Vertrauen wir Maria unsere Sorgen, Ängste und Nöte an

Predigt des Kardinals Parolin im Rahmen der Messe in Pompeji

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 482 klicks

„Mit großer Freude komme ich mit euch gemeinsam als Pilger in diese Stadt Mariens”. Mit diesen Worten begann der Sekretär der Vatikanstadt Kardinal Pietro Parolin seine Predigt anlässlich der gestern Vormittag auf dem Vorplatz der Basilika von Pompei zelebrierten hl. Messe am Tag der Anrufung der Gottesmutter von Pompeji. Diese alte Form der Marienverehrung zieht Jahr für Jahr zahlreiche Gläubige an das berühmte Heiligtum der italienischen Region Kampanien, das vom seligen Bartolo Longo gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet worden war. Zum gestrigen „Bittgebet“ versammelten sich große Gruppen von Pilgern aus Italien und aller Welt sowie der Erzbischof-Prälat Tommaso Caputo, der Bürgermeister von Pompeji und weitere zivile und militärische Führungskräfte. 

Parolin bezeichnete die Stadt in Kampanien als einen besonderen Ort, als „Stadt Mariens“. Die in diesem wunderbaren und geschichtsträchtigen Stück Land entstandene Wallfahrtsstätte sei ein einzigartiges Zeugnis der Verehrung, der Pilgerfahrten und der Wunder und der Gebete von Gläubigen aus aller Welt. Besonders das Rosenkranzgebet, dem sich der selige Longo verschrieben hätte, sei in eine durch Elend, Verlassensein, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gekennzeichnete Realität hinabgesunken. Der Kardinal erinnerte daran, dass die Würde des Menschen mit Füßen getreten werde und die zuletzt gereihten Armen kaum Beachtung fänden. Aus der Perspektive eines Evangelisierers wie Bartolo Longo, „eines Laien mit einer relativ schwierigen und schmerzerfüllten Lebenserfahrung“ erscheine Pompeji wie ein „ausgestorbenes Tal“. Dennoch betrachtete Longo dieses verlassene und von Verfall und Kriminalität befallene Stück Land nicht als einen hinter sich zu lassenden Ort, sondern als Ausgangspunkt für einen Neubeginn; vor allem für eine Erneuerung der Hoffnung. Die Barmherzigkeit habe das Tor zu dieser Hoffnung weit geöffnet, „ein neues Zeitalter eingeleitet“ und gleichsam zur Entstehung eines „neuen Pompeji“ geführt.

In diesem Zusammenhang erinnerte der Staatssekretär an Folgendes: „Wir befinden uns an einem Ort, an dem die Barmherzigkeit ihr Zelt aufgeschlagen hat und zu einem Baustein einer Glaubensgeschichte geworden ist, die dank der großen und bescheidenen Kraft ihrer Herkunft den Blick nach vorne gerichtet hält“. Daher könne kein noch so großes Problem und keine noch so große und gerechtfertigte Besorgnis eine Hoffnung fernhalten, die gerade an diesem Ort konkrete Formen annehme. Der Kardinal betonte, dass dies nach wie vor Gültigkeit besitze, räumte jedoch ein: „Das von uns Erlebte hält uns nicht von Schwierigkeiten und Beklemmung fern“. Dabei handle es sich um die „Falle einer stets lauernden Gewalt oder die fehlenden oder unsicheren Berufsaussichten für unsere jungen Menschen“, die „ihrer Zukunft nicht nur wegen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, sondern auch aufgrund lange zurückliegender und struktureller Versäumnisse nur schwer heiter und vertrauensvoll entgegensehen können“. 

Nach seiner Einschätzung der gegenwärtigen Lage warf der Kardinal einen Blick zurück in die Vergangenheit und beleuchtete die „Entstehung der Kirche“, dem von der Tagesliturgie vorgelegten Thema. Dabei verweilte Parolin bei dem allen Christen gegebenen Auftrag, den Glauben zu verkündigen und in Form der gegenseitigen Liebe zu leben, um zu „Lichtern der Welt“ zu werden. Ebenso wie Bergoglio versäumte er es nicht, jenen „Tausenden Christen, die im 21. Jahrhundert und damit auch heute noch aufgrund ihres Glaubens Leid erfahren, verfolgt werden und erleben müssen, dass ihre Rechte mit Füßen getreten werden“, einen gramerfüllten Gedanken zu widmen. Vor diesem Hintergrund forderte Parolin: „Beten wir für sie und handeln wir vor allem wie sie ohne mit dem Geist der Mondänität Kompromisse einzugehen, sondern indem wir unseren Glauben in seiner ganzen Fülle leben und bekennen“. 

Der Staatssekretär ergänzte, dass der Glaube in Form der Nächstenliebe gemäß dem Gebot Christi auszuüben sei: „Bestärkt durch unseren Glauben, entschlossen zur Liebe unseres Bruders und aller Brüder können wir daher wahrhaft wie Jesus als Lichter für die Welt leuchten“. Laut dem Kardinal rief dazu auf, dieses Licht und diese Wahrheit in die Welt zu tragen, zu bezeugen und allen Menschen zu verkündigen. Dies sei stets „mit Freude“ zu tun, woran auch Papst Franziskus bei jeder Gelegenheit erinnere. Zugleich sei jeder Christ dazu aufgerufen, den „Menschen in dieser schwierigen Zeit zu helfen und an Jesus sowie an den, der ihn Gesandt hat, zu glauben; der Menschheit die Hoffnung zurückzugeben, da er nicht gekommen ist, um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten. Als reife und mutige Christen können wir uns nur dafür einsetzen“.

Abschließend rief Parolin dazu auf, all diese „Sorgen“, „Ängste“ und „Nöte“ der „Königin des Himmels und der Erde“, „unserer süßen Mutter“, der „zärtlichsten Mutter“ anzuvertrauen. Schließlich lud er dazu ein, für die Kirche, den Frieden und die gesamte Welt und vor allem für Papst Franziskus zu beten, denn dieser habe Parolin an diesem Tag und an diesem Ort um besondere Gebete für ihn ersucht.