecht genauso wenig bestritten werden kann wie Israels.“