Verweigerung aus Gewissensgründen und die Diktatur des Relativismus

Verweigerung bedeutet nicht nur Widerstand, sondern auch Erneuerung und Engagement

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VERONA, 9. November 2007 (ZENIT.org).- Auch wenn das Recht auf die Verweigerung aus Gewissensgründen von einigen Ländern verletzt werde, häuften sich die Situationen, die der Christ ablehnen sollte, betonte Stefano Fontana, Leiter des Internationalen Beobachtungszentrums Kardinal Van Thuân für die Soziallehre der Kirche.



Abtreibung und Euthanasie sind nach Worten Fontanas nicht die einzigen Dinge, denen sich der Christverweigern sollte. Papst Benedikt XVI. hatte beim Empfang der Mitglieder des Weltkongresses für Katholische Apotheker Ende Oktober das Recht auf Gewissensverweigerung eingefordert, indem er sagte: „Die Verweigerung aus Gewissensgründen, die ein Recht ist, das in eurem Beruf anerkannt werden muss, erlaubt es euch, weder direkt noch indirekt an der Ausgabe von Produkten beteiligt zu sein, die eindeutig auf unmoralische Entscheidungen hinauslaufen wie zum Beispiel Abtreibung oder Euthanasie.“

Stefano Fontana verwies in einer Erklärung, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, auf viele weitere Beispiele, in denen eine Verweigerung aus Gewissensgründen zum Tragen komme: „Denken wir an eine Krankenschwester, die in einem Krankenhaus arbeitet, in dem Abtreibungen durchgeführt werden. Denken wir an die Standesbeamten, wo gleichgeschlechtliche zivile Partnerschaften registriert werden. Denken wir an eine Person, die in einem Labor arbeitet, in dem die Auslese menschlicher Embryonen praktiziert wird, oder an jene Menschen, die in einem Verlag oder in einer Produktionsfirma tätig sind, die pornografisches Material herstellen. Denken wir an die vielen Anwälte und Richter, die häufig mit Grenzfällen zu tun haben.“

Die Verweigerung aus Gewissensgründen habe sich somit zu einer höchst politischen Angelegenheit entwickelt, erläuterte der Spezialist in Sachen kirchlicher Soziallehre. „Aus diesen Gründen müssen wir die Verweigerung aus Gewissensgründung in der Politik eingehend beleuchten und bedenken, dass es sich dabei nicht lediglich um ‚Widerstand‘ handelt, sondern auch um eine ‚Erneuerung‘, das heißt um ein Engagement, das nicht nur negativ ist, sondern auch positiv und etwas aussagen will.“

Ferner wies Fontana darauf hin, dass einem dieses Recht häufig aberkannt werde, während es auf der anderen Seite eine immer größere Bandbreite von Fällen gebe, in denen man dazu aufgerufen sei, „unter Berufung auf unser Gewissen die Mitarbeit zu verweigern“.

Sowohl die Zunahme solcher Konfliktsituationen, in denen die Verweigerung aus Gewissensgründen geboten ist, wie auch der Entzug dieses Rechts seien eine Folge des Relativismus. Dieser befürwortet nämlich „eine nahezu absolute Gewissensfreiheit. Wenn aber ein Standesbeamter sich weigert, ein homosexuelles Paar zu registrieren, lässt ebendieser Relativismus das nicht zu, und prangert diese Gewissensfreiheit als Zwang und Verletzung der Gewissensfreiheit an“. In diesem Fall stehe man vor einem der „raffiniertesten Aspekte der ‚Diktatur des Relativismus‘“.