Vereinigte Staaten: Erklärung der Bischöfe über die Beihilfe zur Selbsttötung

Forderung nach einem „echten“ Mitgefühl für die Bedürfnisse der Kranken

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SEATTLE, Freitag, 24. Juni 2011 (ZENIT.org). - „Jeden Tag mit Würde leben“, lautet der Titel einer Erklärung, die am vergangenen Donnerstag von den Bischöfen der Vereinigten Staaten auf deren Frühjahrskonferenz in Seattle, Washington, verabschiedet wurde.

Das Dokument bekräftigt die Ablehnung der Kirche des ärztlich assistierten Suizids im Namen der Menschenrechte und die ethischen Pflichten des ärztlichen Berufs insgesamt.

Bezug wird auch auf die Schwierigkeiten und Ängste der Todkranken genommen und daran erinnert, dass diese ein größeres Bedürfnis an „Liebe und Beistand“ sowie an „Aufmerksamkeit und Beachtung“ hätten als andere.

„Im Gegensatz zu den Marketing-Strategien erhöht die Kampagne zur Legalisierung dieses Verbrechen nicht die Freiheit“ dieser Menschen, für die es, wenn sie mit dem „empfindlichsten Moment ihres Lebens“ konfrontiert würden, immer schwieriger werde, „Entscheidungen zu treffen“. Sie könnten Selbstmordgedanken haben und „von Vorurteilen und Wünsche anderer gegen sie beeinflusst werden.“

„Wenn der rechtliche Schutz des Lebens für eine Gruppe von Menschen aufgehoben wird“, warnen die Bischöfe, „wird von der Regierung implizit die Botschaft vermittelt, dass der Tod besser für sie sei.“

Auf diese Weise fließe in die offizielle Politik „die Intoleranz vieler gesunder Menschen gegen den Wert des Lebens der Kranken oder Behinderten.“

Die Bischöfe räumen ein, dass das Leiden bei chronischen oder unheilbaren Krankheiten oft sehr groß sei und des Mitgefühls bedürfe.

Aber das „wahre“ Mitleid müsse neuen Mut durch die „Solidarität“ mit den Leidenden schenken, betonen die Bischöfe.

Das Mitleid bestehe nicht darin, „ihnen tödliche Medikamente an die Hand zu geben oder sie ihren selbstmörderischen Impulsen oder egoistischen Beweggründen zu überlassen, die sie dazu bringen können, sich den Tod zu wünschen“, heißt es im Dokument.

An diesem Zusammenhang äußern die Bischöfe ihre Sorge über die „schlimme Entwicklung“ bei einigen Ärzten, wie zum Beispiel in den Niederlanden. Dort sei die Euthanasie ursprünglich auf todkranke Patienten beschränkt gewesen, nun würden aber tödliche Medikamente chronisch Kranken und Behinderten zur Verfügung verabreicht.

Die Bischöfe befürchten außerdem, dass die staatlichen Programme und die privaten Versicherungen ihre Hilfen für die Pflege zur Verlängerung des Lebens begrenzen und auf eine Lösung entsprechend dem Verhältnis von „Kosten-Nutzen“ zurückgreifen würden, auf den vom Arzt verordneten Tod.

Die Bischöfe stellen die Frage, warum die Ärzteschaft ihr Leben damit verbringen sollte, „Empathie und die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln, um eine so schwierige und wichtige Aufgabe wie die Bereitstellung einer ausgewählten medizinischen Versorgung zu ermöglichen, wenn die Gesellschaft beginnt, für die leidenden Patienten eine Lösung zu legalisieren, die keine Qualifizierung erfordert?“

„Sobald einige Menschen sich erst einmal zu einer wirtschaftlichen Behandlung des assistierten Suizids bereit erklären, wird es für die öffentlichen und privaten Beitragszahler der Krankenversicherung auch leicht sein, andere Mittel, die das Leben bejahen, bereitzustellen“, erklären die Bischöfe.

Daher heben die US-Bischöfe in ihrer Erklärung hervor, dass „es einen viel besseren Weg gibt, um auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen, die von einer schweren Krankheit betroffen sind.“

Die Bischöfe schlagen vor, in den Kranken „Vertrauen, Ruhe, Gelassenheit“ bei sich selbst, mit anderen und mit Gott zu wecken und ihnen Mut durch die beständige Frage zu machen: „Wie können wir helfen?“ sowie eine wirksame Palliativpflege einzusetzen.

Für die Bischöfe bedeute dies jedoch nicht zu versuchen, „das Leben durch den Einsatz von unwirksamen oder unnötig destruktiven Medikamenten zu verlängern und jenen Patienten eine Schmerzbehandlung zu verweigern, die eine außergewöhnliche oder unangemessene Angst haben, dass diese Nebenwirkungen haben und das Leben verkürzen könnten.“

„Wir verdienen es, in einer Gesellschaft alt zu werden, die sensibel für uns und unsere Bedürfnisse ist“, schließen die Bischöfe, in einer Gesellschaft, in der „das auf Respekt gegründete Mitgefühl und die Unterstützung am Ende unseres Lebens echt sind.“

„Die Wahl, die wir heute gemeinsam treffen, wird darüber entscheiden, ob es eine solidarische Gesellschaft ist, die wir den künftigen Generationen hinterlassen.“

[Übersetzung aus dem Spanischen von Iria Staat]