Von wegen, den gibt es nicht: Exorzist P. Gabriele Amorth berichtet von seinen Erfahrungen

Von Alexander Smoltczyk (Der Spiegel) und Paul Badde (Die Welt) - exklusiv für das VATICAN-magazin

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ROM, 15. Januar (ZENIT.org).- Don Gabriele Amorth wohnt in einem großen Wohnheim für Geistliche, einem Neubau aus den Siebzigern unterhalb der Basilika San Paolo im Ostiense-Viertel. Das Gelände ist der Sitz des Paoliner-Ordens, gegründet, um die frohe Botschaft mit modernster Technik zu verbreiten „Sie haben mich eine Stunde gekostet“, ist sein erster Satz. Der 82-jährige Priester trägt eine Soutane mit den 33 Knöpfen. Sein Schädel ist nahezu kahl, bis auf einige weiße Stoppel. Er trägt eine Bifokalbrille, seine Augen sind graublau und lassen einen nicht los.



Der Raum sieht aus wie eine Teeküche. Er ist zur Hälfte gekachelt, mit Spüle, einem kleinen Altar und in der Mitte einem Tischchen, auf dem, für Seancen, nicht für uns, Plastikbecher und eine Flasche Mineralwasser der Marke „San Benedetto“ stehen. An den Wänden hängen Bilder von Padre Pio, Johannes Paul II. und Amorths Lehrer. Das ganze ähnelt dem Behandlungsraum eines Dritte-Welt-Hospizes. Es ist nichts Unheimliches zu bemerken, keine Schwefelbecken, Peitschen, Streckbänke. Amorth ist promovierter Jurist. Er gründete 1990 die „Internationale Gesellschaft der Exorzisten“, deren Ehrenpräsident er bis heute ist. „Wir waren neun Exorzisten hier in Rom. Einer ist krank, einer ist befördert worden und einer umgezogen.“ Im Vatikan war Padre Davide tätig. Er hat seine Arbeit aufgeben müssen, aus Altersgründen. „Im Vatikan ist seither kein Exorzist mehr tätig. Dafür gibt es satanische Sekten dort. Auch im Vatikan sind satanische Sekten aktiv. Sie sind überall. Man sieht sie nicht. Aber es gibt sie, ci sono.“ Aber woher weiß man das? „Man weiss es. Si sa. Machen Sie weiter.“

Also mache ich weiter. Fragen habe ich genug. Wo die Teufel wirken, will ich wissen. „Der Dämon arbeitet überall. Einmal hat mir die Madonna von Medjugorje gesagt, sobald sich jemand dem Herrn anvertraut, eilt sogleich der Dämon herbei. Der Teufel ist in Fatima, in Lourdes, überall. Und ganz sicherlich ist er im Vatikan, dem Zentrum des Christentums.“

Welche Haltung hat Papst Ratzinger dem Exorzismus gegenüber? „Er ist sehr dafür. Ich habe mehrmals mit ihm gesprochen und er hat mich bei den Audienzen immer sehr ermutigt.“ Es gab also keinen Bruch nach Wojtyla?„Nein, nein, nein, keinerlei Bruch. Allerdings glaube ich nicht, dass er jemals einen Exorzismus durchgeführt hat, anders als Wojtyla.“

Geht die Nachfrage nach Teufelsaustreibungen zurück? „Im Gegenteil. Ich bekomme sehr viel mehr Anfragen als früher. Das liegt am Rückgang des Glaubens. Das hat die Zahl der Hexer ansteigen lassen. Der Kartendeuter, die man inzwischen selbst im Fernsehen sieht. Zwölf Millionen Italiener gehen zum Kartendeuter. Nehmen wir an, dass mindestens acht Millionen zu Hexern gehen, dann heißt das, es gibt in Italien zweifellos mehr Kartendeuter und Hexer als Priester. Die haben den Fuß in der Tür, nicht wir Priester. Die Beichtstühle sind verwaist, und selbst in Wallfahrtsorten wie Santa Maria degli Angeli bei Assisi gibt es keinen Exorzisten.“

