Vatikanische Museen: Asiatischer Trakt wieder zugänglich

100.000 antike Stücke können wieder besichtigt werden

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ROM, 20. Juni 2006 (ZENIT.org).- Die Vatikanischen Museen sind um eine Attraktion reicher. Heute, Dienstag, wurde im Rahmen einer Pressekonferenz die Wiedereröffnung eines Teils des missionarisch-ethnologischen Museums vorgestellt. Es handelt sich um die Asien-Abteilung, in der ab heute Kunstschätze aus China, Japan, Korea, Tibet und der Mongolei besichtigt werden können.



Wie der Name schon sagt, gibt es nicht "ein" Museum, sondern zahlreiche verschiedene Ausstellungen, die gemeinsam die Vatikanischen Museen bilden. Zu diesen gehört auch das missionarisch-ethnologische Museum, das seit einigen Jahren vorübergehend geschlossen war. Die Museumsdirektion hatte nämlich beschlossen, einige Neuerungen einzuführen und das Museum neu herzurichten. Diese Maßnahme war nötig geworden, weil einige wertvolle Stücke unter den zuvor herrschenden Bedingungen gelitten hatten. Um noch größere Schäden zu verhindern, wurden unter anderem eine neue Klimaanlage und eine neue Beleuchtung installiert.

Papst Pius XI. gründete das missionarisch-ethnologische Museum am 12. November 1926 mit dem Motu Proprio "Quoniam tam preclara". Damals erhielt das Haus seinen Platz im Lateranspalast. Der Papst hatte dem Museumsnamen absichtlich das Adjektiv "missionarisch" vorangestellt, da er auf diese Weise auf das große Thema der "Inkulturation" aufmerksam machen wollte. Mit diesem Begriff wird die Art und Weise beschrieben, wie die christliche Botschaft in den jeweiligen Kulturen künstlerisch umgesetzt worden ist. Gleichzeitig wollte Pius XI. mit dem Museum auch die Rolle der Missionare dokumentieren. Im Jahr 1963 wurde das Museum, das heute rund 80.000 Werke zählt, in den Vatikan verlegt. Unter Papst Paul VI. wurden die Vatikanischen Museen ausgebaut, um Platz für das neue Museum zu schaffen.

Ursprünglich war es nicht vorgesehen, einen Teil des Museums bereits in diesem Jahr zu eröffnen. Da aber das 500-jährige Jubiläum der Vatikanischen Museen bevorsteht und großes Interesse an der asiatischen Kultur besteht, beschloss die Direktion, die Eröffnung des genannten Traktes vorzuziehen. Neben der Asien-Abteilung gibt es auch die Ozeanien-, die Afrika- sowie die Amerika-Abteilung. In zwei Jahren soll auch der ozeanische Teil wieder zugänglich sein, im Jahre 2009 der afrikanische und 2010 der amerikanische.

Die asiatische Ausstellung ist außerordentlich reich an wertvollen Objekten. Der Besucher kommt bei seinem Rundgang in den Genuss von rund 100.000 antiken Stücken. Gemäß Francesco Buranelli, dem Direktor der Vatikanischen Museen, ist dieses Museum eines der interessantesten auf der ganzen Welt – "und sicherlich das wichtigste, wenn es um die Dokumentation der religiösen Kultur außereuropäischer Völker geht". Laut Buranelli übt das Museum eine höchst bedeutende Funktion aus. Es helfe dabei, die Erinnerung an die Wurzeln und diese selbst zu bewahren. Sie dienten nämlich als Basis für den Dialog mit den anderen Kulturen, Zivilisationen und Religionen.

Auf die Frage, ob es denn einen Austausch mit anderen Museen gegeben habe, antwortete Dr. Consoli, eine der Kuratorinnen: "Es gab eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen bedeutenden Museen, darunter auch mit einem in Berlin und in Wien. Sie haben sehr viel beigetragen und uns in entscheidenden Sachfragen auch geholfen." Gemäß der Kuratorin gilt es allerdings jetzt noch, ein wichtiges Problem zu überwinden: "Es mangelt an Personal: sowohl was die Sicherheit als auch was die fachliche Beratung betrifft", führte Consoli aus. In Italien sei es eben etwas schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden, da viele sich nie mit asiatischer Kultur beschäftigt hätten.