"Vernunft und Glaube - zwei Seiten unserer Existenz"

Chemienobelpreisträger über Aufnahme in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften

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Von Michaela Koller

ROM, 24. Februar 2010 (ZENIT.org).- Der Nobelpreisträger für Chemie von 2007, Professor Gerhard Ertl, ist von der Aufnahme in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften „freudig überrascht" worden.  Der Physiker und Oberflächenchemiker gehört seit Samstag dem erlauchten Beraterkreis von 80 Mitgliedern an. In einem Gespräch mit ZENIT sagte der ehemalige Direktor der Abteilung Physikalische Chemie des Berliner Fritz-Haber-Instituts: „Als ich dann im Mitgliederverzeichnis viele illustere Namen fand, auch die von anderen Nobelpreisträgern, fühlte ich mich sehr geehrt."

Ertl wurde 1936 in Stuttgart - Bad Cannstatt geboren und ist evangelischer Christ. Die Auswahl erfolgt laut Statuten ungeachtet des ethnischen oder religiösen Hintergrunds der Kandidaten, rein nach wissenschaftlichen Kriterien. Die Akademie-Mitglieder werden von Fachwissenschaftlern vorgeschlagen und auf Lebenszeit ernannt, um den Papst in wissenschaftlichen Fragen zu beraten. Den Umstand, dass das katholische Oberhaupt jedoch in erster Linie ewige Glaubenswahrheiten vertritt, nimmt der Wissenschaftler Ertl positiv auf: „Vernunft und Glaube sind zwei Begriffe, die einander nicht ausschließen, sondern zwei Seiten unserer Existenz kennzeichnen", sagt er.

Ertl ist bereits Mitglied mehrere Akademien der Wissenschaften, darunter mehrerer deutscher, aber auch der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und zudem Ehrenmitglied der Royal Society of Edinburgh (RSE) und der American Academy of Arts and Sciences. Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist eine naturwissenschaftliche Akademie. Ihre Wurzeln gehen zurück auf das Jahr 1603. Am 28. Oktober 1936 verlieh Papst Pius XI. der Akademie neue Statuten, deren letzte Aktualisierung 1976 Papst Paul VI. vornahm. Sie befasste sich in der Vergangenheit mit Themen wie etwa der Evolutionstheorie oder mit der Eignung des Hirntod-Konzepts als Todesdefinition.