Kommen Deutsche zu Ihnen? „In Deutschland gibt es keine Exorzisten. Deswegen schreiben mir so viele Priester und erbitten Hilfe. Aber ich gehe nicht auf sie ein, weil ein Exorzismus nicht eine Angelegenheit von einer Visite ist. Es bedarf Jahre.“ Was ist der Teufel? Nur eine Metapher? „Das ist zweifelsohne schwer zu erklären. Wie soll ich es jemandem erklären, der kein Christ ist und nichts von der Religion versteht, wie einer japanischen TV-Crew? Zu allen Zeiten hatten alle Kulturen einen Begriff vom Geist des Bösen. Sie versuchten sich mit Opfern dagegen zu wappnen, manchmal sogar mit Menschenopfern. Mit Kindern, vor allem kleinen Mädchen. Durch die Offenbarung Gottes wissen wir etwas über die bösen Geister. Wir wissen, dass die Geister des Bösen tatsächlich existieren und zwar als Dämonen. Es waren Engel, die sich gegen Gott erhoben haben und Dämonen geworden sind. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Menschen in die Sünde zu ziehen. Jeder ist ihnen ausgesetzt, Christen wie auch Nichtchristen. Selbst Jesus Christus hat es auf sich genommen, vom Teufel versucht zu werden. Ich werde oft gefragt, ob auch die Madonna von Fatima vom Teufel versucht wurde. Gewiss.“

Selbst Mutter Teresa sei exorziert worden, in ihren letzten Jahren...„Natürlich! Es gibt Heiliggesprochene, die noch auf ihrem Totenbett von Dämonen förmlich überfallen wurden. Ihr Leben lang konnten sie sich zur Wehr setzen, aber am Ende des Lebens nutzt der Dämon die Schwäche aus. Selbst mein Meister, der mich in den Exorzismus eingeführt hat, ist in seinen letzten Lebensmomenten stark von Dämonen heimgesucht worden.“ Das heißt, selbst Sie, Don Gabriele... „Natürlich nicht. Aber Kardinal Poletti hat mich, als er mich zum Exorzisten ernannte, der Madonna empfohlen. Der Dämon hat mir oft gesagt, ich sei zu gut beschützt, bei mir sei nichts zu machen. Nichts Außergewöhnliches. Denn die alltäglichen Versuchungen gibt es natürlich weiterhin.“

Das Böse ist laut katholischer Lehrmeinung der Preis, der für die Freiheit des Menschen zu zahlen ist. Ohne Freiheit gibt es kein Böses... „Ein Geschenk Gottes, gewiss. Sie macht unsere Größe aus. Auch die Engel sind frei geschaffen worden. Natürlich kann die Freiheit gut oder böse verwendet werden. Zum Beispiel sagte mir der Dämon einmal, in der Hölle wimmele es von Frauen, die auf Erden als sehr schön bewundert wurden. Auch Schönheit ist ein Gottesgeschenk und kann zum Guten wie zum Schlechten verwendet werden. Die heilige Chiara von Assisi war eine sehr schöne Frau. Gott schickt niemanden in die Hölle. Es ist allein die Schuld des jeweiligen Menschen, wenn er sich gegen Gott auflehnt oder in Sünde lebt. Er geht auf seien eigenen Beinen in die Hölle.“

Aber wie kann man von Besessenheit sprechen, wenn der Mensch frei ist? „Der Teufel hat die außergewöhnliche Fähigkeit, in manchen Fällen einen Körper zu besetzen. Den Körper, nicht die Seele. Es gibt Menschen, die verschreiben sich Satan, es ist ihr freier Wille.“

