Venezuela: Aufruf des Papstes für die Gefangenen

Die Probleme der Lebensbedingungen im Gefängnis überwinden

Rom, (ZENIT.org) | 607 klicks

Benedikt XVI. forderte die Regierung und die Behörden Venezuelas dazu auf, „mit gutem Willen und Kooperationsgeist an der Lösung der Probleme zu arbeiten, die die venezuelischen Gefängnisse bedrücken.“

Nach der Tragödie vom 25. und 26. Januar im Gefängnis von Uribana, im venezuelischen Bundesstaat Lara, ließ der Heilige Vater durch Kardinal Staatssekretär Tarcisio Bertone ein Telegramm an den Erzbischof von Barquisimeto Msgr. Antonio José Lopez Castillo schicken.

Während der zwei Tage andauernden Unruhen im Gefängnis waren 61 Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert mehr oder weniger schwer verletzt worden. Die Haftanstalt wurde danach vollständig evakuiert und durchsucht. Etwa 2500 Gefangene wurden in andere Anstalten verlegt. Die reale Kapazität des Gefängnisses in Uribana beträgt allerdings nicht mehr als 850 Plätze.

Benedikt XVI. erklärte, er sei „zutiefst betrübt über die Nachricht der tragischen Zwischenfälle im Gefängnis von Uribana“ und versicherte „sein Gebet für den ewigen Frieden der Menschen, die dort ihr Leben verloren haben“, heißt es im Telegramm. Den Familien der Opfer drückte der Heilige Vater sein „tiefes Mitgefühl“ und seine „geistige Nähe“ aus. Auch bete er „für eine schnelle und vollkommene Genesung der Verletzten“, so weiterhin im Telegramm.

Der Papst ermutigte „alle Behörden und alle Personen, die in diesem Fall Verantwortung tragen,“ dazu, „mit gutem Willen und Kooperationsgeist an der Lösung der Probleme zu arbeiten, die die venezuelischen Gefängnisse bedrücken, um in Zukunft zu verhindern, dass sich solch dramatische Ereignisse wiederholen.“

Benedikt XVI. entsendet abschließend auch „seinen apostolischen Segen, als Zeichen der Hoffnung und des Trosts in diesem traurigen Augenblick.“

Die venezuelischen Bischöfe protestierten ihrerseits gegen die Überbelegung der Gefängnisse des Landes, in denen insgesamt 45.000 Menschen lebten, obwohl nur 15.000 Plätze vorhanden seien.

„Angesichts der ineffizienten Gefängnispolitik der Regierung, angesichts der Überbelegun, des Mangels an Lebensmitteln, der unkontrollierten Gewalt, der Langsamkeit der Gerichte und der von den Familien der Gefangenen erfahrenen Demütigungen kann die katholische Kirche nicht schweigend zusehen“, heißt es in einem am 29. Januar veröffentlichten und von der vatikanischen Nachrichtenagentur FIDES aufgegriffenen Kommuniqué der von der venezuelischen Bischofskonferenz eingerichteten nationalen Kommission für die Seelsorge in den Gefängnissen.

Die Kommission forderte „ein gründliches, unabhängiges und objektives Ermittlungsverfahren über die Ereignisse in Uribana, damit die Verantwortlichen bestraft werden können.“

Das Kommuniqué, das unter dem Titel „Ein Moment nationaler Trauer“ veröffentlicht wurde, verurteilt die Macht der innerhalb der Gefängnisse wirkenden Banden und den leichten Zugang zu Waffen und erinnert zugleich daran, dass der Staat dazu verpflichtet sei, das Leben der Gefangenen zu schützen: „Wir fordern von der Regierung, im Einklang mit Absatz 272 unserer Verfassung, einen ernsthaften Einsatz zur Lösung der Krise, die unsere Gefängnisse heute erleben. Alle nötigen Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit solchen Ereignissen in Zukunft vorgebeugt werden kann und die Menschenrechte aller Häftlinge in Venezuela gesichert sind.“

Die Kommission der venezuelischen Bischofskonferenz forderte auch die Wiedereinsetzung der zur Zeit aufgehobenen Erlaubnis für kirchliche Seelsorger, in den Haftanstalten tätig zu sein. Das Dokument endet mit einer an alle Christen des Landes gerichteten Aufforderung, sich stärker für die Achtung der Würde aller Menschen einzusetzen.