Vergebung Gottes ist eine persönliche Angelegenheit

Motu proprio "Misericordia Dei"

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VATIKAN, 3. Mai 2002 (ZENIT.org).- Der Heilige Vater hat ein Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio verfasst, um deutlich zu machen, dass die Vergebung Gottes eine persönliche Angelegenheit ist und die Ohrenbeichte daher die ordentliche und angemessene Form der Spende des Bußsakramentes ist und bleibt.



Bei der Presserunde zur Vorstellung des Motu proprio mit dem Titel "Misericordia Dei" (Die Barmherzigkeit Gottes) hieß es, der Papst habe dieses kurze Schreiben (wir veröffentlichten es in der gestrigen Ausgabe) in Form eines Motu proprio verfasst, um auf die in manchen Ländern zu unrecht immer üblicher werdende "Generalabsolution" zu reagieren.

"Dass die Menschheit der Reinigung und Vergebung bedarf, ist in unserer Zeit völlig evident. Aus eben diesem Grunde wollte der Heilige Vater dieses Apostolische Schreiben verfassen, welches vor allem den persönlichen Charakter des Bußsakramentes hervorhebt", so sagte Joseph Kardinal Ratzinger am Donnerstag vor der Presse.

Der Präfekt der Glaubenskongregation fügte auch hinzu, dass "die Schuld trotz all unserer Bande mit der menschlichen Gemeinschaft letztlich etwas ganz Persönliches ist, so dass auch unsere Heilung, die Vergebung, etwas ganz Persönliches sein muss".

"Gott behandelt uns nicht wie Teile eines Kollektivs. Er kennt jeden beim Namen und ruft ihn persönlich und rettet ihn, wenn er Schuld auf sich geladen hat. Zwar wendet sich der Herr in allen Sakramenten direkt an jeden Menschen, doch wird der personale Charakter des christlichen Lebens erst im Bußsakrament so richtig deutlich".

Diese persönliche Dimension, so der Kardinal, "wurde etwas in den Schatten gerückt in den letzten Jahrzehnten, da man immer häufiger auf die kollektive Absolution zurückgegriffen hat, die immer mehr als die normale Form des Bußsakramentes betrachtet wurde".

"Dieser Missbrauch hat zum allmählichen Verschwinden dieses Sakramentes in einigen Teilen der Kirche geführt".

"Legt dieses Dokument nun dem Christen ein neues Joch auf?", so fragt Ratzinger.

"Nein, ganz im Gegenteil, der absolut persönliche Charakter christlichen Daseins muss verteidigt werden. Natürlich mag das Bekenntnis der eigenen Schuld dem Menschen etwas lästig erscheinen, da es seinen Stolz demütigt und ihn mit seiner Armseligkeit konfrontiert".

"Wir brauchen aber gerade das, denn wir leiden ja, weil wir uns in unser Delirium der Verfehlungen und der Schuld einschließen, so aber verschließen wir uns auch vor den anderen".

"In der psychotherapeutischen Behandlung wird verlangt, dass die Menschen sich mit den tiefgründigen und oft gefährlichen Offenbarungen ihres Inneren belasten. Im Sakrament der Buße präsentiert man mit Vertrauen auf die barmherzige Güte Gottes lediglich ein Bekenntnis der eigenen Schuld ab".

"Und das ist wichtig, ohne dabei Skrupel zu bekommen, sondern im Geist des Vertrauens, wie es den Gotteskindern eigen ist, muss dies geschehen, so kann die Beichte zu einer befreienden Erfahrung werden, wo die Last der Vergangenheit abgelegt wird und wir uns durch das Verdienst der Gnade Gottes wieder jünger fühlen können".

Auch Jorge Arturo Kardinal Medina Estévez, der Präfekt der Kultuskongregation sprach bei der Presserunde einige Worte zu dem neuen päpstlichen Dokument. "Misericordia Dei bestätigt die traditionelle Lehre der Kirche, der gemäß der einzige ordentliche Weg des Empfanges des Bußsakramentes das vollständige Sündenbekenntnis vor dem Priester und die persönliche Absolution ist".

"Die sogenannten "Kollektivabsolutionen" oder "Generalabsolutionen" müssen als außerordentlich und als Ausnahmen betrachtet werden".

"Auf sie darf einzig und allein zurückgegriffen werden in Todesgefahr oder wenn es physisch und moralische unmöglich ist, das Bußsakrament in ordentlicher Weise zu empfangen. Die "Kollektivabsolutionen" der ordentlichen Form des Bußsakramentes gleichzustellen ist ein doktrinärer Irrtum, ein disziplinärer Missbrauch, mit dem pastoraler Schaden angerichtet wird".

Auch Erzbischof Julián Herranz, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Auslegung der Gesetzestexte sprach vor der Presse und hob die Dimensionen dieses päpstlichen Schreibens hervor, nämlich "das Grundrecht der Gläubigen, von den Priestern die von Christus gestifteten Sakramente zu empfangen, die Pflicht der Hirten, dafür zu sorgen, dass die kanonischen Gesetze und liturgischen Regeln sorgfältig eingehalten und beachtet werden, um so einen gültigen und rechtmäßigen Empfang der Sakramente zu gewährleisten"