Wenn ich einen freien Willen habe, ist es nicht möglich, dass der Dämon mich gegen meinen Willen ergreift? „Doch, es ist möglich. Wenn Sie sich willentlich dem Okkultismus verschreiben. Bei Magiern, Satanisten und so weiter. Dann öffnen Sie sich bereitwillig dem Dämon. Außerdem ist es möglich, dass jemand dich ohne dein Wissen verfluchen lässt. Vielleicht, weil er neidisch ist auf deinen Posten oder deinen Arbeitsplatz ruinieren möchte. Wenn er sich an einen Hexer wendet, der mit Satan im Bunde ist, dann kann er dich verfluchen. Sie werden krank, beispielsweise, und können nicht mehr arbeiten. Wenn sie dagegen in Einklang mit Gott leben, ist es sehr viel schwieriger, sie zu verfluchen. Es gibt auch Magier, die keine Verwünschungen gegen etwas aussprechen, sondern etwas herbeihexen. Man nennt das weiße Magie. Viele Hexer praktizieren keine schwarze Magie, weil sie Angst vor dem Bumerang-Effekt haben. Dass der Fluch nicht ankommt, sondern sich gegen sie selbst wendet. Das ist möglich.“ Es gibt also keinen vollkommenen Schutz gegen Verfluchungen? „Nein. Es gibt keinen perfekten Schutz. Zum Beispiel die heilige Mirjam, eine Karmeliterin, die einzige Araberin unter den Heiligen. Sie war zwei Mal während ihres Lebens besessen vom Dämon. Und brauchte Exorzisten. Es war gewiss nicht ihre Wahl.“

Selbst der Heilige Vater könnte besessen werden? „Theoretisch Ja. Allerdings verfügt der Heilige Vater über einen Trupp von Schutzengeln. Wenn ein Papst natürlich in Todsünde lebt... Aber diesen Fall hat es in der Geschichte nie gegeben. Selbst Alexander VI., der als schlechtester aller Päpste angesehen wird, war der Jungfrau sehr ergeben und hat die meisten seiner Irrtümer vor seiner Ernennung zum Papst begangen. Als Papst hat er keine Dokumente verfasst, die der Lehre zuwiderlaufen. Als Papst war er großenteils korrekt. Aber in Theorie ist das möglich. Wenn Heilige besessen sein können, dann auch der Heilige Vater.“ Wie kann der Teufel jemanden daran hindern, eine Kirche zu betreten? „Die Besessenen sind physisch dazu nicht in der Lage. Der Dämon besetzt den Körper, auch die Stimme, die Intelligenz, auch die Freiheit. Aber nur physisch, nicht spirituell. Er kann die Seele nicht besetzen.“

Aber der Dämon riecht nicht nach Schwefel? „Im Allgemeinen riecht man nichts. Aber manchmal spucken oder speien sie. Auch Dinge. Ich habe hier mehr als zwei Kilo Metallteile, die Menschen ausgespieen haben. So lange Nägel“ – Amorth zeigt eine Fingerlänge –, „Rasierklingen. Diese Dinge materialisieren sich in dem Moment, wo sie aus dem Mund herauskommen. Selbst mit Röntgenstrahlen hätte man sie vorher nicht sehen können.“ Haben Sie das mit eigenen Augen gesehen? „Ja. Zum Beispiel einer, der auch ganz befreit werden konnte, ein großer junger Mann. Er kam gestern vorbei und ich sagte ihm, mit den ganzen Nägeln, die du ausgespuckt hast, könnten wir einen schönen Eisenwarenladen aufmachen.“

