Vollziehen auch Laien beim Eucharistischen Hochgebet Gebärden?

Warum Bischöfe ein kleines Kreuz vor ihren Namenszug stellen

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 2435 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen. 

Frage: Ich vollziehe gern einige Gebärden mit, die der Priester beim Hochgebet ausführt. Zum Beispiel verneige ich mich, wenn es im ersten Hochgebet heißt: „Wir bitten dich, allmächtiger Gott: Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar“; und ich schlage mir an die Brust, wenn es heißt: „Auch uns, deinen sündigen Dienern…“; ebenso bekreuzige ich mich, wenn der Priester betet: „Erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels.“ Auf diese Weise fühle ich mich aktiver beteiligt, doch weiß ich nicht, ob diese Gebärden angebracht sind. Sind diese Gebärden allein dem Priester oder dem Hauptzelebranten vorbehalten? -- P.H., London. 

P. Edward McNamara: Wenn Gebete von Gebärden begleitet werden, gilt die allgemeine Regel, dass nur diejenigen diese Gebärden vollziehen, die tatsächlich die Worte sprechen. 

So verneigt sich zum Beispiel die ganze Versammlung, wenn sie beim Gloria den Namen Jesu nennt und sie verbeugt sich (oder kniet am Weihnachtstag nieder), wenn beim Credo das Geheimnis der Menschwerdung erwähnt wird. 

Bei einer Konzelebration vollzieht normalerweise der Hauptzelebrant die Gebärden, sofern er allein die Gebete spricht. So breitet zum Beispiel nur er zum Zeitpunkt der Präsidialgebete und der Präfation die Hände aus. 

Während der gemeinsamen Teile des Hochgebets vollziehen die anderen Priester die meisten Gesten – wie zum Beispiel jene aus dem ersten Hochgebet (dem Römischen Mess-Kanon), die unser Leser erwähnt – mit, eben weil diese Gebete von allen Konzelebranten normalerweise leise mitgesprochen werden. 

Es gibt aber ein paar Ausnahmen. So zum Beispiel sprechen bei den anderen Hochgebeten zwar alle Priester den Text von der Anrufung des Heiligen Geistes über die Wandlung hinaus bis hin zur Anamnese (einschließlich) mit, doch nur der Hauptzelebrant macht das Kreuzzeichen über Brot und Kelch. 

Andererseits schlagen sich bei den Worten “Auch uns, deinen sündigen Dienern“ alle Priester an die Brust, obwohl in der Regel nur einer von ihnen das Gebet vorträgt. 

Der Grund für diese letztere Ausnahme ist, dass im lateinischen Text das Wort „famulis“ (Diener) mit dem Wort „peccatoribus“ (Sünder) in Verbindung gebracht wird, und zwar auf eine Weise, wie sie sich in der englischen Übersetzung bis vor kurzem nicht fand. Die liturgische Traditiondes Römischen Mess-Kanonsmeint mit „famulis” in erster Linie den zelebrierenden Klerus, nicht so sehr die Gläubigen im Allgemeinen (ohne damit behaupten zu wollen, dass die einzigen Sünder in der Versammlung die Priester seien). 

Im Mittelalter war es üblich, dass Kleriker sich als „sündige Diener“ bezeichneten. Sie ließen ihrer Unterschrift manchmal sogar das Wort „Sünder“ vorausgehen. Im Laufe der Zeit wurde dann das Wort durch ein Symbol ersetzt, das im Wesentlichen die gleiche Bedeutung hatte. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach pflegen Bischöfe wohl daher ein Kreuz vor ihre Unterschrift zu setzen. Das Kreuz ist ein Relikt des alten Symbols, durch das sich die Person als sündigen Diener bezeichnete. 

Deshalb begeht unser Leser vom liturgischen Standpunkt aus gesehen einen Fehler, wenn er die Gebärden nachahmt, die der Priester beim Hochgebet vollzieht – vor allem weil diese Gesten normalerweise voraussetzen, dass man das Gebet gleichzeitig vorträgt. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Layman's Gestures During Eucharistic Prayer