Vernunft, Freiheit und Liebe befreien von Hass und Rachegefühlen

Papst Benedikt XVI. besuchte den Großmufti von Jerusalem

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JERUSALEM, 12. Mai 2009 (ZENIT.org).- Der zweite Tag des Aufenthalts von Papst Benedikt XVI. in Jerusalem begann heute, Dienstag, mit einem Besuch auf dem Tempelberg: Vor der Moschee des Felsendoms, dem ältesten islamischen Sakralbau, begegnete der Heilige Vater dem Großmufti zu einem Höflichkeitsbesuch. Anschließend begab sich der Papst zur Klagemauer.

Der Felsendom, so Benedikt XVI., veranlasse Herz und Verstand, über das Geheimnis der Schöpfung und über den Glauben Abrahams nachzudenken. An diesem Ort würden die drei großen monotheistischen Weltreligionen einander begegnen und alle daran erinnern, was ihnen gemeinsam sei: „Jede glaubt an den einen Gott, den Schöpfer und Lenker von allem."

Die Religionen seien dazu berufen, eine aktive Rolle bei der Beilegung von Spaltungen zu spielen und die Solidarität unter den Menschen zu fördern - was eine schwere Verantwortung mit sich bringe.

Für die Christen bildeten die beiden göttlichen Gaben Vernunft und Freiheit die Grundlage dieser Verantwortung, hob der Papst hervor. „Die Vernunft öffnet den Geist, um die gemeinsame Natur und das gemeinsame Los der Menschheitsfamilie zu verstehen, während die Freiheit das Herz dazu drängt, den anderen anzunehmen und ihm in der Liebe zu dienen." So würden die ungeteilte Liebe des einen Gottes und die Liebe zum Nächsten zum Mittelpunkt, um den herum sich alles andere drehe. „Dies ist der Grund, weshalb wir unermüdlich dafür wirken, die Herzen der Menschen vor dem Hass, der Wut oder der Rache zu bewahren."

Benedikt XVI. betonte, dass der Tempelberg gerade inmitten einer von Spaltungen zerrissenen Welt dazu anrege und herausfordere, sich für die Überwindung des Unverstehens und der Konflikte der Vergangenheit einzusetzen. Dann werde es möglich, den Weg des Dialogs zu beschreiten, der auf den Aufbau einer Welt der Gerechtigkeit und des Friedens abziele.

Da die Lehren der Religionen im Letzten die Wirklichkeit Gottes, den Sinn des Lebens und das gemeinsame Los der Menschheit beträfen, könne man der Versuchung nachgeben, sich nur zögerlich auf einen solchen Dialog einzulassen. Gott aber sei die unendliche Quelle der Gerechtigkeit und des Erbarmens. Alle, die Gott bekennten, müssten sich für das Rechte einsetzen und seine Milde nachahmen.

Abschließend wies Papst Benedikt XVI. neuerlich darauf hin, dass er als Pilger des Glaubens nach Jerusalem gekommen sei. Außerdem bekundete er gegenüber dem Großmufti den glühenden Wunsch der Kirche, mit dem Islam zum Wohl der ganzen Menschheitsfamilie zusammenzuarbeiten.

„Während Muslime und Christen den respektvollen Dialog fortsetzen, den sie bereits begonnen haben, bete ich darum, dass sie erforschen können, wie die Einzigkeit Gottes unlösbar mit der Einheit der Menschheitsfamilie verbunden ist."