Besitzt der Teufel Intelligenz? „Der Dämon ist überaus intelligent. Weil er die Intelligenz der Engel behalten hat. Auch deren Rangordnung übrigens. Wir kennen neun Engelschöre. Die letzten sind die Cherubim und Seraphim, die ersten sind die Erzengel, seit Paulus haben wir diese Rangfolge. Die Engel haben eine sehr starke Hierarchie. Der oberste ist Michael. Und der oberste der Dämonen ist Satanas. Aber unter den Engeln ist es eine Hierarchie der Liebe. Sie lieben sich untereinander, sie lieben Gott. Ihr Ziel ist das Gute, das Ziel der Dämonen dagegen ist das Böse. Wie oft habe ich einen Dämon gefragt: Warum gehst du nicht? Und er antwortete: Weil Satanas es mir verboten hat. Wenn ich gehe, ohne meine Aufgabe erfüllt zu haben, wird Satanas mich bestrafen.“

Wie können Sie denn die Stimme des Dämons hören? „Durch die Stimme der Person. Sie ist meistens unverändert, vielleicht etwas höher als sonst, nur in Ausnahmefällen ist sie rau. Ich behandelte einmal eine Signora, die heute vollkommen geheilt ist. Mit mir waren Priester aus verschiedenen Sprachräumen anwesend. Sie befragten die Frau auf Latein, Deutsch, Arabisch, sogar auf Koreanisch. Die Frau hat immer geantwortet, in ihrer Stimme und auf Italienisch. Sie hat also verstanden.

Es wird gelegentlich von Levitationen erzählt... „Levitationen, ja, ja“, sagt Amorth mit einer Stimme, als sei er gefragt worden, ob es Straßenverkehr gibt. „Die gibt es, selten, aber es gibt sie. ich erinnere mich an einen jungen Bauern, aus meiner Anfangszeit. Wir brauchten sechs Mann, um ihn zu halten. Es war im Februar. Er kam und sagte: I am Lucifer! König der Skorpione und der Schlangen. Und spuckte mir ins Gesicht. Er sprach nur Englisch, obwohl er sonst nur Dialekt sprach, noch nicht einmal richtig Italienisch. Er schwebte ungefähr so hoch...“ Padre Amorth könnte jetzt beeindruckende Flughöhen angeben. Er tut es nicht. „So hoch“, sagt er und hält die Hand eine Flaschenhöhe über den Tisch. „Er rief: Ich werde am 21. Juli gehen. Das wäre sehr kurz gewesen. Man braucht normalerweise Jahre und Jahre der Behandlung. Bei drei bis vier Jahren bin ich schon zufrieden. Ich hatte Fälle von sechzehn, achtzehn Jahren. Manche sind auchdann nicht vollständig erlöst, sondern kommen noch zwei Mal im Jahr. Sie können aber ihr Leben weiterführen, manchmal gibt es kleinere Störungen, aber sonst...

Bei einer anderen Signora sagte mir der Dämon, er würde am 8. Dezember verschwinden, dem Fest der Madonna. Wir hatten eine sehr lange Sitzung am 8. Dezember, fünfeinhalb Stunden lang, und alles schien vorbei zu sein. Alle lagen sich in den Armen. Aber eine Woche später war wieder alles wie vorher. Ich fragte den Dämon: Warum hast du mir das falsche Datum genannt? Er antwortete“ – Don Gabriele macht eine hohe Stimme nach –: „Ich habe dich reingelegt. Weißt Du nicht, dass ich von Natur aus ein Lügner bin? Hat man dir nie beigebracht, dass ich nicht die Wahrheit sage? Ich stand da wie ein Dummkopf.“

Gibt es das Böse in der Politik? „Sehr häufig! Der Dämon bemächtigt sich mit Vorliebe derer, die große Verantwortung tragen, Industrieller, Politiker. Am liebsten hat er die Priester. Wenn ein Priester der Sünde verfällt, hat das einen Dominoeffekt. Hitler und Stalin waren mit Gewissheit besessen vom Dämon.“ Woher wollen Sie das wissen? „Sie haben Millionen umgebracht. Im Evangelium heißt es: An den Früchten erkennst du die Pflanze.“ Hätte ein Exorzist da helfen können? „Es hätte nichts genutzt, weil Hitler und Stalin sich völlig über ihr Tun klar waren. Es war keine Besessenheit im eigentlichen Sinne, sondern ein ständiges Befolgen der Einflüsterungen des Dämons. Ich würde es eine Vexation nennen.“

