Verunglimpfung des Papstes und Blasphemie stoßen auf erfolgreichen Widerstand

Protest gegen blasphemisches Theaterstück, Rüge des Deutschen Presserats

| 1112 klicks

ROM, 5. Oktober 2012 (ZENIT.org). – In Paris musste die Aufführung des blasphemischen Stückes des italienischen Theaterkünstlers und Regisseurs Romeo Castellucci „Über das Konzept vom Gesicht des Gottesohnes“ wegen vehementer Proteste der Zuschauer abgebrochen werden. Auch in Deutschland, Belgien und Italien war es zu heftigen Protesten gekommen. In Litauen, wo dieses Werk Anfang Oktober im Rahmen eines Theaterfestivals präsentiert wird, kommt nunmehr auch Widerstand aus höchsten kirchlichen Kreisen: Der Primas von Litauen, Erzbischof Sigitas Tamkevicius von Kaunas, hat die Katholiken seines Landes aufgerufen, gegen dieses sogenannte Kunstwerk zu protestieren, das im „National Drama Theater“ zur Aufführung vorgesehen ist.

In einer Predigt während der Messe im Nationalheiligtum Siluva, dem Ort, wo die Muttergottes 1608 erschienen ist, forderte er alle Gläubigen und Menschen guten Willens auf, sich dem Protest gegen das Theaterstück von Castelucci anzuschließen. 

In „Sul concetto di volto nel Figlio di Dio“, wie das Stück im Original heißt, zeigt der italienische Künstler vor einem riesigen Jesus-Bild, wie ein Sohn seinem alten, senilen Vater immer und immer wieder die vollen Windeln wechselt, bis zur völligen Verzweiflung. Am Ende steigen Kinder auf die Bühne, um das Bildnis zu traktieren.

Castelucci, ein international tätiger Regisseur aus Cesena, war zum wiederholten Mal nach Litauen eingeladen worden. Er realisiert mit seiner Truppe „Societas Raffaello Sanzio“ Gegenwartstheater („Nuovo teatro"), wobei er sich auf Wurzeln in der Antike und die Poetik von Aristoteles beruft.

In Deutschland inszenierte er bei der Ruhrtriennale, und seine Theatertruppe gastierte wiederholt in Berlin und bei der euro-scene Leipzig. 2005 leitete Castellucci die Theaterbiennale in Venedig. Der Verfasser zahlreicher theatertheoretischer Schriften realisierte auch mehrere Video- und Filmprojekte.

Umso ermuigender ist es, dass das Publikum sich von der Publizität dieses Theatermannes nicht einschüchtern und sich Blasphemie nicht als Kunst verkaufen lässt. Proteste kamen besonders auch aus evangelischen Kreisen.

Auch die Verunglimpfung von Papst Benedikt XVI. in einer deutschen Satirezeitschrift, die den Papst auf ihrem Titelblatt in ehrverletzender Weise dargestellt hatte, wurde nun in aller Form vom Deutschen Presserat öffentlich gerügt.

Auf seiner Sitzung am 27.09.2012 hatte sich dessen Beschwerdeausschuss 1 mit 182 Beschwerden über das Titelbild, das den Papst in eindeutiger Weise unter dem Titel „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden“ mit gelb-und braunbefleckter Soutane zeigt, beschäftigt. Das Gremium bewertete die Leserkritik als begründet: Die Darstellung von Papst Benedikt XVI. als inkontinent und mit Fäkalien beschmiert sei entwürdigend und ehrverletzend, wobei es sich auf Ziffer 9 des Pressekodex beruft, in dem es heißt: „Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen."

Weiter war das Gremium der Meinung, im vorliegenden Fall sei die Grenze der Meinungsfreiheit überschritten. Zwar habe Satire die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen. Im vorliegenden Fall aber gebe es keinen Sachbezug zur Rolle des Papstes in der so genannten „Vatileaks"-Affäre. Die Person Joseph Ratzinger werde als „undichte Stelle" bezeichnet und durch die vorliegende Darstellung der Lächerlichkeit preisgegeben. Dies sei nicht mit dem allgemeinen Verständnis von Meinungsfreiheit vereinbar.

Der Heilige Stuhl hat von einer strafrechtlichen Verfolgung der Sache abgesehen, nachdem das Titelbild aufgrund einer von ihm erwirkten Unterlassungserklärung und einstweiligen Verfügung zurückgezogen und in veränderter Form veröffentlicht worden war, wohl eine Reaktion auf die Androhung eines Ordnungsgeldes. Die Rüge des Deutschen Presserats bestätigt nunmehr die Einschätzung des Vatikans.

Die Zeitschrift selber macht sich über die Reaktionen lustig und beteuert, sich keiner Schuld bewusst zu sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie einen Papst in ehrverletzender Weise darstellt und sich über ihn oder die Kirche lustig macht. So war Papst Benedikt XVI. 2009 schwarz bekleckert vor einem Schrottplatz gezeigt worden, unter dem Titel „Abwrackprämie sichern. Altpapst verschrotten." Auch der 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. wurde häufig verspottet.

Bisher war jedoch noch nie ein Papst zivilrechtlich gegen das entsprechende Magazin vorgegangen.[jb]