"Verblüffende religiöse Haltung Herausforderung für die Gesättigten"

Bericht über Afrika-Synode vor Vollversammlung der Bischöfe Italiens

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ASSISI, 12. November 2009 (ZENIT.org).- Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Italiens, Kardinal Angelo Bagnasco, hat in einer Ansprache vor seinen italienischen Mitbrüdern im Bischofsamt am Montag daran erinnert, dass die Christen gegenwärtig immer noch in einem Zeitalter der Märtyrer leben. Vor der Vollversammlung der Bischöfe in Assisi berichtete der Erzbischof von Genua über die jüngste Afrika-Synode in Rom und erwähnte dabei das Beispiel von sieben Christen, die im Sudan gekreuzigt worden sind. Er betonte zudem das spirituelle Potential des afrikanischen Kontinents sowie die Mitverantwortung der nördlichen Hemisphäre beim Kampf gegen den Hunger.

„In der Tat, sogar unsere Zeit ist eine Zeit der Märtyrer", sagte der Kardinal wörtlich gegenüber der Fides Nachrichtenagentur. „Das kommt den Menschen fast unglaublich vor, die eine Freiheit genießen, derer sie sich gar nicht bewusst sind." Aber es sei auch bekannt, dass eine große Zahl derer, die für das Evangelium arbeiteten, ihr Leben hingeben müssten. Bei der jüngsten Afrika-Synode habe er viele Lektionen gelernt. Die Synode stelle unbestreitbar eine Erneuerung des Evangeliums sowie eine Verpflichtung für neue Wege in der Versöhnung dar.

Der Kardinal ruft die Bürger in der nördlichen Hemisphäre dazu auf, dieses Ereignis zum Anlass zu nehmen, einmal vorurteilsfrei ihre Verantwortlichkeiten zu untersuchen. Er habe eine starke Anklage herausgehört, dass „spiritueller Giftmüll" aus reichen Regionen der Erde komme und Afrika vergifte. Diese Beschwerde seien international wenig beachtet worden, weil die Medien weltweit ohnehin wenig über die Synode berichtet hätten. Afrika sei in der privilegierten Position, die Industrieländer herauszufordern.

"Die einzigartige Stärke der afrikanischen Einstellung, mit ihrer unbändigen Volksfrömmigkeit und ihrem instinktiven Glauben an den Schöpfergott, mit ihrer verblüffenden religiösen Haltung, ist eine andauernde Herausforderung für all die Gesättigten und Abgelenkten der sogenannten entwickelten Welt", sagte der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz.

Hunger sei immer noch der wesentliche Grund für die gebremste Entwicklung in Afrika. Die Kirche müsse zudem mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln daran arbeiten, dass keinem Afrikaner mehr das tägliche Brot abgehe. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Ursache des Hungers nicht Ressourcenknappheit sei, sondern dieser in gesellschaftlich und institutionell bedingt sei, „was wir ohne viel Aufhebens versuchen sollten zu ändern."

Der Kardinal bekräftigte, dass Italien bereit sei, seine traditionelle Offenheit gegenüber den Menschen in Afrika zu erneuern, vorzugsweise durch Hilfe bei der Förderung der inneren Entwicklung und indem es einen geeigneteren Weg zu einer Partnerschaft finde, dass der eigenen Würde und der der anderen gerecht werde. Er regte zu einer „Vision der Kirche" an, die anderen mit einbeziehe. „Was von uns erwartet wird, ist, kurz gesagt, ein weiteres missionarisches Bewusstsein", sagte der Kardinal. (mk)