Warum ist es wichtig, den Dämon während einer Behandlung bei seinem Namen zu rufen? „Das ist das erste, was ich den Dämon frage:Wie heißt du? Oft will er es nicht sagen.Man braucht mehrer Sitzungen. Denn sobald er seinen Namen nennt, ist er schon angreifbarer.“ Welche Namen hat der Dämon? „Es gibt natürlich die Fachbegriffe aus der Bibel, Satanas, Beelzebub, das sind die mächtigsten. Es gibt andere, die nicht aus der Bibel kommen, sondern aus anderer Tradition. Luzifer etwa kommt in der Bibel nicht vor. Zebulon, in der Bibel der Name eines der zwölf Stämme Israels. Hier ist es auch der Name eines Dämons. Es gibt die unterschiedlichsten Namen.“

Was fragen Sie den Dämon? „Man darf nie idiotische Fragen stellen, etwa ob Roma gegen Lazio gewinnt und so weiter. Man stellt nur Fragen, die unmittelbar mit der Heilung zu tun haben. Also zuerst den Namen, dann den Tag des Eintritts, den Grund dafür, wer ihn geschickt hat, ob es eine Person war, die sich Satan verschrieben hat, ob es ein Fluch war. In neunzig Prozent der Fälle von Besessenheit war eine Verwünschung die Ursache. Der Rest geht auf Satanssekten, Teilnahme an einer spiritistischen Sitzung oder Magie zurück.

Zu den Flüchen will ich mehr wissen. „Es gibt Fälle, in denen jemand schon vor seiner Geburt verflucht worden ist“, erläutert Amorth. „Die Flüche können später wieder aufgeladen werden, so dass sie zu großen Erkrankungen führen können. Eine Siebzehnjährige kam zu mir, der von bedeutenden psychiatrischen Kliniken nicht geholfen werden konnte. Es war kein psychisches Leiden, sondern ein Fluch. Ich sage allen, sie sollen zuerst die Ärzte und Psychologen um Rat fragen. Denn in den allermeisten Fällen gibt es psychische oder physische Ursachen, natürliche Ursachen wie Schizophrenie, Hysterie... Oft sind es Psychiater, die mir ihre Patienten schicken. Nur wenn keine Therapie und keine Medizin mehr hilft, wenn das Übel nur noch stärker wird, sollen sie kommen. Ehrlich gesagt sind auch das nicht immer Fälle von Verfluchungen, sondern natürliche Krankheiten, für die die Medizin noch keine wirksame Behandlung gefunden hat.“ Es gibt also keine Konkurrenz zwischen Psychiater und Exorzist? „Nein, es sind unterschiedliche Symptome. Wir arbeiten zusammen. Der Psychiater sagt, ob es sich um Symptome einer psychischen Krankheit handelt. Der Exorzist sagt, ob es sich um spezifische Symptome eines Fluchs handelt. Er kann unterscheiden, ob es sich um geweihtes oder nicht geweihtes Wasser handelt, ob ein Bild gesegnet oder verflucht worden ist.Denn man kann auch Gegenstände verfluchen.“

Nehmen wir mich als Beispiel, sage ich. Könnten Sie bestimmen, ob ich verflucht bin? „Ja, es dauert nur wenige Minuten, nur ein einfaches Gebet.“ Kalt und schwer wie Marmor liegt die Greisenhand auf der Stirn. Amorth spricht ein lateinisches Gebet. Ein Verfluchter müsste jetzt auf die Knie fallen.

