VIII. Internationale AIDS-Konferenz im Institut San Gallicano in Rom

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone: ein wahres Drama unserer Zeit

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Von Jan Bentz

ROM, 22. Juni 2012 (ZENIT.org). – Heute wurde im römischen Stadtteil Trastevere die VIII. Internationale AIDS-Konferenz, initiiert von der Gemeinschaft Sant' Egidio, unter Anwesenheit zahlreicher Regierungsvertreter und afrikanischer Gesundheitsminister, dem italienischen Minister für Internationale Zusammenarbeit und Integration und Gründer der Gemeinschaft Sant' Egidio, Andra Riccardi, Vertretern der OMS und Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen mit einer Ansprache von Kardinalstaatssekretär Tarcision Bertone eröffnet.

Nach Dankesworten an die hochrangigen Stellvertreter aus Politik und Gesellschaft und einem besonderen Gruß an die Gemeinschaft Sant' Egidio gestand Bertone, dass ihm das Thema AIDS ganz besonders am Herzen liege. Er erklärte, dass die Kirche sehr besorgt um die Menschen sei, die von dieser Pandemie betroffen sind. Gerade den infizierten Frauen müsse ausgeholfen werden, denn „die Krankheit der Frauen und Kinder ist die Krankheit der Gesellschaft“.

Die Kirche habe seit dem Auftauchen dieser Infektion den Kranken und ihren Familien beigestanden, und versucht, die Ausbreitung dieser „schrecklichen Geißel“ einzudämmen. Vor noch nicht langer Zeit habe die Kirche im Postsynodalen Schreiben „Africae Munus“ bekräftigt, dass die Bekämpfung von AIDS von höchster Bedeutung sei. 30 Prozent aller AIDS/HIV-Hilfezentren der Welt seien katholisch. Gerade in Afrika sei die Kirche vor allem in den ländlichen und außerstädtischen Regionen stark vertreten.

Die Aidsbekämpfung setze sich vor allem aus folgenden Punkten zusammen: „Kampagnen der Sensibilisierung“, „Präventionsprogramme und Gesundheitsausbildung, Bildung von Waisen, Verteilung von Medizin und Nahrung, Häusliche Hilfe, Krankenhäuser, Zentren, therapeutische Gruppen für AIDS-Kranke und sogar Internetinitiativen." Johannes Paul II. beispielsweise habe 2004 die Stiftung „Der Gute Samariter“ ins Leben gerufen, die sich vornehmlich mit AIDS-Kranken befasst. Gerade der gute Samariter sei das Leitbild der kirchlichen Aktion gegen AIDS: die „größere Gerechtigkeit“, die Jesus von seinen Jüngern verlange, die Befolgung des Gesetzes der Liebe. „Dies versuchen wir jeden Tag und werden weiter versuchen, es auf der ganzen Welt zu verbreiten“.

Bertone gratulierte dem Erfolg der Stiftung „DREAM“ der Gemeinschaft Sant' Egidio, das mit 33 Zentren in 10 Ländern präsent, „ein zweifellos wirksames Instrument und christliche Initiative darstellt, das kranken Menschen hilft, ohne die Kranken auf ihre Krankheit zu reduzieren."

Nur die Liebe könne den Menschen zu einem „authentischen Abbild Gottes machen“, zitierte Bertone Benedikt XVI., und genau das sei der Kern dieses AIDS-Kongresses. Und welches Bild der Liebe sei überzeugender als das von Mutter und Kind? „Man könnte sagen: Wer die Mutter und das Kind rettet, der rettet die Zukunft der Welt.“ Der Kampf gegen AIDS fange bei den Frauen an.

Der Kardinalstaatssekretär richtete einen Appell an die Gesundheitsminister und die ganze internationale Gemeinschaft, dass die Mittel der AIDS-Bekämpfung allen zur Verfügung gestellt werden mögen und dass man bei den Frauen und Kindern beginnen müsse. Gerade die Ergebnisse von DREAM und der Vorbeugungsstudien der OMS belegten: Der allgemeine Zugang zu Heilmitteln ist möglich, wissenschaftlich belegt und wirtschaftliche denkbar. „Es ist keine Utopie, es ist möglich!“

Tarcisio Bertone beendete seine Ansprache mit einer Bitte an die Verantwortlichen für Gesundheit in vielen afrikanischen Ländern, die Mediziner, Spender und internationalen Agenturen, ihre größte Anstrengung aufzubringen, das Leiden der vielen kranken Mütter zu lindern und das menschliche Leben zu schützen, es von Empfängnis bis zum natürlichen Tod zu verteidigen. „Für jeden Menschen ist der Respekt für das Leben ein Recht und gleichzeitig eine Aufgabe, denn jedes Leben ist ein Geschenk Gottes.“