VII. Weltfamilientreffen: Konzert für Papst Benedikt XVI. in der Mailänder Scala

Papst: Gott ist nicht fern, sondern tritt in unser Leben und Leiden ein

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ROM, 2. Juni 2012 (ZENIT.org). - „Über diesem Konzert, das eine fröhliche Feier anlässlich dieses Treffens von Menschen aus fast allen Nationen der Welt sein sollte, hängt der Schatten des Erdbebens, das Leid über viele Bewohner unseres Landes gebracht hat.“

Dies waren die Worte Papst Benedikts XVI. am Ende des Konzerts, das in der Mailänder Scala anlässlich der Teilnahme des Heiligen Vaters an der VII. Weltfamilientreffen stattfand. Der Papst erinnerte die italienische Bevölkerung an die Opfer des Erdbebens in den vergangenen Tagen, nachdem er den Dirigenten und künstlerischen Leiter des „Teatro alla Scala“, Stéphane Lissner, Dankesworte ausgesprochen hatte. „Wie es das Schicksal wollte, erlitten in diesen der Familie gewidmeten Tagen viele Familien in unserer Nähe plötzlich Unglück und Schmerzen“, hatte Lissner am Vorabend des Konzerts erklärt. „Wir drücken damit heute Abend die Gefühle des Heiligen Vaters aus, der Organisatoren dieses Treffens und der Familien der Erdbebenopfer in Emilia.“

Vom Podium des Dirigenten aus lobte der Papst die Wahl der Neunten Symphonie Beethovens, die „es uns erlaube, eine Botschaft durch Musik zu empfangen, eine Botschaft des grundlegenden Wertes der Solidarität, der Brüderlichkeit und des Friedens. Diese Nachricht ist auch für die Familie wertvoll, weil eine Familie der erste Ort der Entstehung des Lebens, einer Einheit darstellt, die im Verhältnis zu anderen Familien steht. Sie ist Zentrum einer Selbstverwirklichung, die nicht Egoismus sein darf, sondern mit ihrem Licht die ganze Welt erhellen muss.“

Benedikt XVI. nannte das Konzert „einen Moment der Erhebung der Seele“ und betonte, dass das, was Beethovens Musik durchziehe „eine idealisierte Vision der Menschheit“ sei.

„Es gibt eine deutlich christliche Freude, die Beethoven ausdrückt: das brüderliche Zusammenleben der Völker, der Sieg über den Egoismus und der Wunsch, dass der Weg der Menschheit durch Liebe gekennzeichnet sei.“ Mit Bezug auf die Worte der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller erklärte er: „Wir suchen einen Gott, der nicht auf Distanz bleibt, sondern in unser Leben und unser Leiden eintritt.“

Der Papst nahm bei dem Konzert nicht in der königlichen Loge Platz, sondern in der Mitte des Publikumssaals. Er wurde von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, dem Erzbischof von Mailand, Kardinal Angelo Scola, dem Erzbischof Dionigi Tettamanzi und dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Familie, Erzbischof Ennio Antonelli, begleitet.

Als Regierungsvertreter waren Vizepräsident Maurizio Lupi, der Minister für Kultur, Ornaghi Lawrence, und Regierungsvertreter Roberto Formigoni, Präsident der Region Lombardei, der Bürgermeister von Mailand, Giuliano Pisapi sowie der Präsident der Provinz, Guido Podestà, jeweils mit ihren Gattinnen anwesend.

Maestro Daniel Barenboim dirigierte die Sinfonie Nr. 9 in D minor, op. 125 für Soli, Chor und Orchester von Ludwig van Beethoven.

Das Konzert an der Mailänder Scala sollte eine Gelegenheit bieten, in die Kulturwelt einzutreten und durch die Musik die Kernthemen des VII. Weltfamilientreffens zu verarbeiten.

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]