Vesperfeier mit Papst Benedikt in der Abtei von Montecassino

Europa und der große kulturelle und geistliche Schatz des Christentums

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ROM, 25. Mai 2009 (ZENIT.org).- Heute besteht die Aufgabe der Benediktiner nach Worten Benedikts XVI. vor allem darin, sichtbar Zeugnis für die totale Anhängerschaft an Christus abzulegen. Das betonte der Papst am gestrigen Abend in seiner Predigt zur Vesper in der Basilika von Montecassino an die Äbte, Äbtissinnen und Mönche der benediktinischen Gemeinschaften.



Das Kloster Montecassino, eine Gründung vom heiligen Benedikt von Nursia um das Jahr 529, entstand an der Stelle einer früheren römischen Befestigungsanlage, des „Municipium“ von „Casinum“. Auf diesem Berg hatte man in einem dem Apollo geweihten Tempel einen heidnischen Kult gepflegt; das angrenzende Terrain hatte als heiliger Wald gegollten, wo man Opfer dargebracht hatte. Die Gebeine des heiligen Benedikt liegen in der von gewaltigen Mauern geschützten Krypta begraben.

Nachdem es durch das wundersame Leben und das Grabmal seines Gründers zur Berühmtheit gelangt war, erlebte Montecassino im Lauf der Jahrhunderte eine religiöse, kulturelle und künstlerische Blüte, was wiederum dafür sorgte, dass es in der ganzen Welt bekannt wurde. Nachdem es wahrscheinlich im Jahre 577 von den Langobarden unter dem Grafen Zotone von Benevent zerstört worden war, wurde es im Auftrag des Papstes Gregor II. von Petronace, einem Baumeister aus Brescia, zu Beginn des 8. Jahrhunderts neu gestaltet.

Im Jahre 883 drangen die Sarazenen ins Kloster ein, plünderten es und steckten es in Brand. Der heilige Abt Bertarius, Gründer des mittelalterlichen Cassino, fand dabei den Tod. Die Mönche, die am Leben blieben, suchten zuerst in Teano und dann in Capua Zuflucht, aber erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts nahm das Mönchsleben wieder seinen vollen Lauf, was dem Abt Aligernus zu verdanken war.

1349 wurde das Kloster durch ein Erdbeben zum dritten Mal fast völlig zerstört. Während des nachfolgenden Wiederaufbaus wurden verschiedene Ergänzungen und Verschönerungen im Stil der Renaissance und des Barock vorgenommen, die dem Kloster sein stattliches Aussehen verliehen, das es bis zum 15. Februar 1944 beibehalten hat.

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war Montecassino Zufluchtsort für Zivilpersonen. Trotz gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht und des Vatikans befürchteten die Alliierten, dass sich aufgrund der militärisch günstigen Lage deutsche Soldaten im Kloster aufhalten könnten. Die deutsche Seite gab Anweisung, sich keinesfalls der Anlage zu nähern, und tat dies über unverschlüsselte Funksprüche auch kund.

Andere Quellen berichteten hingegen, dass in dem Kloster deutsche Soldaten gesichtet worden seien. Deshalb führten die Alliierten am 15. Februar 1944 einen massiven dreistündigen Bombenangriff auf das Kloster durch, in dem 250 Flüchtlinge und Mönche den Tod fanden. Mit Ausnahme der Krypta wurde das Kloster an diesem Tag bis auf die Grundmauern zerstört.

Nach der Betrachtung des Geheimnis der Himmelfahrt Christi, dessen Hochfest in Italien am gestrigen Sonntag begangen wurde, rief Papst Benedikt XVI. gestern den Ordensleuten die Lehren in Erinnerung, die sich aus der menschlichen und geistlichen Geschichte des heiligen Benedikt ergeben: „Nicht mehr für sich selbst leben, sondern für Christus: Das ist es, was dem Leben desjenigen seinen vollen Sinn gibt, der sich von ihm ergreifen lässt.“

Der heilige Benedikt habe das Evangelium in sich Fleisch annehmen lassen und sei so zum Gründer einer breiten Bewegung der geistlichen und kulturellen Erneuerung im Abendland geworden. In seiner Schule seien die Klöster im Lauf der Zeit zu lebendigen Zentren des Dialogs, der Begegnung und der wohltuenden Verschmelzung von unterschiedlichen Völkern geworden, die in der dem Evangelium entspringenden Kultur des Friedens vereint gewesen seien.

Dank der in Gebet, Studium und Arbeit aufgeteilten Aktivität dieser Klöster, so der Papst weiter, hätten ganze Völker Europas einen echten moralischen, geistlichen und kulturellen Fortschritt kennen gelernt. Aus diesem Grund brachte der Heilige Vater die Hoffnung zum Ausdruck, dass „Europa es verstehe, dieses Erbe an christlichen Prinzipien und Werten zu bekräftigen, das einen unendlichen kulturellen und geistlichen Schatz darstellt“.

Dies sei nur dann möglich, „wenn die beständige Lehre des heiligen Benedikt angenommen wird, das heißt das ‚quaerere Deum’, die Suche nach Gott, als der grundlegende Einsatz des Menschen.“ Volles Menschsein verwirkliche sich nicht aus sich selbst heraus; der Mensch könne ohne Gott nicht vollkommen glücklich sein, so Papst Benedikt.

Der Papst ermutigte die Benediktiner, immer lebendiges Vorbild dieser inneren und tiefen Beziehung zu Gott zu sein und kompromisslos das Programm in die Praxis umzusetzen, das ihr Gründer „mit den Worten ‚nihil amori Christi praeponere’, nichts der Liebe zu Christus vorziehen, zusammengefasst hat“. Darin bestehe die Heiligkeit, und das sei „ein für jeden Christen gültiger Vorschlag, mehr denn je in unserer Zeit, in dem die Notwendigkeit wahrgenommen wird, das Leben und die Geschichte in festen geistlichen Bezugspunkten zu verankern“.