Veronica Giuliani (27. Dezember 1660 - 9. Juli 1727)

Italienische Äbtissin und Mystikerin

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 351 klicks

Orsola Giuliani wurde als letzte von insgesamt sieben Schwestern am 27. Dezember 1660 in Mercatello in der Nähe von Rimini geboren. Mit 17 Jahren verfestigte sich in ihr der Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen, so sehr, dass sie in Città di Castello in die strenge Klausur der Klarissen-Kapuzinerinnen trat und den Namen Veronica annahm. Das Leben der heiligen Veronica Giuliani war fortan von Buße, Leiden und Visionen geprägt. In ihrer ersten Vision erblickte die Heilige einen Kelch und wusste von ihrer Bestimmung. Am Weihnachtstag im Jahr 1696 hatte Veronica erneut eine Vision und empfing die Seitendwunde Christi; am Karfreitag des Folgejahres, 1697, folgten die übrigen Wundmale Christi. „Plötzlich sah ich aus seinen heiligen Wunden fünf helle Strahlen hervorgehen; und alle kamen auf mich zu. Und ich sah, dass diese Strahlen gleichsam zu kleinen Flammen wurden. In vier von ihnen waren die Nägel; und in einem war die Lanze, wie aus Gold, ganz durchglüht. Und sie durchstieß mein Herz von einer Seite zur anderen…, und die Nägel durchstießen Hände und Füße. Ich verspürte großen Schmerz; aber in diesem Schmerz sah ich, spürte ich, dass ich in Gott ganz verwandelt war“ (Tagebuchauszug der heiligen Veronica Giuliani, I,897). 

Veronica versuchte vergeblich, die Stigmata vor ihren Mitschwestern zu verbergen. Es folgten Verhöre durch die Inquisition, bis die Stigmata schließlich als echt befunden wurden.

Benedikt XVI. beschreibt die Heilige mit den Worten: „Der Christus, mit dem Veronica zutiefst vereint ist, ist der leidende Christus der Passion, des Todes und der Auferstehung; es ist Jesus, der sich zu unserem Heil dem Vater aufopfert. Dieser Erfahrung entspringt auch die tiefe und leidende Liebe zur Kirche, in der zweifachen Form des Gebets und des Opfers. Die Heilige lebt unter diesem Blickwinkel: Sie betet, leidet, sucht die ‚heilige Armut‘ als ‚Entäußerung‘, als Verlust ihrer selbst , um wie Christus zu sein, der sich ganz hingegeben hat.“ 

Veronica Giuliani, der 1688/1694 das Amt der Novizenmeisterin in ihrem Kloster anvertraut worden war, wurde 1716 – nach der endgültigen Klärung der Stigmatafrage - Äbtissin. Rund zehn Jahre später, am 9. Juli 1727, starb die Heilige nach einem 33 Tage währenden Todeskampf, den sie mit den Worten beschloss: „Ich habe die Liebe gefunden, die Liebe hat sich gezeigt! Das ist der Grund meines Leidens. Sagt es allen, sagt es allen!“ („Summarium Beatificationis“, 115–120).

Seit 1693 hatte die Heilige bis zu ihrem Tod ein Tagebuch geführt; rund 22.000 handschriftliche Seiten geben Aufschluss über ihr Denken und ihre mystischen Erfahrungen. Pater Girolamo Bastianelli, ein Oratorianer, hatte sie gemeinsam mit dem Diözesanbischof Antonio Eustachi zur Niederschrift ihrer Erfahrungen in einem Tagebuch veranlasst.

Benedikt XVI. führte in seiner Katechese vom 15. Dezember 2010 dazu aus: „In Veronicas Schriften finden wir viele Bibelzitate. Sie sind manchmal indirekt, aber immer genau: Sie zeigt Vertrautheit mit dem heiligen Text, der ihre geistliche Erfahrung nährt. Außerdem muss hervorgehoben werden, dass Veronicas starke Augenblicke mystischer Erfahrung nie getrennt sind von den Heilsereignissen, die in der Liturgie gefeiert werden, wo die Verkündigung des Wortes Gottes und das Hören auf dieses Wort einen besonderen Platz haben. Die Heilige Schrift erleuchtet, reinigt und bestätigt also Veronicas Erfahrung und macht sie kirchlich. Gerade ihre Erfahrung, die ungewöhnlich stark in der Heiligen Schrift verankert ist, führt andererseits jedoch zu einem tieferen und 'geistlicheren' Verständnis des Textes; sie tritt ein in die verborgene Tiefe des Textes. Sie drückt sich nicht nur mit den Worten der Heiligen Schrift aus, sondern lebt auch wirklich von diesen Worten, sie erwachen in ihr zum Leben.“

„Die hl. Veronica Giuliani lädt uns ein, in unserem christlichen Leben die Vereinigung mit dem Herrn wachsen zu lassen, im Dasein für die anderen und indem wir uns mit vollkommenem Vertrauen ganz seinem Willen hingeben, ebenso wie die Vereinigung mit der Kirche, der Braut Christi; sie lädt uns ein, an der leidenden Liebe des gekreuzigten Christus für das Heil aller Sünder teilzuhaben; sie lädt uns ein, den Blick fest auf das Paradies zu richten, das Ziel unseres irdischen Weges, wo wir zusammen mit vielen Brüdern und Schwestern in der Freude der vollen Gemeinschaft mit Gott leben werden; sie lädt uns ein, uns täglich vom Wort Gottes zu nähren, um unserem Herzen Wärme und unserem Leben Orientierung zu geben. Die letzten Worte der Heiligen können als Zusammenfassung ihrer leidenschaftlichen mystischen Erfahrung betrachtet werden: „Ich habe die Liebe gefunden, die Liebe hat sich sehen lassen“, wie Benedikt XVI. abschließend während der Katechese feststellte.

Die Heiligsprechung Veronica Giulianis erfolgte am 26. Mai 1839 durch Papst Gregor XVI. .

Die unverwesten Gebeine der Heiligen befinden sich heute unter dem Hochaltar der Klosterkirche in Città di Castello.