Verkündigung und Liebestätigkeit lassen sich nicht trennen: P. Federico Lombardi SJ zur programmatischen Ansprache Benedikts XVI. in Aparecida (Brasilien)

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ROM, 15. Mai 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt habe am Sonntag anlässlich der Eröffnung der 5. Vollversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats im brasilianischen Wallfahrtsort Aparecida eine „sehr ausgeglichene, tiefe Ansprache gehalten, in der er zwischen der Aufgabe der kirchlichen Verkündigung und der Aufgabe des direkten politischen Engagements differenziert hat“, erläuterte Jesuitenpater Federico Lombardi, Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls, nach dem fünftägigen Brasilienaufenthalt des Bischofs von Rom.



„Der Papst ging in seiner Rede von der Verkündigung Gottes aus, der die Liebe ist, und vom Leben der Kirche, in der diese Verkündigung Gestalt annimmt, gepflegt und weitergegeben wird“, äußerte der Ordenspriester im Gespräch mit „Radio Vatikan“. P. Lombardi ist neben seinen Tätigkeiten als Pressesprecher auch Direktor dieses päpstlichen Radiosenders.

„Die Rede des Papstes war in keiner Weiser spiritualistisch oder abgehoben“, betonte P. Lombardi. Mit Spannung sei erwartet worden, wie er die großen Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, die Lateinamerika kennzeichnen, ansprechen würde.

Der Heilige Vater habe diesbezüglich deutlich gemacht, dass die Kirche Werte verbreite und eine religiöse Sicht des Menschen und der Wirklichkeit propagiere, die grundlegend seien und nicht verkürzt dargestellt werden dürften.

„Die Werte Liebe und Gerechtigkeit, die im Evangelium und in der Verkündigung der Kirche dargeboten werden, sind für alle eine Hilfe, die sich dafür einsetzen, soziale, ökonomische und politische Strukturen zu schaffen, einer immer größeren Gerechtigkeit entgegenzugehen und in den historischen Gegebenheiten Lösungen zu entdecken, die vernünftig und richtig sind und die den Menschen wirklich in seiner Ganzheit im Auge haben.“

Benedikt XVI. habe hervorgehoben, dass die Kirche keine Politik betreibe, aber dennoch „Anwältin der Gerechtigkeit und der Armen“ sei. In diesem Zusammenhang habe er insbesondere an die Laien appelliert, das große Vakuum in der lateinamerikanischen Politik zu füllen. P. Lombardi konstatierte: „Eine ganz charakteristische Aufgabe der Laien besteht gerade darin, die Welt zu verwandeln, sie gerechter und menschlicher zu machen, damit den Bedürfnissen eines respektvollen Miteinanders aller Menschen besser Rechnung getragen wird.“

Der Heilige Vater habe alle daran erinnert, „dass es nicht möglich ist, Evangelisierung und Sozialhilfe, die Unterstützung der Armen, voneinander zu trennen. Das ist ein ganz wesentliches Erkennungsmerkmal der kirchlichen Verkündigung: Sie besitzt zwei Dimensionen, die nicht zu trennen sind. Es handelt sich um die Hauptgebote der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten.“