Vollendung des Paschamysteriums durch die Ausgießung des Heiligen Geistes

Ansprache vor dem Regina Caeli am Pfingstsonntag

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Vatikanstadt, Dienstag, 14. Juni 2011 (ZENIT.org). – „Das Gesetz der Liebe hat Gott am Pfingsttag nicht auf Stein, sondern in die Herzen der Apostel geschrieben.“ So zitierte Papst Benedikt XVI. am Pfingstsonntag vor dem Regina-Caeli-Gebet den seligen Antonio Rosmini. Die menschliche Sprache der Apostel werde durch die Stimme Gottes vergöttlicht; damit erfülle der Hauch des Heiligen Geistes das Universum, erzeuge den Glauben, ziehe zur Wahrheit hin und bereite die Einheit der Völker vor.

Wir veröffentlichen die Ansprache des Papstes in einer eigenen deutschen Übersetzung:

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Liebe Brüder und Schwestern!

Das Pfingstfest, das wir heute feiern, beschließt die Osterzeit. In der Tat findet das Paschamysterium – das Leiden, der Tod und die Auferstehung Christi und seine Auffahrt Himmelfahrt – seine Vollendung in der Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel, die mit Maria, der Mutter des Herrn, und den anderen Jüngern vereint waren. Es war die „Taufe“ der Kirche, die Taufe im Heiligen Geist (vgl. Apg 1,5). So erzählt die Apostelgeschichte, dass am Morgen des Pfingstfestes ein Getöse wie von einem Sturm den Abendmahlssaal erfüllte und dass Zungen wie von Feuer auf jeden der Jünger herabkamen (vgl. Apg 2,2-3).

Der heilige Gregor der Große kommentiert: "Heute ist der Heilige Geist mit einem plötzlichen Getöse auf die Jünger herabgekommen und hat den Geist von fleischlichen Wesen im Inneren seiner Liebe verwandelt. Während äußerlich Feuerzungen erschienen, wurden die Herzen innerlich entflammt, da sie, Gott in der Erscheinung von Feuer aufnehmend, lieblich in Liebe entbrannten" (Hom. In Evang. XXX, 1: CCL 141, 256). Die Stimme Gottes vergöttlicht die menschliche Sprache der Apostel, die fähig werden, das eine göttliche Wort „mehrstimmig“ zu verkünden. Der Hauch des Heiligen Geistes erfüllt das Universum, erzeugt den Glauben, zieht hin zur Wahrheit, bereitet die Einheit der Völker vor. „Als sich dieses Brausen erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt, weil jeder sie in seiner eigenen Sprache sprechen hörte‚ von den Großtaten Gottes‘“ (Apg 2,6.11).

Der selige Antonio Rosmini erklärt, dass „am Pfingsttag der Gott der Christen sein Gesetz der Liebe verkündete, indem er es durch den Heiligen Geist nicht auf Tafeln von Stein, sondern in das Herz der Apostel schrieb und es dann durch die Apostel der ganzen Kirche mitteilte“ (Catechismo disposto secondo l'ordine delle idee ..., Nr. 737, Turin 1863).

Der Heilige Geist, „der Herr ist und lebendig macht“ - wie wir im Glaubensbekenntnis beten – ist mit dem Vater durch den Sohn vereint und vervollständigt die Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Er geht von Gott aus wie ein Hauch aus seinem Mund und hat die Macht zu heiligen, die Trennungen zu überwinden und die durch die Sünde verursachte Verwirrung aufzulösen. Er, der körperloser Geist ist, teilt die göttlichen Gaben aus und stärkt die Lebewesen, damit sie in Einklang mit dem Guten handeln. Als Licht der Einsicht verleiht er dem Gebet seinen Sinn, gibt die Kraft für die Sendung der Evangelisation, lässt die Herzen derer brennen, die die Frohe Botschaft hören, inspiriert die christliche Kunst und die liturgische Melodie.

Liebe Freunde, der Heilige Geist, der in der Taufe in uns den Glauben bewirkt, befähigt uns, bewusst und entschieden als Kinder Gottes zu leben, nach dem Bild des Eingeborenen Sohnes. Auch die Vollmacht zur Vergebung der Sünden ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. In der Tat hat Jesus die Apostel, als er ihnen am Abend des Ostertages erschien, angehaucht und gesagt: „Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (Joh 20,23). Wir vertrauen der Jungfrau Maria, dem Tempel des Heiligen Geistes, die Kirche an, damit sie immer aus Jesus Christus, aus seinem Wort, aus seinen Geboten lebt und unter dem beständigen Wirken des Heiligen Geistes allen verkündet: „Jesus ist der Herr“(1 Kor 12,3).  

Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:

Einen frohen Pfingstgruß richte ich an die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache und heute besonders an die Teilnehmer der Parade mit den Rossen und Musikkapellen aus Bayern und Österreich. Wenn morgen in Dresden Alois Andritzki seliggesprochen wird, lenkt die Kirche unseren Blick auf einen jungen Priester, in dem das Wirken des Heiligen Geistes machtvoll aufleuchtet. Er hat sich dem Druck der nationalsozialistischen Machthaber nicht gebeugt, sondern war selbst in den Qualen des Konzentrationslagers Dachau für seine Mitgefangenen und Verwandten Quelle des Glaubens und der Freude. Belebt und erfüllt vom unwandelbaren Trost des Heiligen Geistes schrieb er aus dem KZ: „Freut euch mit mir!" Diese tiefe und wahre Freude, die nur der Heilige Geist schenkt, wünsche ich euch allen!

[Übersetzung aus dem Italienischen von Dr. Edith Olk © Copyright 2011 - Libreria Editrice Vaticana]