Vatikanische Museen: ein neuer Saal Matisse gewidmet

„Ich habe nicht die Schönheit gesucht, ich habe die Wahrheit gesucht“

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ROM, Freitag, 24. Juni 2011 (ZENIT.org). - Die Vatikanischen Museen eröffnete am Mittwoch für das Publikum einen neuen Saal, der dem einzigen religiösen Kunstwerk des französischen Künstlers Henri Matisse (1869-1954) gewidmet ist: der Rosenkranzkapelle von Vence (Provence), die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

Der Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, stellte am Dienstag den Saal des Matisse vor, wie Radio Vatikan berichtet.

In dem Saal werden die Skizzen für die Ausgestaltungsarbeiten der Kapelle ausgestellt, die der Sohn des Malers vor 31 Jahren den päpstlichen Sammlungen gestiftet hatte.

Der neue Saal befindet sich in der Nähe der päpstlichen Galerien, in der Mitte der Abteilung über das Zwanzigste Jahrhundert.

Darin sind auch der große Kartonentwurf der Keramik des Presbyteriums und der drei bronzenen Glasfenster, der Apsis, des Chores und des Kirchenschiffes sowie eine Bronzenachbildung des Altarkreuzes zu sehen.

Im Laufe der Zeit ist auch die Ausstellung des ersten Gewebes der fünf farbigen Gewänder und des kleinen Modells des großen Pfeilers vorgesehen, der die Kapelle schmückt.

Für Herbst wird die Herausgabe eines Buches über die Kapelle erwartet (Libreria Editrice Vaticana), das unter anderem auch den Briefwechsel zwischen Matisse und Schwester Jacques-Marie enthalten wird. Schwester Jacques-Marie hatte im Jahre 1979 ihre kostbaren Briefe gestiftet.

Eine ehemalige Krankenschwester von Henri Matisse trat im Jahr 1946 in das Dominikanerinnenkloster ein. Ein Jahr später äußerte sie Matisse gegenüber ihren Wunsch, eine Kapelle des Klosters auszugestalten.

Matisse fasste dann den Entschluss, eine ganze Kapelle zu bauen: Von 1948 bis 1951 arbeitete er an diesem Projekt und im Jahre 1951 wurde die Kapelle eingeweiht.

Leider konnte er persönlich nicht an der Einweihung seines Werks teilnehmen, aber er schrieb zu diesem Anlass: „Mir ging es nicht um Schönheit, ich habe die Wahrheit gesucht.“

„Mit aller Demut übergebe ich euch die Rosenkranzkapelle der Dominikanerinnen von Vence“, äußerte er. „Dieses Werk hat mich vier Jahre exklusiver und ausdauernder Arbeit gekostet. Es ist die Frucht eines ganzen der Arbeit gewidmeten Lebens. Ich halte es trotz aller Unzulänglichkeiten für ein Meisterwerk.“