Vom Konflikt zur Gemeinschaft lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017

Die Internationale Lutherisch/Römisch-katholische Kommission für die Einheit hat ein 90seitiges Dokument vorgelegt

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 507 klicks

Das bereits vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen angenommene Dokument wurde am Montag dem Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) auf seiner Tagung in Genf vorgelegt. Landesbischof Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der deutschen Lutheraner, sprach von einem „Meilenstein im ökumenischen Miteinander“.

Es handelt sich um eine historische Aufarbeitung der Ereignisse von vor 500 Jahren. Sie soll noch bestehende Konflikte aus dem Weg räumen und eine Anzunäherung suchen. Dem Dokument liegt eine differenzierte, von Historikern beider Kirchen und säkularen Geschichtswissenschaftlern erstellte, Darstellung zu Grunde und spricht von einem „Ökumenischen Zeitalter“. Zudem benennt das Dokument die Positionen der beiden Kirchen in Bezug auf strittige Themen wie Eucharistie, Rechtfertigung vor Gott, Tradition, Ämter in der Kirche und Schrift. Das Dokument formuliert „fünf Imperative“, die anregen sollen, den Weg zur Gemeinschaft weiterzugehen. Oberster Imperativ ist die Perspektive der Einheit von Katholiken und Lutheraner und nicht die der Spaltung, die Unterstreichung des Gemeinsamen und nicht die der Unterschiede. Der zweite Imperativ fordert, dass beide Gruppen bereit sein müssen, sich im Erfahren des Anderen und durch das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern zu lassen. Der dritte Imperativ verlangt von den Katholiken und Lutheraner weiterhin an einer sichtbaren Einheit zu arbeiten. Dem vierten Imperativ liegt die Wiederentdeckung der Kraft des Evangeliums für unsere heutige Zeit zu Grunde, im fünften Imperativ werden beide Kirchen dazu aufgefordert, gemeinsam Zeugnis für Gottes Gnade abzulegen.

Damit werden die Ergebnisse aus fast 50 Jahren lutherisch-katholischem Dialog zusammengetragen und ein Beitrag dazu geleistet, erstmals ökumenisch der Vergangenheit gedenken zu können. Die Hoffnung der Autoren besteht darin, dass der Text zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führe und zu einer Vertiefung der Gemeinschaft. Unter dem Titel „Heilung der Erinnerungen“ gibt es Vorüberlegungen zu einem gemeinsamen Bußakt der beiden Kirchen im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten 2017, nicht zuletzt in Bezug auf die Schuldbekenntnisse der Päpste im 20. Jahrhundert.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Robert Zollitsch zeigt sich dem Text gegenüber sehr interessiert und aufgeschlossen und verspricht sich Denkanstöße für ein Weiterbringen der Ökumene in Deutschland. Die Erwartungen seien hoch, so Zollitsch in einer Erklärung vom 17. Juni. Durch den ökumenischen Dialog sei verdeutlicht worden, dass die beiden Kirche mehr verbinde, als sie trenne, was sich besonders in der Taufe manifestiere. Das Ziel sei, eine ganzheitliche Gemeinschaft zu erlangen, wozu sich die katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil verpflichtet habe.