Verwendung von Kondomen ist „keine wirkliche und moralische Lösung"

Erklärung zu Passagen in dem Interviewbuch des deutschen Autors Peter Seewald „Licht der Welt"

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ROM, 22. November 2010 (ZENIT.org).- „Es handelt sich nicht um eine Revolution", betonte der vatikanische Pressechef, P. Federico Lombardi bezüglich der Passagen in dem Interviewbuch des deutschen Autors Peter Seewald „Licht der Welt" in einer heute veröffentlichen offiziellen Anmerkung. In dem Buch mit dem Untertitel „Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit", das am Dienstag in Rom vorgestellt wird und am Mittwoch im Buchhandel erscheint, haben einige Zeilen über den Einsatz von Kondomen seitens eines Prostituierten, der damit eine gewisse Verantwortung zeige, weltweit Aufmerksamkeit erregt. Wörtlich erklärte Benedikt XVI. seinem Interviewpartner gegenüber: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will. Aber es ist nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen. Diese muss wirklich in der Vermenschlichung der Sexualität liegen."

„Der Papst reformiert nicht die Linie der Kirche, sondern er unterstreicht sie vielmehr, indem er für den Wert und die Würde der menschlichen Sexualität als Ausdruck von Liebe und Verantwortung eintritt", erklärte P. Frederico Lombardi. Papst Benedikt mache klar, dass die Verwendung von Kondomen „keine wirkliche und moralische Lösung" ist. Sie ist - in Ausnahmefällen - das kleinere Übel.

Wir veröffentlichen eine eigene ZENIT- Übersetzung der Erklärung:

„Am Ende des elften Kapitels des Buches Licht der Welt antwortet der Papst auf zwei Fragen, in denen er es um den Kampf gegen Aids geht und den Gebrauch von Kondomen. Alles Fragen, die im Anschluss an die Diskussionen gestellt wurden, die auf Grund gewisser Stellungnahmen des Papstes während seiner Reise nach Afrika im Jahre 2009 aufgekommen sind.

Der Papst stellt noch einmal klar, dass es nicht seine Absicht war, eine grundsätzliche Position angesichts des Problems von Kondomen zu beziehen. Sein Ziel war es, eine deutlich zu bekräftigen, dass das Problem von Aids nicht einfach durch die Verteilung von Kondomen gelöst warden kann. Dafür müssen umfassende Maßnahmen getroffen werden: Vorbeugung, Erziehung, Beratung, Begleitung und Vorsorgemaßnahmen, die verhindern, dass Menschen krank werden, und Unterstützung, wenn sie krank sind.

Der Papst merkte an, dass es auch im nichtkirchlichen Umfeld ein ähnliches Bewusstsein entwickelt worden ist, dass sich in der sogenannten an ABC Theorie gezeigt hat: A-bstinence (Enthaltsamkeit) - B-e faithful (treu sein) -Condom (Kondome). Dabei sind die ersten beiden Elemente (Enthaltsamkeit und Treue) wesentlich entscheidender und grundsätzlicher im Kampf gegen Aids. Kondome nehmen den letzten Platz ein und wollen einen Ausweg darstellen, wenn die ersten beiden nicht gegeben sind. Darin wird eindeutig klar, dass Kondomen nicht die Lösung des Problems darstellen.

Der Papst weitet dann seine Perspektive und erklärt eindringlich, das eine ausschließliche Fokussierung auf Kondome einer Trivialisierung von Sexualität gleichkomme. Diese verliert dadurch ihre Bedeutung als Ausdruck der Liebe zwischen Menschen und wird so zu einer Droge. Dieser Kampf gegen die Trivialisierung der Sexualität ist Teil des großen Bemühens, dafür Sorge zu tragen, dass Sexualität eine positive Wertschätzung erhält und fähig ist, eine positive Wirkung auf den Menschen in seiner Ganzheit auszuüben".

"Der Papst verändert hier weder die Lehre der Kirche noch reformiert er sie, sondern er bestätigt sie und setzt beim Wert und bei der Würde der menschlichen Sexualität als einem Ausdruck der Liebe und Verantwortung an".

„Gleichzeitig erörtert der Papst eine Ausnahmesituation, in der die Ausübung der Sexualität ein echtes Risiko für das Leben des anderen darstellt. In diesem Fall gibt der Papst keine moralische Rechtfertigung zu einer regellosen Ausübung der Sexualität, sondern glaubt, dass der Gebrauch des Präservativs, um die Ansteckungsgefahr zu senken, ‚ein erstes Stück Verantwortung' sei, ‚ein erster Schritt auf dem Weg hin zu einer menschlicheren Sexualität' - statt den anderen einem Lebensrisiko auszusetzen. Daher kann die Argumentation des Papstes bestimmt nicht als eine revolutionäre Wende definiert werden".

„Zahlreiche Moraltheologen und angesehene kirchliche Persönlichkeiten haben analoge Positionen vertreten und vertreten sie weiterhin. Es ist allerdings richtig, dass wir sie noch nicht mit dieser Klarheit aus dem Mund eines Papstes gehört haben, auch wenn sie in einem Gespräch und nicht lehramtlich erfolgte".

„Benedikt XVI. gibt uns also mutig einen wichtigen Beitrag der Klärung und Vertiefung zu einer seit langem diskutierten Frage. Es ist ein originaler Beitrag, weil er einerseits an der Treue zu Moralprinzipien festhält und Klarheit beim Zurückweisen eines illusionären Wegs beweist, wie dem des ‚Vertrauens in das Präservativ'. Zum anderen bekundet er aber eine verständnisvolle und weitsichtige Vision, die für die Entdeckung kleiner Schritte offen ist, - wenn auch erst anfänglich und noch unscharf - von einer Menschlichkeit, die geistig wie kulturell oft arm ist, hin zu einem menschlicheren und verantwortlichen Verständnis der Sexualität".