Vatikan zur Nahrungsmittelkrise: Keine leeren Versprechungen mehr, Soforthilfe jetzt

Erzbischof Migliore: Es bedarf einer konzentrierten Vorgehensweise

| 972 klicks

NEW YORK, 4. Juli 2008 (ZENIT.org).- Nur „unmittelbare und wirksame Maßnahmen“ seien der Schlüssel zur Antwort auf die globale Ernährungskrise. Folgenlose Debatten über die sozialen, kulturellen und moralischen Ursachen führten dagegen zu nichts, unterstrich Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, am Mittwoch im Rahmen der 47. Sitzung der Kommission für Soziale Entwicklung des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen („Economic and Social Council“, ECOSOC).

„Die anhaltende Nahrungsmittelkrise“, so der Nuntius, bestätige die Brisanz des Themas. Schließlich würden von der Krise alle Länder erfasst. Der Vertreter des Vatikans schlug deshalb Soforthilfemaßnahmen für all jene vor, die an Unterernährung und Hunger leiden. „Es ist schwer zu glauben, dass in einer Welt, die jedes Jahr mehr als 1,3 Billionen US-Dollar für Rüstung ausgibt, keine Mittel verfügbar sein sollen, um Menschen in Not zu helfen“.

Dafür bedürfe es allerdings einer „aufrichtigen Bereitschaft“, bekrätigte der Erzbischof. Man müsse dem Problem mit den erforderlichen Maßnahmen begegnen, „nicht einfach nur mit Worten und guten Vorsätzen". Vonnöten sei eine konzertierte Aktion aller, und konkret müssten Investitionen in langfristige und nachhaltige Landwirtschaftsprojekte auf lokaler und internationaler Ebene getätigt werden.

Die alljährliche Organisationstagung befasste sich mit der Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Der offizielle Vertreter des Heiligen Vaters benannte in seinem Beitrag die Herausforderungen, die aufgrund der heutigen Nahrungsmittelkrise vorrangige Beachtung erfahren sollten.

Zunächst verwies Erzbischof Migliore auf die Nahrungsmittelknappheit, die daraus resultierende Unterernährung und die Hungersnöte. Ebenfalls eine Folge sei der enorme Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, der Familien vor beinahe unlösbare Probleme stelle.

Als zweite Herausforderung erwähnte der Vertreter des Heiligen Stuhls die „kurzsichtigen Entscheidungen im wirtschaftlichen, landwirtschaftlichen und energiepolitischen Bereich“, die - verstärkt durch unkontrollierte Finanzspekulationen - zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen führten, wie es sich besonders beim Ölpreis zeige. „Wir müssen daran arbeiten, um sicherzustellen, dass diese Diskussion auch mit sofortigen und wirksamen Maßnahmen einhergeht", erklärte Erzbischof Migliore. „Gelingt das nicht, halten wir unser Treffen als eine bloße rhetorische Übung ab und als eine Form von Vermeidung jeglicher Übernahme von Verantwortung.“

Der Apostolische Nuntius stellte außerdem fest, dass die Nahrungsmittelkrise das Grundrecht eines jeden Menschen bedrohe: ohne Hungersnot leben zu können.

Das 20. Jahrhundert leide auf tragische Art und Weise an den Auswirkungen menschlichen Verhaltens, kritisierte Erzbischof Migliore. Regierungen beschäftigten sich nur mit Problemen innerhalb ihrer nationalen Grenzen; es mangle an Konsultationen und multilateraler Zusammenarbeit.

Die gegenwärtige Krise wertete er als „eine Chance für die globale Gemeinschaft“. Wichtig sei es, „zusammenzukommen und Verantwortung für den jeweiligen Nachbarn zu übernehmen“, schloss Erzbischof Migliore.