Vietnam: Katholiken trauern über Zeugen der Christenverfolgung

Bischof Michael Nguyen Khac Ngu starb im Alter von 100 Jahren

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LONG XUYEN, Vietnam, 12. Juni 2009 (ZENIT.org).- Die Katholiken in Vietnam trauern über den Tod ihres ältesten Bischofs, dessen Aufbauarbeit nach wie vor schweren Widerständen gegenübersteht.

Bischof Michael Nguyen Khac Ngu war vor weniger als einem Monat 100 Jahre alt geworden. Am Mittwoch, dem 10. Juni, starb er. 1934 war der vietnamesische Hirte in Frankreich zum Priester geweiht worden und blickte somit auf 75 Jahre pastoralen Wirkens zurück.

Die Gebäude, die der Bischof hatte erbauen lassen, sind von der kommunistischen Regierung mit Ausnahme der Kathedrale alle beschlagnahmt worden. Die Katholiken bemühen sich nach wie vor um die Rückerstattung dieser Besitztümer, die zum Teil zerstört worden sind. Zuletzt hatte die Regierung ein Kloster der Kongregation von den Brüdern der Heiligen Familie von Banam in der Stadt Long Xuyen enteignet. In der vergangenen Woche wurde es abgerissen.

Michael Nguyen Khac Ngu wurde 1909 im Nordvietnam geboren und bereitete sich in seiner Heimat und in Frankreich auf die Ausübung des Priesteramts vor. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Nordvietnam 1954 und der damit einhergehenden Kirchenverfolgung wanderte er mit den Mitgliedern seiner Pfarrgemeinde in den ruhigeren Südteil aus, in die Provinz Long Xuyen, südlich von Saigon, wo 1960 eine Diözese errichtet wurde, der Michael Nguyen als erster Bischof vorstand. Wo damals 20.000 Katholiken lebten, gibt es heute 240.000 Katholiken, die in 108 Pfarreien und 45 Unterpfarreien von 240 Priestern betreut werden.

Auch wenn Bischof Michael Nguyen am Tag der kommunistischen Machtübernahme im Südvietnam – am 30. April 1975 – einen Koadjutor zur Seite gestellt bekam, trat er offiziell erst 1997 in den Ruhestand.

Der jetzige Bischof Joseph Tran Xuan Tieu (63) hat in einem Nachruf auf das bescheidende Leben des verstorbenen Hirten hingewiesen. Er habe in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer gelebt, „mit einem alten Bett und ohne Fernseher oder Computer“. Bischof Nguyen sei ein leuchtendes Beispiel gewesen, weil er viel Zeit dem täglichen Gebet gewidmet und an keinem Tag die heilige Messe versäumt habe – auch nicht, als er krank war. „Er las Bücher und Tageszeitungen, wusch seine Kleider selbst, machte sein Zimmer sauber und fertigte für die Bediensteten im Bischofshaus Zahnstocher an.“