Verkündigung in einem zunehmend säkularen Umfeld

Zugehörigkeit zur Kirche schließt ein Leben aus, das zu deren Lehre im Widerspruch steht

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ROM, 31. Mai 2011 (ZENIT.org).- Die heutige säkularisierte Gesellschaft benötige neue Verkünder des Evangeliums, die in der Lage sind, das Wort Gottes auf neue Weise zu verkünden und die Herzen der heutigen Menschen zu berühren, die oft „abgelenkt und unempfindlich“ seien. Dies äußerte Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache an die Teilnehmer der ersten Generalversammlung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, der von ihm im Oktober letzten Jahres eingerichtet worden war.

Die Säkularisierung habe „auch in Ländern christlicher Tradition tiefe Spuren“ hinterlassen. Aus dieser „Krise des christlichen Lebens“, so erklärte der Papst, entspringe die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung und einer „erneuerten Art der Verkündung“:

„Das Evangelium zu verkünden ist die immer neue Verkündigung des von Christus vollbrachten Heils, um die Menschheit am Geheimnis Gottes und an seiner lebendigen Liebe teilhaben zu lassen,und um ihr eine Zukunft vertrauenswürdiger und starker Hoffnung zu eröffnen. Unterstreichen, dass die Kirche in diesem Zeitpunkt der Geschichte aufgerufen ist, eine neue Evangelisierung zu vollbringen, bedeutet, die missionarische Tätigkeit zu intensivieren, um dem Auftrag des Herrn vollkommen zu entsprechen“.

Diese veränderte Situation, gezeichnet von tiefen kulturellen Änderungen, bedürfe „besonderer Achtsamkeit beim Verkünden des Evangeliums, [...] um Rechenschaft für den Glauben in Situationen, die anders sind als in der Vergangenheit, ablegen zu können“:

„Die Krise, die wir erleben, trägt die Züge des Ausschließens Gottes aus dem Leben der Menschen sowie eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber den Glauben,bis hin zu dem Versuch, diesen im öffentlichen Leben an den Rand zu drängen“.

Während es in den vergangenen Jahrzehnten noch möglich gewesen sei, „einen allgemeinen christlichen Sinn zu finden, der das gemeinsame Fühlen ganzer Generationen vereinte“, erlebe dieWelt heute das Drama der Zersplitterung, aufgrund derer es nicht mehr möglich sei, einen einheitlichen Bezugspunkt zu finden:

„Außerdem geschieht es oft, dass Menschen der Kirche angehören wollen, die zutiefst von einer Weltanschauung geprägt sind, die im Widerspruch zum Glauben steht.“

„Jesus Christus, den einzigen Retter der Welt, zu verkünden, scheint heute schwieriger als in der Vergangenheit“. Aber unsere Aufgabe, unterstrich der Heilige Vater, sei dieselbe wie zu Beginn unserer Geschichte:

„Die Mission hat sich nicht geändert,  so wie sich auch nicht der Enthusiasmus und der Mut ändern dürfen, welche die Apostel und die ersten Jünger bewegten. Der Heilige Geist, der sie trieb, die Türen des Abendmahlsaals zu öffnen und der sie zu Verkündern des Evangelium bestellte (vgl. Apg 2,1-4), ist derselbe Geist, der die Kirche heute,zu einer erneuten Verkündigung der Hoffnung an die Menschen unserer Zeit bewegt.“

Um den Menschen unserer Zeit, der oft „abgelenkt und unempfindlich“ sei, zu überzeugen, fügte der Papst hinzu, benötige man „neue Verkünder des Evangeliums“ und eine „erneuerte Kraft“, um die Verkündung des Heiles wirksamer zu gestalten:

„Auch denen, die an die christlichen Wurzeln gebunden bleiben, die aber in den schwierigen Verhältnissen in der Moderne leben, ist es wichtig, klar zu machen, dass das Christsein nicht eine Art von Kleid ist, das man im Privaten oder zu besonderen Anlässen anzieht, sondern dass es sich um etwas Lebendiges und Ganzheitliches handelt, das in der Lage ist, alles, was es an Gutem in der Moderne gibt, aufzunehmen“.

Die Dringlichkeit einer erneuerten Verkündung könne nicht von der Ausbildung der neuen Generationen getrennt werden. Auch die Lebensweise der Gläubigen bedürfe einer „klaren Glaubwürdigkeit, die umso einleuchtender sein muss, je dramatischer die Zustände jener sind, an die sie sich richten“. Durch ihr Verhalten, schloss der Heilige Vater, Papst Paul VI. zitierend, werde die Kirche die Welt evangelisieren, das heißt, durch „ihr gelebtes Zeugnis der Treue zum Herrn Jesus, der Armut und der Selbstlosigkeit, der Freiheit gegenüber den Mächtigen dieser Welt, in einem Wort, durch die Heiligkeit“.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]