Vertrauen wendet auch noch das Schlimmste zum Guten

Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis

| 1292 klicks

Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 13. Juli 2012 (ZENIT.org). - Im Evangelium des heutigen 15. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr B) hören wir, wie Jesus erste Vorkehrungen trifft, um seine Kirche zu etablieren, die nach seinem Weggang einmal das tun und verkünden soll, was er getan und verkündet hat. Er sendet die Zwölf aus und gibt ihnen die Vollmacht, in seinem Namen aufzutreten. Merkwürdigerweise erwähnt der Evangelist Markus nicht das Predigen, sondern nur die Vollmacht, „die unreinen Geister auszutreiben”. Zur Zeit Jesu gab es offensichtlich besonders viele Besessene.

In den Anfängen der Kirche hören wir bereits das, was das Wirken der Kirche in allen Jahrhunderten begleitet hat: „Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter…” (Mk 6,11). Also alles schon einmal da gewesen.

Heute, 50 Jahre nach Beginn des II. Vatikanischen Konzils, das einen lebhaften neuen Aufbruch der Kirche in unserer Zeit einleitete, fragen wir uns manchmal: Wie kommt es, dass man uns auch heute oft „nicht hören will”. Der Herr beruhigt uns und sagt: Das gehört auch dazu, das Evangelium ist kein Geldstück, das jedem gefällt. Und doch scheint die Kirche sich heute in einem besonders ausgeprägten Tief zu befinden:

- viele treten aus der Kirche aus

-Kirchen werden geschlossen und profaniert

-Priesterberufungen gehen stark zurück

- Zahlreiche Skandale beim „Bodenpersonal”

- Verunsicherung der Gläubigen durch widersprüchliche Aussagen

- In vielen Pfarreien ist die Beichte abgeschafft, aber alle gehen zur Kommunion

- Das religiöse Wissen der Kinder und Jugendliche lässt zu wünschen übrig usw. usw.

Steht denn die Kirche zweitausend Jahre nach ihrer Gründung vor dem Aus? Sicher nicht. Gewiss gibt es viele „Besessene” außerhalb und innerhalb der Kirche, und da ist sicher viel zu tun. Aber unbewusst vergleichen wir manchmal die heutige Situation mit der in den Fünfziger Jahren, als die Kirche monolithisch, einig und unüberwindlich da stand. Aber auch damals gab es nicht wirklich die heile Kirchenwelt. Pius XII. sprach von dem „aus tausend Wunden blutenden Leib der Kirche”.

Heute kommt es in der Tat viel mehr auf den Einzelnen an. Mitläufer gibt es nicht mehr. Und wenn man genau hinschaut, gibt es in vielfältiger Weise das, was dem Herrn am meisten am Herzen liegt: persönliche Heiligkeit. Nicht dass die Kirche als Organisation tadellos dasteht, ist das wichtigste, sondern dass viele, möglichst alle zu persönlicher Heiligkeit finden. Und so gibt es eben auch:

- viele, die in die Kirche eintreten, einzelne Konvertiten, ganze Gruppen wie die Anglikaner u.a.

- zahlreiche Gruppierungen von Jugendlichen und Erwachsenen, die sich um persönliche Heiligkeit bemühen, Gebetskreise, viel unbeachtete praktische Nächstenliebe

-eine wirklich große Zahl von heiligmäßigen Priestern, die oft unter sehr schwierigen Bedingungen und ohne aufzufallen ihren Dienst tun (was nirgendwo vermerkt wird)

-als Gegengewicht gegen theologische Irrtümer, die immer wieder kursieren, hält die Kirche die wahre Lehre griffbereit, man muss sie nur suchen (Katechismus, Aussagen des römischen Lehramts zu aktuellen Fragen etc.)

- Priesterberufungen und Berufungen zum apostolischen Zölibat gibt es schon, aber oft kommt man ihnen nicht in passender Weise entgegen

- Es gibt wirklich eine zu Hoffnungen berechtigende Jugend, die manche Verirrungen der „Altachtundsechziger” erkennt und ein „Christentum light” ablehnt, indem sie die Sakramente wieder entdeckt.        

Hinzu kommt: die Kirche hat viele himmlische Helfer, vor allem hat sie eine Mutter. Papst Paul VI. verlieh ihr diesen Titel „Mutter der Kirche”. Wie alle Namen darf es nicht bei der Bezeichnung bleiben, wir sollen sie wirklich als Mutter jedes einzelnen und auch der Gesamtheit der Kirche ansehen.

Das Fest am Montag (16. Juli) „Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel” gibt uns einen schönen Anlass, den Ratschlag Papst Benedikts zu befolgen: „Wendet euch oft und vertrauensvoll an Maria!” Was für ein simples Wort und doch, wenn wir es beherzigen, absolut Erfolg versprechend. Die Verehrung Mariens auf dem Karmelberg in Israel hat Wurzeln, die bis ins Alte Testament zurückreichen, bis zum Propheten Elijah. Das Volk Gottes des Alten Bundes erlebte auch viele scheinbar aussichtslose Situationen, aber immer wieder hat das vertrauensvolle Gebet und die Fürsprache Mariens das Geschick der Menschen zum Guten gewendet. So wird es auch heute sein  - wenn wir wollen.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.