Vietnam kämpft gegen sein Image in katholischen Medien

Kommunistische Staatsmedien widersprechen sich gegenseitig

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Michaela Koller

ROM, HANOI 22. Januar 2010 (ZENIT.org).- Die katholische Nachrichtenagentur AsiaNews steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik kommunistischer Staatsmedien Vietnams. Die Agentur berichtete darüber, dass Sicherheitskräfte ein Kruzifix auf einem Friedhof in der Diözese Dong Chiem beseitigt hatten. Die staatliche „Vietnam Nachrichtenagentur" verbreitete aber, das Kreuz sei illegal errichtet und deshalb abmontiert worden. Auf Augenzeugen berufend, schilderte AsiaNews jedoch einen Gewaltakt, geeignet religiöse Gefühle zu verletzen.

„In Wirklichkeit ist das Kreuz mit Hilfe von Explosivstoffen gesprengt worden, wie Bischof Francis Nguyen Van Sang und AsiaNews berichteten", heißt es in einem Kommentar zu den Vorgängen. „Hanoi Moi" und die „Stimme Vietnams", zwei weitere Regimemedien, meldeten, Christen hätten selbst das Kruzifix zerstört, nachdem sie infolge einer Belehrung durch die Regierung ihre Religiosität als Irrweg erkannt hatten.

Ironisch heißt es in dem AsiaNews-Kommentar: „Wir wissen nicht, welche Gläubigen dies waren, vielleicht die fünf, die einen Tag nach dem ‚Entfernen' des Kreuzes verhaftet wurden, oder die beiden, die im Krankenhaus landeten (Fotos verfügbar), weil sie mit vielen anderen zusammen demonstriert haben, die alle geschlagen wurden, oder JB Nguyen Huu Vinh, ein katholischer Journalist, der tätlich angegriffen und auf der Straße bewußtlos liegen gelassen worden war, als er versuchte, in dem Fall zu recherchieren."

Inzwischen ist der Berg, wo das Kruzifix stand, von Sicherheitskräften umzingelt. Jedoch zieht der Platz nun Pilger und Demonstranten an, die versuchen, daraus einen Berg der Kreuze, vergleichbar dem in Litauen, zu machen.

Unklar sei auch, heißt es in dem Kommentar weiter, warum sich viele vietnamesische Bischöfe und Diözesanvertreter zu den Vorgängen geäußert und etwa die Zerstörung „als wahres Sakrileg" bezeichnet haben, wenn doch Christen keinerlei Unterdrückung erlitten hätten.

So haben sich zehn Bischöfe aus dem Norden des Landes an die Regierung gewandt und vor Schritten gewarnt, die weiter Unzufriedenheit, Ärger und Misstrauen unter der Bevölkerung erregen. Sie versicherten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Regierung, „zum Vorteil des Landes und zum Aufbau einer großen Familie, unter der Voraussetzung, dass deren Mitglieder friedlich miteinander auskommen, „ohne Unterdrückung zu erleiden".

Das Regime, das sich um Annährung an den Heiligen Stuhl bemüht, verliert derzeit auch durch die Bedrängnis der Redemptoristen im Land weiter an Legitimation. Die Vertretungen des Ordens in Ho Chi Minh Stadt und in Hanoi sind inzwischen beide im Visier der Kommunisten, die ihnen vorwerfen, „die Politik der Partei und die Gesetze der Nation" zu untergraben.

Aber nicht nur Katholiken sind in dem südostasiatischen Land in Bedrängnis. Gerade auch die evangelischen Freikirchen, die aufgrund ihrer Struktur noch schwieriger zu kontrollieren sind, geraten in die Schusslinie.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) meldete, sind zwei vietnamesische Christen der evangelischen Full Gospel Church in der nordvietnamesischen Provinz Thanh Hoa der Missionierung bezichtigt und auf der Polizeiwache geschlagen und gefoltert worden. Die Polizei habe ihnen den Zutritt zur Ortschaft verboten und angedroht, die "Unterwelt" gegen sie einzusetzen.

Die Hauskirche der "Full Gospel Church" in Thanh Hoa wurde in den letzten Jahren immer wieder Ziel von Angriffen der Polizei, die ihre Versammlungen mit der Begründung auflöste, Neuchristen aus anderen Ortschaften hätten angeblich daran teilgenommen. Trotz mehrmaliger Anträge bekommt die Hauskirche keine Zulassung und gilt somit für die vietnamesischen Behörden als "illegal".