Vietnamesischer Priester vorläuftig aus Haft entlassen

Menschenrechtler fordern Revision des Urteils

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HUE/VIETNAM, 16. März 2010 (ZENIT.org).- Der vietnamesische Priester Nguyen Van Ly wurde am 15. März vorübergehend aus der Haft entlassen und von der Polizei zum Priesterhaus der Diözese Hue gebracht. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt diese überraschende Maßnahme. Pfarrer Ly ist infolge mehrerer Schlaganfälle halb gelähmt. Der katholische Bürgerrechtler wurde im März 2007 wegen angeblicher „Propaganda gegen den Sozialistischen Staat Vietnam" zu acht Jahren Haft und fünf Jahren Hausarrest verurteilt. Die IGFM ruft die Regierung Vietnams auf, das Urteil gegen Pfarrer Ly zu revidieren.

Wie die IGFM berichtete, wurde Pfarrer Lys Haftstrafe zur Erleichterung seiner medizinischen Behandlung zunächst für ein Jahr ausgesetzt. Das Urteil von acht Jahren Haft und anschließenden fünf Jahren Hausarrest sei jedoch immer noch gültig. Pfarrer Ly erkennt sein Urteil nicht an.

Pfarrer Ly verbrachte die letzten drei Jahre in Einzelhaft im nordvietnamesischen Gefängnis Nam Ha, 1.600 km von seiner Gemeinde und Familie in Südvietnam entfernt. Im Jahr 2009 erlitt er drei lebensgefährliche Schlaganfälle. Infolge dessen blieben ein Bein und ein Arm gelähmt.

Das Bild von der nichtöffentlichen Gerichtsverhandlung in Hue vom 30. März 2007 ging um die Welt. Es zeigt, wie Polizisten Pfarrer Ly den Mund zuhielten, als er gegen seine Verhaftung protestiert hatte. Die Aufnahme dieses Vorgangs, die den Umgang mit Andersdenkenden in Vietnam dokumentierte, hat Menschen auf der ganzen Welt empört.

Mit Pfarrer Ly wurden damals auch vier seiner Wegfährten vor Gericht gestellt. Nguyen Phong, Vorsitzender der Progressiven Partei (Dang Thang Tien) wurde zu sechs Jahren Haft und drei Jahren Hausarrest verurteilt. Nguyen Binh Thanh erhielt fünf Jahre Haft und zwei Jahre Hausarrest, zwei Frauen wurden zu jeweils anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Angeklagten hatten laut IGFM während der Verhandlung ausgesagt, dass sie in der Untersuchungshaft gefoltert wurden.

In der Anklageschrift vom 15. März 2007 wurde Pfarrer Nguyen Van Ly als "Drahtzieher" bezeichnet, der "Propaganda-Dokumente gegen den Sozialistischen Staat Vietnam gesammelt, herausgegeben, gedruckt und gehortet" habe. Unter diesen Dokumenten seien einige, in denen "die Situation der Religionsfreiheit in Vietnam verleumdet" werde.

Er habe „reaktionären Medien" im Ausland Interviews gegeben und reaktionäre Organisationen, wie den „Block 8406", die Progressive Partei Vietnams und den Parteiverbund Lac Hong mit dem Ziel gegründet, "ein Gegengewicht zum Staat zu bilden".