Verfassungsreform in Venezuela: Bischöfe rufen zu einem klaren „Nein“ auf

Von Angela Reddemann und Dominik Hartig

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CARACAS, 27. November 2007 (ZENIT.org).- Die Verfassungsreform in Venezuela, über die am 2. Dezember abgestimmt wird, ist in den Augen der Bischöfe „unnötig, moralisch unannehmbar und ein Rückschritt für das Land“.



In einer gestern veröffentlichten Erklärung sprachen sich der Vorsitzende der Venezuelanischen Bischofskonferenz, seine beiden Stellvertreter und der Generalsekretär damit in aller Deutlichkeit gegen ein „Ja“ beim bevorstehenden Referendum aus. „Abgesehen davon, dass viele zivile, soziale und politische Menschenrechte beschnitten werden, die jetzt durch die Verfassung geschützt sind, werden Beweggründe geliefert, um der politischen Diskriminierung Raum zu geben.“ Außerdem würde der Weg frei für neue Konfrontationen innerhalb der Bevölkerung, kritisierten der Erzbischof von Maracaibo, Ubaldo Santana Sequera, und seine Mitbrüder. „Wir laden alle Katholiken und Christen sowie Frauen und Männer jeden religiösen Bekenntnisses ein, intensiv zu Gott zu beten, damit wir alle dazu beitragen, einen Weg des Friedens zu errichten.“

Die Mahnung der katholischen Bischöfe, durch den Regierungsstil des Präsidenten in Venezuela werde gegen Religionsfreiheit und Menschenrechte verstoßen, hat Präsident Hugo Chavez dazu veranlasst, alle christlichen Kirchen zu kritisieren. Der Presbyterialrat der Erzdiözese Caracas stellte sich deshalb geschlossen hinter die Oberhirten und forderte „energisch“ dazu auf, den politischen Praktiken der religiösen Diskriminierung Einhalt zu gebieten.

Seit Jahren verfolgen die Bischöfe mit Sorge, dass ein politisches System wie in Venezuela kaum mehr über Mechanismen verfügt, um die Macht des Präsidenten zu kontrollieren. Was ehemals eine gesunde Demokratie in Mittelamerika war, könnte bald in einer Diktatur enden.

Erst letzte Woche erklärte Bischof Baltazar Porras, der frühere Vorsitzende der Venezuelanischen Bischofskonferenz und jetzige erste Vizepräsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates („Consejo Episcopal Latinoamericano“, CELAM), gegenüber Zenit: „Ich muss leider sagen, dass ich für unser Land keine friedliche Zukunft sehe, sondern eine Zukunft von Gegensätzen und Konflikten.“ Das Volk Venezuelas wünsche sich kein Panorama, das sich mit einem castristischen Kommunismus identifiziert (vgl. Interview).

Diese Situation hat sich drastisch verschärft, seitdem sich die sozialistische Regierung Venezuelas ein Ermächtigungsgesetz genehmigen ließ, das Präsident Chavez auf unbegrenzte Zeit stützen soll.

Der Presbyterialrat der Erzdiözese Caracas veröffentlichte eine Verlautbarung an alle Katholiken und Menschen guten Willens, in der sich die Priester mit Kardinal Jorge Uraosa Savino, dem Erzbischof von Caracas, und allen Bischöfen des Landes solidarisch erklären. An den Bischöfen war Kritik geübt worden, da sie versucht hatten, „die gegenwärtige Lage im Land im Licht des Glaubens zu erleuchten“. Die Geistlichen der Erzdiözese Caracas begrüßen den Wortlaut des Hirtenbriefs der Bischofskonferenz mit dem Titel „Berufen, in Freiheit zu leben“.

„Dieses Dokument“, so heißt es in der Verlautbarung, „wurde von unseren Bischöfen im Rahmen ihres Amtes als Hirten aller katholischen Gläubigen formuliert und behandelt Aspekte, die die Grundrechte der Menschen anbelangen.“

Währenddessen führt die Kirche in Venezuela die Aktion „Hilf deiner Kirche 2007“ durch. Das Thema dieser Kampagne lautet „Gott liebt den fröhlichen Geber“ (vgl. 2 Kor 9,7) und will vor allem dazu beitragen, dass sich die Christen ihrer eigenen Verantwortung bewusst werden und zu Mission, Pastoral und sozialem Engagement der Kirche in Venezuela ihren Beitrag leisten. „So werden wir uns als Gemeinschaft des Glaubens als Volk Gottes betrachten und identifizieren und das Evangelisierungswerk, das Gott uns hinterlassen hat, in unserem Land fortführen“, heißt es in einer Verlautbarung zur Aktion.

Die Mitglieder der Bischofskonferenz betonen: „Als Katholiken sind wir dafür verantwortlich, dass das soziale Engagement unter allen, die in besonderer Not sind, fortgesetzt werden kann.“

Auch der Presbyterialrat will „die Einheit“ Venezuelas fördern. Die Priester bekunden in diesem Zusammenhang ihre Bereitschaft, sich in den Dienst aller Menschen zu stellen, „ohne Unterschied und politische Partialität, weshalb wir jedes Verhalten der Intoleranz aus politischen und ideologischen Gründen ablehnen. Venezuela muss auch in Zukunft ein Land bleiben, in dem sich alle als Teil einer gemeinsamen Bestimmung betrachten.“

In der vergangenen Woche appellierte Erzbischof Baltzar Porras von Merida (er ist auch Vorsitzender der bischöflichen Medienkommission) an die Bürger, bei der Volksbefragung am 2. Dezember, bei der über das Projekt einer Verfassungsreform entschieden wird, nach bestem Gewissen zu entscheiden. Niemand dürfe „unüberlegt“ seine Stimme abgeben, da es sich um eine entscheidende Frage handelt, die alle betrifft.