Verzeihen heißt vergessen

Impuls zur Nazaret-Aktion der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien

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ROM, 15. Juli 2009 (ZENIT.org).- Die Bereitschaft zum Verzeihen gehört zum Wesen der christlichen Liebe. In konkreten Taten wird sie sichtbar. Daran erinnern die folgenden Gedanken, die einer Betrachtung der Schönstatt-Bewegung zur Initiative Nazaret-Gebet 2009 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien entnommen sind. Sie wollen insbesondere jene Eltern inspirieren, die im Rahmen der Nazaret-Gebet-Initiative täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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Da trat Petrus zu ihm und fragte: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Jesus sagte zu ihm: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ (Mt 18,21f)

Betrachtung
Im Konzentrationslager Dachau hatte ein SS-Mann Pater Kentenich angebrüllt. Am nächsten Tag trafen sie sich wieder. „Warum haben Sie denn gestern so furchtbar gebrüllt?“, fragte Pater Kentenich ganz ruhig. Darauf erzählte ihm der gefürchtete SS-Mann seine Lebensgeschichte und sprach von der Not seiner Seele. Es war in Pater Kentenich kein Ärger, keine Bitterkeit mehr übrig vom Tag vorher. Er konnte sich dem anderen so zuwenden, dass es dem anderen gut tat und er sich dem Häftling anvertraute. Wie war das möglich?

Pater Kentenich konnte verzeihen und um Verzeihung bitten. Im Abendgebet in „Himmelwärts" (einer Sammlung von Gebeten, die er in Dachau verfasst hat) schreibt er:

„Was wir fehlten, reut uns sehr,
tauchen in das Liebesmeer
unser schuldig Herz hinein,
um es ganz dir neu zu weih'n.“

Wer jeden Tag erlebt, dass Gott ihm verzeiht, der verzeiht auch anderen. Wer die Großmut Gottes erlebt, ist anderen gegenüber großmütig. Wer das barmherzige Lächeln des Vaters im Himmel spürt, wird gütig gegen andere.

Gebet
Gott, unser Vater!
Es gibt Menschen, die mir unrecht getan haben. Manche sogar in meiner Kindheit. Ich habe den Verrat des Freundes und das Unrecht meiner Lehrer noch einmal erlebt. Und ich sage ihnen, wie Pater Kentenich dem SS-Mann: Es ist wieder gut.
Es fällt mir nicht leicht zu verzeihen; aber nimm mein Bemühen an als Beitrag für eine bessere Welt. Lass die Bereitschaft zum Verzeihen in vielen Menschen wachsen. Amen.

Leitgedanke für die Woche
Es gibt jemanden, der an mir schuldig geworden ist, der mir weh getan hat. Ich nenne sie oder ihn beim Namen und sage in Gedanken: Es ist wieder gut.

(nach: „Für den Frieden in der Welt.“ Neun-Tage-Gebet, Tilmann Beller)