Vergessen wir nicht die Priester und Ordensschwestern in den Altersheimen

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 483 klicks

In der heutige Tagespredigt von Papst Franziskus ging es um drei Figuren: Mose, Johannes den Täufer und den Heiligen Paulus. Er unterstrich, dass keiner von ihnen von Ängsten verschont geblieben sei, aber der Herr habe sie nie verlassen. Der Pontifex erinnerte an viele Priester und Ordensschwestern in Altersheimen und lud die Gläubigen dazu ein, diese zu besuchen, da es sich um wahre „Wallfahrtsorte der Heiligkeit und Kirchlichkeit“ handle.

Der Anfang des apostolischen Lebens stehe der Lebensabend des Apostels Paulus. Papst Franziskus entnahm den heutigen Lesungen die Inspiration für seine Ausführungen über die beiden Extreme der Existenz eines jeden Christen. Am Anfang des apostolischen Lebens, sagte er, indem er das heutige Evangelium (Lk 10,1-9) kommentierte, seien die Jünger jung und stark gewesen, und selbst die Dämonen seien im Angesicht ihrer Predigten geflohen. Die erste Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus (4,10-17b) zeige hingegen Paulus am Ende seines Lebens.

„Der Apostel hat einen freudvollen und enthusiastischen Anfang, enthusiastisch mit Gott in seinem Inneren. Aber auch er wird vom Lebensabend nicht verschont. Es tut mir gut, an den Lebensabend des Apostels zu denken… Ich denke dabei an drei Figuren: Mose, Johannes den Täufer und Paulus. Mose ist der Anführer des Volkes Gottes, mutig, er kämpfte gegen die Feinde und mit Gott um sein Volk zu schützen: stark! Und am Ende ist er allein, auf dem Berg Nebo, er schaut auf das versprochene Land. Aber er konnte nicht hinein. Johannes der Täufer: in seinen letzten Jahren wird er nicht von den Ängsten verschont.“

Johannes der Täufer, führte der Pontifex fort, habe auch einer zweifelhaften Angst gegenübertreten müssen, die ihn beunruhigt habe. Er sei der Führung eines schwachen Gouverneurs ausgesetzt gewesen, der trank und korrupt war, des Neides einer Ehebrecherin und dem kapriziösen Verhalten einer Tänzerin. Auch der Apostel Paulus spreche in der ersten Lesung davon, dass er verlassen worden sei von denen, die ihn verletzt hätten, indem sie sich gegen seine Predigten aufgelehnt hätten. Jedoch sage Paulus, der Herr habe ihm nahegestanden, er habe ihm Kraft gegeben, damit er die Verkündung des Evangeliums habe vollenden können.

„Das ist das Großartige dieses Apostels, der mit seinem Leben das tut, was Johannes der Täufer sagt: ‚Es ist wichtig, dass er wächst und ich kleiner werde.‘ Der Apostel gibt sein Leben, damit der Herr wachse. Und am Ende ist das sein Lebensabend… Auch Petrus mit der Vorahnung: ‚Wenn du alt sein wirst, werden sie dich an einen Ort bringen, an den du nicht willst.‘ Und wenn ich an den Lebensabend des Apostels denke, kommt mir eine Erinnerung in mein Herz, eine Erinnerung an die Wallfahrtsorte der Heiligkeit und Kirchlichkeit, die die Altersheime der Priester und Ordensschwestern sind: gute Priester, gute Ordensschwestern, alt geworden, mit dem Gewicht der Einsamkeit, in Erwartung, dass der Herr komme und an die Tür ihres Herzens klopfe. Vergessen wir sie nicht!“

Wenn man diese Orte genau betrachte, falle auf, wie viel Schönheit sie innehätten, so Papst Franziskus weiter. Oft gebe es Pilgerreisen zu verschiedensten Wallfahrtsorten.

„Aber ich frage mich, ob wir Christen nicht auch diesen Wallfahrtsorten der Heiligkeit und Kirchlichkeit, wo die Priester und Ordensschwestern sind, einen Besuch abstatten wollen, das wäre eine wahre Pilgerreise! Einer von euch sagte mir vor einigen Tagen, als er in ein Missionsland gereist sei, habe er einen Friedhof mit all den Gräbern der verstorbenen Missionare gesehen, Priester und Ordensschwestern, die dort seit 50, 100, 200 Jahren namenlos liegen. Und er sagte zu mir: ‚Eigentlich müssten all diese kanonisiert werden, denn letztlich zählt nur diese alltägliche Heiligkeit, die Heiligkeit jeden Tages.‘ In den Altersheimen warten die Ordensschwestern und Priester auf den Herrn ein wenig wie Paulus: Ein bisschen traurig, das stimmt, aber auch mit einem gewissen inneren Frieden, mit einem fröhlichen Antlitz.“

Es tue allen gut, sagte Papst Franziskus abschließend, an diese letzte Etappe des Lebens zu denken, die der Lebensabend des Apostels sei und zum Herrn zu beten und ihn zu bitten, diejenigen zu behüten, die sich in diesem letzten Moment befinden, um nur noch einmal zu sagen: „Ja, Herr, ich will dir folgen!“