Wo arbeiten Sie? „Man hat mir verboten, hier Exorzismen durchzuführen, weil ich den Leuten zu laut bin. Die Schreie stören. Sie befürchten, dass die Leute es mit der Angst zu tun bekommen. Also benutze ich jetzt ein Gebäude der Benediktiner in der Via Baldelli, bei der San Paolo-Gemeinde, das ist etwas abgelegener. Der dortige Priester ist mir dankbar. Die Schreie würden seine Mönchsbrüder immer an die Existenz der Dämonen erinnern, sagt er. Früher hat man die Exorzismen öffentlich durchgeführt, jetzt ist es den Priestern unangenehm, sie machen sie unter größter Geheimhaltung. Das ist ein Irrtum. Für meine starken Exorzismen habe ich jetzt eine Kirche in der Via Emmanuele Filiberti, die nach der Morgenmesse schließt und am Nachmittag erst wieder öffnet. Dienstag und Freitag habe ich dort die schweren Fälle. Dort habe ich fünf, sechs Helfer. Das ist für die Leute, die schreien und gewalttätig werden. Also mache ich hier nur Exorzismen mit Leuten, die nicht brüllen und nicht wild werden, um nicht zu stören.“

Wie viele Patienten haben Sie? „Ich bin der einzige Exorzist, der sieben Tage die Woche arbeitet, einschließlich Heiligabend und Ostern, von morgens bis nachmittags. Ich habe in 21 Jahren bisher über siebzigtausend Exorzismen durchgeführt. Als ich jünger war, im Schnitt fünfzehn, sechzehn Exorzismen am Tag. Jetzt habe ich ein wenig nachgelassen. Sehen Sie meinen Terminkalender. Alles ist voll. Ich müsste Fälle einmal die Woche sehen, und kann sie nur einmal im Monat empfangen.“ Haben Sie die Fähigkeit, eine Besessenheit sofort zu spüren? „Nein, jeder Fall ist eigen. Es gibt keine gleichen Fälle – ich fühle mich jedes Mal wie ein Anfänger. Natürlich habe ich mehr Erfahrung als andere. Ich empfehle mich jedes Mal dem heiligen Geist als nützlicher Diener.“

Was hilft gegen die Dämonen? „Das beste Mittel ist: Messe, mindestens am Sonntag einschließlich Kommunion, und möglichst täglich einen Besuch in der Kirche. Wenn jemand in Sünde lebt oder abgetrieben hat, dann sage ich ihm: Bekehre dich, beichte erst einmal. Man kann keinen Exorzismus mit Leuten machen, die in der Sünde leben.“

Was ist eigentlich in Ihren Kollegen Bischof Milingo gefahren? „Ach, ein so guter Freund... Wir beten alle für ihn. Wir haben so oft zusammengearbeitet. Ich glaube, er ist hereingelegt worden, eine Art von Hypnose. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das alles bei vollem Bewusstsein getan hat. Man kann einmal fehlen und zurückgeworfen sein, aber ein zweites Mal... Er hat sich immer mehr als Afrikaner statt als Christ gefühlt. Daher die Idee, eine Gruppe verheirateter Priester zu gründen. Denn in Afrika ist die Keuschheit sehr schwer zu leben. Weil sie daran gewöhnt sind, das Gebot nicht einzuhalten. Auch nachdem er von seiner Flucht zurückgekehrt war, blieb Milingo ständig in Kontakt mit Moon, hat sogar Exorzismen mit ihm gemacht. Moon ist sehr reich, er hat den Wahlkampf von Bush mitfinanziert. Milingo wollte das Geld haben für Sozialarbeit in Afrika, er wollte Krankenhäuser bauen.“

Ist Milingo besessen? „Nein, er ist nicht besessen.“ Und Bush? Er ist bereit, einen zweiten Krieg im Mittleren Osten anzufangen. „Johannes Paul II. hat ihm gesagt, er solle diesen Krieg nicht beginnen. Ich begreife nicht, wie die Amerikaner ihn wiederwählen konnten. Ein sehr, sehr, sehr schlechter Präsident.“

VATICANmagazin Heft 1 2008]