Verheiratung von Kindern verstößt gegen die Menschenwürde

Im Iran soll Mindestheiratsalter von Mädchen von dreizehn auf neun Jahre gesenkt werden

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FRANKFURT, 21. September 2012 (ZENIT.org/IGFM) - Aus Anlass des gestrigen Weltkindertages weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf die zunehmende Verheiratung von jungen  Mädchen unter zehn Jahren hin. Wie die IGFM erläutert, habe der Rechtsausschuss des von islamischen Hardlinern dominierten iranischen Parlaments angekündigt, das Mindestheiratsalter von Mädchen von 13 auf neun Jahre zu senken. Schon jetzt sei die Verheiratung von Mädchen unter 13 Jahren in der Islamischen Republik möglich und gängige Praxis. Notwendig seien lediglich der Wille des Vormundes - in der Regel des Vaters - und eine richterliche Genehmigung.

Wie die IGFM betont, lehne die Mehrheit der Iraner diese Praxis entschieden ab. Im Durchschnitt liege im Iran das Heiratsalter von Frauen zwischen 22 und 29 Jahren und bei Männern zwischen 27 und 34 Jahren. Dennoch sei der Anteil von verheirateten jungen Mädchen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nach offiziellen Angaben lag die Zahl von Mädchen, die bei ihrer Heirat unter 15 Jahre alt waren, im Jahr 2006 bei 33.383, im Jahr 2009 jedoch schon bei 43.459. Die Zahl der Mädchen, die mit unter zehn Jahren verheiratet wurden, stieg von 449 Mädchen im Jahr 2009 auf 716 Mädchen im Jahr 2010.

Verheiratung von Säuglingen rechtlich möglich

Grundlage für diese Rechtspraxis ist nach Angaben der IGFM die Berufung auf das Vorbild des Propheten Muhammad, der im Alter von über 50 Jahren seine sechsjährige Lieblingsfrau geheiratet habe. Er vollzog die Ehe nach islamischer Überlieferung, als sie neun Mondjahre alt war, also etwa 8 2/3 heutige (Sonnen)-Jahre. Der Staatsgründer der Islamischen Republik, Ayatollah Khomeini, stellte die offizielle Rechtslage der schiitisch-dschafaritischen Rechtsschule dar und formulierte eine noch heute gültige Rechtsentscheidung („hukm“): Danach sei es erlaubt, eine „Ehefrau“ zu haben, die jünger als neun Jahre alt ist. Khomeini halte ausdrücklich fest, dass mit Vollendung des neunten Lebensjahrs die „Ehefrau“ entjungfert werden dürfe. Die „übrigen Genüsse“ seien aber auch vorher kein Unrecht, „selbst beim [weiblichen] Säugling“.

Die IGFM betont, dass die Auffassung, es gebe für Mädchen kein Mindestheiratsalter, auch unter fundamentalistischen sunnitischen Muslimen in Nordafrika, auf der arabischen Halbinsel, in Pakistan und Afghanistan verbreitet sei. Die IGFM nennt diese Praktiken „unerträglich und menschenrechtsfeindlich“. Der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, unterstreicht: „Kulturrelativismus und jede andere Form der Verharmlosung ist menschenfeindlich und verzögert ein Ende dieser Verbrechen an Kindern.“ Letztlich ginge es nicht darum, ob es sich dabei um authentische Teile des Islam oder um Fehlinterpretationen handle. Vielmehr gehe es letzten Endes um die Frage, welches Recht im Konfliktfall höher stehe: Menschenrechte oder religiöse Rechtsauffassungen. Gegenwärtig sehe Europa tatenlos zu, wie islamische Fundamentalisten Schritt für Schritt Menschenrechte mit Verweis auf religiöse Dogmen aushebelten. Leidtragende seien an erster Stelle Kinder, Frauen und Minderheiten.