Vatikanbank ist transparenter und sicherer als die Banken vieler anderer Länder

Jeffrey Lena, Rechtsanwalt des Heiligen Stuhls, erklärt, wie zuverlässig das IOR wirklich ist

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ROM, 13. August 2012 (ZENIT.org) - Der Moneyval-Bericht habe „die Legende der mangelnden Transparenz des Vatikan und des IOR aus der Welt geschafft.“ So äußerte sich Jeffrey Lena, Rechtsanwalt des Heiligen Stuhls, in einem Interview für „Vatican Insider“.

Jeffrey Lena, 54, geboren in Berkeley (Kalifornien), Studienabschluss in Geschichte und Rechtswissenschaften an der University of California, ehemaliger Universitätsdozent für Rechtswissenschaften, hat seit 2000 den Vatikan in verschiedenen Gerichtsverfahren vertreten. Zur Zeit ist er Mitglied in der Arbeitsgruppe, die das Staatssekretariat mit dem Ziel eingerichtet hat, die Vatikanbank den internationalen Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung anzupassen.

Lena erklärte, ein Großteil der Kritik, die man über den Vatikan zu lesen bekomme, gehe „darauf zurück, dass viele nicht verstehen, was der Heilige Stuhl eigentlich ist und wie er wirklich funktioniert.“ Manche Artikel über die Vatikanbank IOR seien „leider wenig akkurat.“ Oft laufe man Gefahr, „sich mehr mit Hypothesen als mit Fakten zu befassen.“ Zum Beispiel sei die Aussage, der Industriekonzern Finmeccanica besitze Konten beim IOR, „absolut unzutreffend.“ Ebenso falsch sei die Behauptung, dass es anonyme Konten gebe oder dass das IOR Geschäftsbeziehungen zu Scheinbanken unterhalte.

Was den Vorwurf mangelnder Transparenz betrifft, gab Lena folgende Erklärung ab: „Der Bericht von Moneyval schafft die Legende der mangelnden Transparenz aus der Welt. Das mit der Prüfung beauftragte Expertenkomitee hat anerkannt, der Vatikan sei sehr kooperativ gewesen. Ich glaube, auch der Mythos einer tiefgreifenden Korruption beim IOR ist widerlegt worden. Der Bericht sagt ausdrücklich, dass es trotz der in letzter Zeit verschiedentlich in den Medien veröffentlichten Korruptionsvorwürfe keinen empirischen Beweis für klare Fälle von Korruption im Vatikan gebe.“

Auf die Frage, warum das IOR nur in 49 Prozent aller von Moneyval geprüften Kriterien bestanden habe, in den restlichen 51 Prozent hingegen nicht, antwortete der Mitarbeiter des Vatikans: „Diese Feststellung zeigt deutlich, wie leicht Statistiken täuschen können. Wenn man die Zahlen genauer betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Erstens hat das Land, das von allen am besten abgeschnitten hat, lediglich 75 Prozent aller Kriterien erfüllt. Zweitens hat man den Tabellenstand des Vatikans im Vergleich zu den anderen geprüften Ländern nicht beachtet, obwohl diese Daten jedem zur Verfügung stehen, der die Webseite von Moneyval besucht. Es zeigt sich nämlich, dass der Vatikan unter dreißig von Moneyval geprüften Ländern auf Platz elf steht, beziehungsweise auf Platz dreizehn wenn man alle ‚40 + IX Empfehlungen‘ berücksichtigt. In vielen Kategorien hat die Vatikanbank besser abgeschnitten als manch ein EU-Land; so zum Beispiel auf dem Gebiet des Einsatzes zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Das sage ich nicht, um Kritik an anderen Ländern zu üben, sondern um zu betonen, dass man dem Vatikan ruhig die gebührende Anerkennung für die gemachten Bemühungen zollen könnte.“

Über die ungerechtfertigten Vorwürfe, denen das IOR ausgesetzt ist, äußerte sich Lena wie folgt: „Ein Beispiel: In den letzten Monaten ist eine Pressemeldung veröffentlicht worden, wonach die USA die Vatikanbank als ‚potentiell anfällig‘ für Geldwäsche betrachten. Wohl gemerkt: nur potentiell. Diese Nachricht hat dazu beigetragen, dass sich ein sehr negatives Bild vom Vatikan durchsetzen konnte. Doch wenn man den amerikanischen Bericht einmal liest, dann wird man feststellen, dass Länder wie Japan, Großbritannien, Australien und Italien als für Geldwäsche wesentlich anfälliger eingestuft werden. Es ist schon seltsam, dass in gewissen Zeitungsartikeln die Bewertung, die dem Vatikan gegeben wurde, nicht mit der anderer Länder verglichen wurde, die viel stärker gefährdet sind.“

In Bezug auf den Vorwurf mangelnder Kooperationsbereitschaft des IOR auf internationaler Ebene sagte der Mitarbeiter des Heiligen Stuhls: „Dieser immer wiederkehrende Vorwurf der fehlenden Kooperationsbereitschaft ist wirklich ungerecht. Wer zum Beispiel im vergangenen Januar geschrieben hatte, der Vatikan habe auf ein Hilfeersuchen, das angeblich im Jahr 2002 verschickt wurde, ‚nie geantwortet‘, wird sich wahrscheinlich sehr gewundert haben, als er entdeckte, dass dieses Hilfeersuchen in Wirklichkeit nie abgesendet wurde und daher auch nie im Vatikan ankam“.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]