Vokabular von Benedikt XVI.

Theologisches ABC auch auf Italienisch

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 704 klicks

Das Denken von Joseph Ratzinger in 164 Termini als theologisches ABC von Abba bis Zweifel: Dieses im Herder-Verlag im August 2012 erschienene Buch wurde nunmehr ins Italienische übersetzt und ist in der Libreria Editrice Vatikana (LEV) erschienen. Herausgeber ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch.

Auf 240 Seiten (290 in der italienischen Ausgabe) werden unter Mitarbeit des Regensburger Instituts Papst Benedikt XVI., Herausgeber der gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. unter dem heutigen Präfekten der Glaubenskongregation, Msgr. Gerhard Ludwig Müller, in kurzen Abschnitten theologische und philosophische Erklärungen von Begriffen und konkrete Antworten auf einfache Fragestellungen gegeben.

Allgemeine Begriffe wie Liebe, Europa, Dialog zwischen den Religionen Lehramt der Kirche, Leiden werden ebenso behandelt wie biblische Termini und Inhalte: Abba, Bergpredigt, Christus, Dämonen usw.

So bietet sich ein breites Themenspektrum, in dem Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. in seiner einfachen, klaren Sprache die Ergebnisse jahrhundertelangen Denkens der größten Philosophen und Kirchenlehrer sowie der Lehre der Kirche aufzeigt und sich dabei immer als „Mitarbeiter der Wahrheit“ versteht.

Ein winziger Einblick: Zum Thema „Schöpfung als Liebe“ heißt es in der deutschen Ausgabe: „Der Mensch ist abhängig, und nur in der Form der Seinslüge kann er das bestreiten. Er kann nicht anders, als von anderen leben und von einem Vertrauen leben. Abhängigkeit aber hat nichts Degradierendes mehr, wenn sie die Form der Liebe hat, denn dann ist sie nicht mehr Abhängigkeit, nicht mehr Verminderung des Eigenen durch die Konkurrenz des anderen, sondern dann konstituiert sie gerade das Eigene als Eigenes und befreit es, denn Liebe ist ja wesentlich die Form ‚ich will, dass du bist‘, sie ist das Creativum, die einzig schöpferische Macht, die anderes als anderes hervorbringen kann ohne Neid, das Eigene zu verlieren. Der Mensch ist abhängig – das ist seine primäre Wahrheit. Weil es so ist, kann nur die Liebe ihn erlösen, weil nur sie Abhängigkeit in Freiheit umwandelt.“ (S. 195)

Der Begriff Spiel wird unter anderem als versuchte Heimkehr ins Paradies erklärt: „Denn das ist letztlich mit dem Spiel gemeint: Ein Tun, das ganz frei ist, ohne Zweck und ohne Nötigung, und das dabei doch alle Kräfte des Menschen anspannt und ausfüllt. In diesem Sinn wäre das Spiel also eine Art versuchter Heimkehr ins Paradies; das Heraustreten aus dem versklavenden Ernst des Alltags und seiner Lebensbesorgung in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss und gerade darum schön ist. Demgemäß überschreitet das Spiel in gewisser Hinsicht das Alltagsleben; es hat aber zunächst, vor allem beim Kind, noch einen anderen Charakter: Es ist Einübung ins Leben.“ (S. 204)

Mit seinen Werken, so Zollitsch in seinem Vorwort, habe sich Benedikt XVI. in den Dienst der Wahrheit gestellt, was nicht ein abstrakter Begriff, sondern der lebendige Gott selber sei. Neben der Wahrheit sei die Liebe die zweite fundamentale Größe in seinem Denken, die sein gesamtes Werk durchziehe. Wahrheit und Liebe träfen sich in Jesus Christus. Der vorliegende Band ermögliche eine schnelle Orientierung bei praktischen Fragen und könne auch dazu führen, Anregung für weitere interessante Leküre zu sein.

Buchtipp:
RATZINGER, Joseph (Benedikt XVI.), Hrsg. ZOLLITSCH, Robert
Theologisches ABC: Ein Lesebuch von Abba bis Zweifel

Deutsche Ausgabe: Herder, Freiburg 2012, € 16,99;
Italienische Ausgabe: LEV 2012, 290 Seiten, € 15,00