Von Gaza nach Aleppo: Eine Ordensfrau geht nach Syrien

Schwester Maria Nazareth "Ich habe meine Oberen gefragt, ob ich nach Syrien gehen kann"

München, (KIN) | 306 klicks

„Wir müssen aus uns herausgehen, um anderen entgegen zu gehen, uns an die Ränder der Existenz zu begeben, als erstes auf unsere Schwestern und Brüder zuzugehen, vor allem auf die Entfernten und Vergessenen.“ Diesen Aufruf von Papst Franziskus nimmt Schwester Maria wörtlich. Die Argentinierin bereitet sich darauf vor, mitten ins Chaos zu gehen: in eine der gefährlichsten Städte Syriens. „Ich gehe nach Aleppo im Norden. Dort werde ich meine beiden Mitschwestern verstärken, die dem dortigen römisch-katholischen Bischof helfen. Außerdem werde ich in einem Studentenwohnheim für christliche Mädchen arbeiten.“ 

Schwester Maria Nazareth strahlt Ruhe und Freude aus, während sie dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" über ihren Plan für den neuen Lebensabschnitt erzählt. Nein, sagt sie, Angst habe sie keine. „Ich vertraue auf Gott und die Jungfrau Maria. Als Ordensleute stehen wir unter ihrem besonderen Schutz. Außerdem begleiten mich die Gebete so vieler Menschen in meinem Orden. Unsere Priester und Schwestern beten besonders für den Nahen Osten. Das spüren wir.“ 

Persönlich bete sie dafür, die nötige Stärke geschenkt zu bekommen, um ihre Mission an einem so schwierigen Ort erfüllen zu können und ihr treu zu bleiben. Denn Illusionen macht sich Schwester Nazareth keine. „Natürlich weiß ich, dass Gefahren bestehen. Es kann etwas passieren. Allein die Reise nach Aleppo ist nicht ungefährlich. Für die 360 Kilometer lange Strecke von Damaskus nach Aleppo braucht man zwölf Stunden, wegen der vielen Kontrollen. Aber zustoßen kann einem überall etwas.“

Gegen ihren Willen werde sie natürlich nicht geschickt. Im Gegenteil. „Ich habe meine Oberen gefragt, ob ich nach Syrien gehen kann, nicht sie mich. Das ist bei uns so üblich. Für schwierige Missionen werden Freiwillige gesucht. Es sind nicht die Oberen, die einen senden, sondern man selbst bittet darum, eine schwierige Mission übernehmen zu dürfen.“

Bevor Schwester Nazareth mit der neuen Aufgabe in Syrien betraut werden konnte, musste sie aber noch eine Hürde nehmen: Ihre Eltern mussten zustimmen. „Das ist eine Bedingung in unserer Gemeinschaft, um an schwierigen Orten eingesetzt werden zu können. Die Oberen wollen nicht gegen den Willen der Familie entscheiden. Ich rief deshalb meine Mutter an. Sie sagte mir: Du bist seit zwanzig Jahren Ordensfrau. Deine Entscheidung ist sicher nicht leicht für uns. Aber wir wissen, dass du glücklich damit bist und es sich um den Willen Gottes für dich handelt. Wir können deshalb nicht ‚nein‘ sagen. Wir beten für dich und sind mit dir."

Diese Worte hat Schwester Maria Nazareth schon einmal von ihrer Mutter gehört. Denn seit knapp vier Jahren arbeitet sie in einer Gegend, die auch als schwierige Mission gelten darf: dem von Israel abgeriegelten und von der islamistischen Hamas regierten Gaza-Streifen. Seit 2010 diente sie in der römisch-katholischen Pfarrei von Gaza-Stadt, die von ihrem Orden betreut wird. "Es fällt mir sehr schwer, von dort wegzugehen. Es war meine erste Verwendung im Nahen Osten. Ich hatte eine wunderbare Zeit dort. Die Menschen von Gaza habe ich sehr lieb gewonnen. Von Anfang an haben sie mich wie in eine Familie aufgenommen. Es war nicht leicht dort, wie man sich vorstellen kann. Die Christen sind im Alltag vielfältigen Schwierigkeiten ausgesetzt. Aber ihr Glaube war mir immer ein Vorbild. Das wird mich jetzt nach Syrien begleiten.“

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Das Hilfswerk „Kirche in Not“ bittet dringend um Spenden für seine Flüchtlingsarbeit rund um Syrien. Online unter www.spendenhut.de oder an:

Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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BLZ: 750 903 00
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Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe Syrien