VII. Weltfamilientreffen: Papst breitet seine Arme über den Familien der Welt aus

Mehr als 350.000 Menschen beim Festa delle Testimonianze (Fest der Zeugnisse) anwesend

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MAILAND, 3. Juni 2012 (ZENIT.org). - Gestern Abend kurz nach 20.30 Uhr traf Papst Benedikt XVI. in Bresso ein, um am Abendprogramm des Festes der Zeugnisse zum Thema „One world, family, love“ (Eine Welt, Familie und Liebe) teilzunehmen. Bei seiner Ankunft auf dem im Mailänder Nordpark gelegenen Flughafengelände von Bresso, wo er heute die Heilige Messe zelebrierte, wurde der Heilige Vater von mehr als 350.000 Menschen begrüßt, die dort seit dem frühen Nachmittag dicht aneinander gedrängt versammelt waren.

Der Beitrag des Papst zu diesem Fest war die Beantwortung von Fragen in Zusammenhang mit dem für das VII. Welttreffen der Familien gewählten Thema: „La famiglia: il lavoro e la festa“ (Die Familie: Arbeit und Fest). Als erste meldete sich die kleine Cat Tien zu Wort. Die 7-jährigeVietnamesin fragte den Papst nach seiner Familie und nach jener Zeit, in der er selbst in ihrem Alter gewesen war.

Der Papst wandte sich mit folgenden Worten an sie: „Bis zum 19. Jahrhundert war in Europa ein anderes Ehemodell vorherrschend. Die Ehe war ein Vertrag zwischen Clans, der der eigenen Statussicherung diente. Heute unterliegt die Ehe nicht mehr dem Willen anderer. Es handelt sich um eine freie Entscheidung, der eine Phase des ineinander Verliebt Seins und die Verlobung vorausgehen. Man ist oft versucht zu glauben, die Liebe führe automatisch zur Ewigkeit, sie sei absolut, doch das ist sie nicht. Die Phase der Verliebtheit ist schön, aber nicht immer vollkommen. Das Gefühl ändert sich im Laufe der Zeit. Der Übergang von der Verlobung zur Ehe zieht einen inneren Erfahrungsprozess nach sich. Das Gefühl der Liebe muss von Vernunft und Willen geleitet werden.

Im Rahmen des Eherituals bekennt man sich nicht zu seiner Verliebtheit sondern bringt seinen Wunsch, seine feste Bereitschaft zum Ausdruck, den Weg unter Einbeziehung von Willen und Vernunft zu gehen. Der ganze Mensch ist einbezogen durch seine Urteilsfähigkeit und den Willen, Ja zu seinem Leben zu sagen. Bei der Hochzeit zu Kana war der später servierte Wein besser als der erste. Auch die Liebe muss wachsen und reifen in einem Prozess, der die Pfarrgemeinde, die Kirche, Freunde, die rechte Lebensgemeinschaft mit den anderen, den glaubenden Familien, einschließt, die sich in derselben Situation befinden“.

Der Papst fuhr folgendermaßen fort: „Das Problem der Scheidungen und der wiederverheirateten Geschiedenen zählt zu den größten Leiden der Kirche von heute. Es gibt keine pauschalen Lösungen dafür. Es herrscht großes Leid, und wir können den Pfarrgemeinden und den einzelnen Menschen lediglich unsere Hilfe zuteil werden lassen: durch verstärkte Vorbeugungsmaßnahmen, in einer Vertiefung der gegenseitigen Liebe, durch eine Begleitung in der Paarbeziehung und während der Ehe, sodass die Familien niemals allein sind, sondern auf ihrem Weg Tag für Tag Unterstützung erfahren. Obwohl sie die Eucharistie nicht empfangen dürfen, sollen sie von der Liebe der Kirche getragen sein und sich geliebt und angenommen fühlen. Sie sollen das Bewusstsein erlangen, dass sie dennoch Teil der Kirche sind; dass die Freundschaft zu einem Geistlichen trotz des Ausschlusses von der Beichte wesentlich ist. Sie können über ihre geistliche Verbundenheit mit Christus an der Eucharistie teilnehmen.“

Der Abend kam um 22.30 Uhr mit den Darbietungen von Dulce Pontes, der israelischen Sängerin Noa, die die Bühne mit Gil Dor teilte, sowie Clelia Sguera und Nico Arcieri, der italienischen Band Sonohra mit Hevia und zum Ausklang des Orchester Alexian des italienischen Künstlers Santino Spinelli.

Die 100 Meter lange, 25 Meter hohe und 30 Meter tiefe Bühne der abendlichen Veranstaltung war von einer den Glasfenstern des Doms nachempfundenen transparenten Halbkuppel überragt. Sie diente heute als Altar für die Heilige Messe.

Das Fest der Zeugnisse wurde vom italienischen Fernsehsender Rai I live übertragen.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleisser]