Volljährig - und was dann?

Die Situation der "Care Leaver" verbessern

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 216 klicks

Die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen e.V. (IGfH) und das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim stellten im Dezember 2013 ein Positionspapier vor, das sich mit dem Thema „Jugendhilfe“ befasst: „Jugendhilfe – und dann? Care Leaver haben Rechte! – Forderungen an Politik und Fachpraxis“. Die beiden Institutionen stellten fünf Hauptforderungen, um die Situation der „Care Leaver“, d.h. junger Menschen, die einen Teil ihres Lebens in öffentlichen Erziehungseinrichtungen verbracht haben, zu verbessern und ihnen den Eintritt in das selbständige Leben als Volljährige zu erleichtern.

„Care Leaver“ sind in öffentlichen Erziehungseinrichtungen aufgewachsen und verfügen deshalb häufig weder über ein stabiles Umfeld noch über ausreichende finanzielle Mittel. Der an sie gestellten Anforderung, mit Eintritt der Volljährigkeit ein selbstbestimmtes und autonomes Leben zu führen, können sie deshalb kaum gerecht werden. Von Amtsseite ist in der Regel ab Eintritt der Volljährigkeit der Betreuten kaum noch eine Hilfe möglich, sodass die jungen Menschen sich mit der Lebensrealität konfrontieren müssen, ohne in einem familiären Netzwerk oder stabilen Umfeld aufgefangen zu werden. Die oft schwierigen Biographien erleichtern den Übergang der jungen Menschen in das Erwachsenenleben mit all seinen Anforderungen, Ansprüchen und Problemen nicht.

Deshalb stellten die IGfH und das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim die Forderungen: „Die Rechte der Care Leaver müssen durchgesetzt werden. Care Leaver für Care Leaver! Selbstorganisation stärken. Zuständig bleiben! Dienstleistungsinfrastruktur für Care Leaver schaffen. Bildungschancen sichern. Die Jugendhilfe muss die veränderte Jugendphase anerkennen.“

Care Leaver“ bedürfen besonderer Unterstützung, da sie ökonomischen und sozialen Benachteiligungen ausgesetzt sind. Die Kinder und Jugendlichen, die nicht in einem behüteten Umfeld aufwachsen, sondern in öffentlichen Jugendeinrichtungen, müssen früh selbständig werden und Verantwortung für ihr Leben übernehmen, oft jedoch ohne eine dauerhafte und individuelle Anleitung erfahren zu haben. Grundsätzlich sieht das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Weiterbegleitung der jungen Menschen auch nach Eintritt der Volljährigkeit vor, doch häufig nehmen die verantwortlichen Stellen die ihnen übertragene Aufgabe nicht wahr. Deshalb soll die Situation der „Care Leaver“ ins Visier der Sozialpolitik gerückt werden, auch auf internationaler Ebene, um den jungen Menschen den Einstieg in das Leben zu erleichtern und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich eine Zukunft aufzubauen.