Von Dortmund nach Südafrika: Dr. Michael Wüstenberg, Bischof von Aliwal

„Weihnachten fängt bei den Armen an“ - Persönliche Erfahrungen in Afrika

| 1966 klicks

ROM/HILDESHEIM, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat nach Angaben des Heiligen Stuhls den gebürtigen Dortmunder und Fidei-Donum-Missionar in Südafrika, P. Michael Wüstenberg, zum Bischof von Aliwal ernannt. Der ehemalige Generalvikar der genannten Diözese gehört zum Klerus des Bistums Hildesheim.



In der Diözese Aliwal leben 536.000 Menschen, darunter 42.300 Katholiken. In der Seelsorge sind 22 Priester und 71 Ordensleute tätig.

Biographische Skizze
Wüstenberg wurde am 19. Juli 1954 in Dortmund (Erzbistum Paderborn) geboren und wuchs in Harburg in der Nähe von Hamburg auf. Seine philosophischen und theologischen Studien absolvierte er im Jesuitenseminar St. Georgen in Frankfurt/Main und an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Die Priesterweihe empfing er am 5. Juni 1982 in Hildesheim.

Zehn Jahre lang wirkte Wüstenberg als Kaplan und Pfarrer in Deutschland, ehe er 1992 als Fidei-Donum-Priester in die südafrikanische Diözese Aliwal aufbrach, wo er zunächst als Pfarrer in Sterkspruit und von 2001 bis 2003 als Generalvikar tätig war. An der Südafrika-Universität UNISA vervollständigte er währenddessen seine Studien und promovierte 2001 in Missiologie. Von 2003 bis 2005 gehörte er dem Mitarbeiterstab des „Lumko Institute“ an, dem südafrikanischen Institut für Pastoralfragen in Johannesburg.

Seit 2006 unterrichtet P. Wüstenberg am Priesterseminar in Pretoria, das dem heiligen Pfarrer von Ars, Johannes Vianney, geweiht ist, Pastoraltheologie und Homiletik.

Briefe aus Südafrika
Das Heimatbistum des designierten Bischofs hat in der Vergangenheit immer wieder Briefe veröffentlicht, in denen Wüstenberg seine persönlichen Erlebnisse und Eindrücke schildert.

Sein jüngstes Schreiben ist vom 14. November datiert und gibt unter anderem Einblick in seine bisherige Tätigkeit: „Die Arbeit hier im Seminar ist herausfordernd. Als ich einen der Bischöfe fragte, was er sich denn von der Predigtlehre wünschen würde, sagte er, viele seiner Priester würden die Gemeinden ausschimpfen. Ich sollte den Studenten doch beibringen, wie man besser als so predigen kann. Ein bisschen haben sie wohl verstanden. In der Auswertung schrieben die Studenten unter anderem, dass sie nun verstünden, dass es nicht nur um ihre eigenen Ideen gehe, dass man die Gemeinden nicht dauernd belehren müsse, dass man sich vorbereiten müsse, und dass man einen Gedanken konsequent verfolgen sollte.“

Wüstenberg beschäftigte sich auf Wunsch eines Bischofs mit dem Thema „Priesterausbildung im Zeitalter von AIDS“ und hielt Vorträge. „Ich habe, zusammengefasst, so etwas gesagt wie: Ja, Priester werden ausgebildet in dieser Zeit; sie hören auch was von AIDS. Aber wir haben so viele andere Probleme, von denen Afrika überproportional betroffen ist (Müttersterblichkeit, Kindersterblichkeit, Malaria, Gewalt und Kriminalität), dass es eher wichtig sei, sie sensibel für alle möglichen Probleme zu machen. Die Heiligen haben ja auch nicht erst Workshops über Pest, Lepra, Krebs oder die schlechte Ausbildungssituation von Frauen gemacht, sondern reagiert, wenn sie ein Problem erkannten.“

Angesichts der zahlreichen Kinder, die an der Immunschwäche leiden, erinnerte der designierte deutsche Bischof an die wertvolle Arbeit der Hospize, die sich dieser Kinder annehmen: „In Barkly East wie in Boksburg helfen die Hospize, ihnen eine Zukunft zu ermöglichen. Das sind zwei der Projekte, in die die Spendengelder gehen, die ich erhalte. Ein ganz herzlicher Dank dafür an alle Spender.

‚Weihnachten fängt bei den Armen an‘ – das ist – Gott sei Dank – eine konkrete Erfahrung für sie, aber auch durch sie. Nach dem Sonntagsgottesdienst in einer kleinen Kirche in der Großstadt EI Alto, oberhalb von La Paz, überreichte mir der von unserem Besuch überraschte junge Pfarrer der armen Gemeinde seine Stola als Gastgeschenk. „Leben lebt von Verschwendung“, ging mir durch den Kopf; die Natur macht's uns vor; die Heiligen wissen es eh – und so manche machen da mit.“