Vatikanbibliothek mit Hightech: 45 Milliarden Bytes digitalisierte Handschriften

Manuskripte aus Jahrhunderten schaffen den Sprung in die digitale Welt

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Von Jan Bentz

ROM, 16. Dezember 2011 (ZENIT.org). – Die Vatikanbibliothek wird teilweise digitalisiert. Eine der ältesten Sammlungen von Originalhandschriften und ein reicher Schatz von Papstdokumenten von den Zeiten Gregors des Großen an schaffen den Sprung in die digitale Welt. Seit 2010 werden bereits Teile der Handschriftenbände digitalisiert; nun soll eine weiterer Schritt gegangen werden: das Scannen von ca. 80.000 Manuskripten in hochauflösendem Format.

Die ersten Dokumente der Sammlung gehen auf das 4. Jahrhundert zurück, die Sammlung, wie man sie heute kennt, wurde unter Papst Nikolaus V. (1397-1455) im Jahr 1447 begonnen.

Msgr. Cesare Pasini, Leiter der Vatikanbibliothek, hatte gegenüber RomeReports erklärt, dass der Plan für das Projekt schon seit einigen Jahren bestehe, es aber nie vollständig konkretisiert werden konnte. Nun aber existierten die notwendigen fortgeschrittenen Technologien. Eine der Herausforderungen sei, dass die Informationen vollständig archiviert werden müssten, da eine nur teilweise Speicherung von Texten Informationen unzugänglich machen würde. Daher benötige das Digitalisieren eines einzigen Manuskriptes sehr viel Zeit und Aufwand.

Die erste Phase besteht aus dem Einscannen der ca. 80.000 Dokumente. Unter den zu scannenden Werken sind auch die „Bodmer Papyri“, eine kostbare erste Transkription der Evangelien. Es handelt sich um ein überaus delikates Vorhaben, denn es besteht immer die Gefahr, dass die kostbaren Dokumente beschädigt werden.

Die digitalisierten Manuskripte werden einen Datenumfang von ca. 45 Milliarden Bytes beanspruchen.

Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Universität Heidelberg und der „Enzo Hruby Stiftung“ in Italien, die auch das Sicherheitssystem des Bibliotheksgebäudes gesponsert hat.

Die Vatikanische Bibliothek war am 20. September 2010 nach umfangreicher Renovierung mit zahlreichen technischen Neuerungen wiedereröffnet worden, unter anderem ein HD-Megapixel-Videosystem für umfassenden Schutz und eine Sicherung der Bände und Handschriften mit Mikrochips. Insgesamt wurden an kritischen Punkten der Bibliothek (Leseräume, Ausgänge und Lager) 78 Kameras installiert. Zusammen mit der „RFID-Technologie“, die sowohl bei den Identifikationsausweisen als auch bei den in die Bücher integrierten Mikrochips zum Einsatz kommt, können Personen den von ihnen konsultierten Bänden zugeordnet und deren Bewegungen innerhalb der Bibliothek nachverfolgt werden. Weiterhin gibt es nun einen kabellosen Internetzugang für Wissenschaftler.

Die Bibliothek erhielt außerdem einen verbesserten Brand- und Staubschutz, einen neuen Aufzug, eine neue Klimaanlage und einen eigenen Raum für die hochempfindlichen antiken Papyrus-Dokumente.

Die Vatikanbibliothek ist im Besitz einiger der seltensten Manuskripte der Welt, darunter einige der frühesten erhaltenen Bibeltexte sowie des „Codex Vaticanus“, eine vor 1700 Jahren in griechischer Sprache verfasste Bibelhandschrift. Die Sammlung umfasst über 1,6 Millionen gedruckte Bücher, viele davon aus dem 16. Jahrhundert, und 80.000 alte Handschriften.

Zudem besitzt der Vatikan eine bedeutende Münzsammlung mit 350.000 Exemplaren, 100.000 Karten und Stiche und mit 8500 Wiegendrucken eine der größten Inkunabel-Sammlungen der Welt (Inkunabeln oder Wiegendrucke sind die frühesten Erzeugnisse des Buchdrucks, die bis einschließlich 1500 erschienen sind).