Vom Umgang mit eigenen Grenzen und Schwächen

Impuls zur Nazaret-Aktion der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien

| 2673 klicks

ROM, 30. September 2009 (ZENIT.org).- Die Erfahrung des eigenen Unvermögens oder der eigenen Schwächen kann traurig stimmen, aber auch dazu anregen, mehr auf die Kraft Gottes zu vertrauen.

Die folgenden Gedanken zeigen auf, wie man mit Niedergeschlagenheit und den eigenen Grenzen umgehen kann. Sie sind einer Betrachtung der Schönstatt-Bewegung zur Initiative Nazaret-Gebet 2009 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien entnommen und wollen vor allem jene Eltern inspirieren, die im Rahmen dieser Iniatiative täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

* * *

„Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit." (Hebr 4,15f)

Betrachtung
Der Vater soll mächtig, stark und gütig sein; die Mutter soll Liebe schenken, wecken und weiterleiten - das Ideal ist hoch, und oft schaffe ich das einfach nicht. Jeder erlebt das eigene Kleinsein, die eigene Verletzlichkeit. Wir bleiben hinter dem zurück, wie wir gerne wären.

Tagesrückblick im Hausheiligtum
Da ist es schön, einen Ort zu haben, wo ich das eigene Kleinsein erleben kann - wo ich einfach Kind sein kann vor Gott! Ich setze mich an einen ruhigen Ort, zünde eine Kerze an und schaue zurück auf den Tag. Was ist mir geschenkt worden? Was ist mir gelungen? Und wahrscheinlich ist auch manches dabei, was schief gegangen ist. So schreibt Pater Kentenich im Abendgebet der Gebetssammlung „Himmelwärts": „Oft missbrauchten wir die Zeit, oft auch die Gelegenheit" - da habe ich mich ganz anderen Dingen gewidmet als denen, die eigentlich dran gewesen wären: Ich habe Werbung durchgeblättert oder am Computer gespielt statt mich dem Kind und meinen Aufgaben zuzuwenden...

Ab in den Krug
Ich halte den Blick auf das aus, was mir misslungen ist; ich brauche es nicht unter den Teppich kehren, nicht verdrängen. Und dann sage ich Gott: „So möchte ich sein - aber ich bleibe hinter dem zurück." Ich schreibe meine Versäumnisse, mein Versagen auf einen Zettel und werfe es als mein Opfer in den Krug. So kann ich all meine Unzulänglichkeiten loslassen - und durch die Hände der Gottesmutter wird Gott Segen für meine Familie daraus fließen lassen.

In die Arme des Vatergottes
Dann lege ich mich als Kind in die Arme des Vatergottes. Ich kann Kind sein, ich muss nicht alles können - und Gott nimmt mich mit einem Lächeln an. In diesem Geist der Kindlichkeit fühle ich mich von Gott angenommen, und die Liebe, die ich empfange, kann ich auch wieder weiter geben. (nach: Familie als Berufung, 4/2008)

Gebet
Guter Gott, du hast uns unsere Kinder anvertraut. Dein Vertrauen zu uns ist groß, aber ich stoße immer wieder an meine Grenzen. Wie Paulus muss ich oft eingestehen: Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.
Herr, sei du in meiner Schwachheit mächtig! Lass unsere Kinder heranwachsen und entdecken, wie du sie gedacht hast. Lass sie deinem Ruf folgen und ihre Berufung finden. Amen.

Leitgedanke für die Woche
Sogar meine Grenzen kann ich Gott schenken - er wandelt sie und nimmt mich an!