Vor 14 Tagen wurde Shahbaz Bhatti in Pakistan ermordet

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ROM, 15. März 2011 (ZENIT.org).- Die Lage ist angespannt in Pakistan nach dem Mord an dem Minister für religiöse Minderheiten, Shahbaz Bhatti: mehrheitlich von Christen bewohnte Stadtviertel werden bewacht. Veranlasst wurden diese Schutzmaßnahmen für christliche Siedlungen von der Regierung, die jeder Art von Zwischenfällen vorbeugen will.

Papst Benedikt XVI. hat Ende letzter Woche pakistanischen Priestern gegenüber seine Sorge über die Lage in Pakistan geäußert. "Er hat uns seine Solidarität und zum Ausdruck gebracht und uns seiner Unterstützung und seines Gebets versichert", so der pakistanische Priester Shahzad Niamat aus der Diözese Multan gegenüber dem Fidesdienst. Er hatte selber einige Minuten mit dem Papst gesprochen.

„Wir haben dem Papst für seine Worte und seine jüngsten Stellungnahmen zum Tod des Ministers Bhatti, zur Causa Asia Bibi und zum Blasphemieparagraphen gedankt. Der Papst betonte, er hoffe, dass sich etwas ändern werde und dass in Pakistan die Menschenrechte und die Religionsfreiheit in vollem Umfang geachtet werden. Am Schluss erteilte er uns seinen Segen", so Pfarrer Niamat, der im Namen aller katholischen Priester, Ordensleuten, Seminaristen und Laien und des Vereins der pakistanischen Christen in Italien gesprochen hatte, zum Fidesdienst.

In Pakistan hat die Regierung unterdessen auch Treffen mit christlichen und muslimischen Religionsführern organisiert. Sie bat die muslimischen Verantwortlichen, Spannungen nicht zu schüren, von Kundgebungen abzusehen und damit zur Sicherheit beizutragen. Der Premierminister der Provinz Punjab, Shahbaz Sharif, gab unterdessen offiziell bekannt, dass in Kushpur, dem Geburtsort des Katholiken Bhatti in der Diözese Faisalabad, verschiedene Straßen und öffentliche Plätze den Namen des ermordeten Ministers tragen werden. Auch der Minister für Menschenrechte und Minderheitenfragen der Provinz, Kamran Michael, bezeichnete Shahbaz Bhatti als einen „Botschafter des Friedens" und forderte die pakistanische Regierung auf, dies entsprechend zu würdigen.

Der Vorsitzende des „Pakistan Ulema Council", Allama Mohammad Tahir Ashrafi, unterstützt die Position der Regierung und erklärt, dass „ein Mord der Lehre des Propheten widerspricht". Auch das Parlament würdigte unterdessen die Tätigkeit des Ministers und verurteilt den Mord. In diesem Zusammenhang wird auch der Rücktritt des Innenministers Rehman Malik gefordert, der keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen veranlasst hatte.

Der Innenminister wies diesen Vorwurf von sich und legte einen ersten Bericht zum Tathergang vor, wobei er mitteilte, dass die Polizei bereits verschiedene Verdächtige festgenommen habe. Den Mord bezeichnete er als „geplantes Attentat".

Der Minister, der die Nacht oft im Haus seiner Mutter verbrachte, war oft ohne Leibwache unterwegs. Nachdem erst Anfang des Jahres der Gouverneur Taseer von einem Mann seiner Leibwache ermordet worden war, hatte er möglicherweise kein Vertrauen mehr in das Personal.

Beobachter aus Pakistan betonten im Gespräch mit dem Fidesdienst: „Die islamischen Parteien, die heute die Tätigkeit des ermordeten Ministers würdigen, sind dieselben, die noch vor kurzem einen Antrag auf eine Revision des Blasphemiegesetzes oder die Einrichtung eines parlamentarischen Ausschusses abgelehnt haben. Es sind genau die Parteien, die Bhatti stets an seinem Engagement für die Minderheiten gehindert haben."

Plätze und Straßen, die in das Dorf Kushpur in der Provinz Punjab führen, werden nach Shahbaz Bhatti benannt werden; der pakistanische Staatspräsident Ali Zardari wird dem ermordeten Minderheitenminister Bhatti voraussichtlich auf Anregung der Regierung unter Premierminister Gilani die „Hilal-e-Shuja'at"-Auszeichung verleihen, mit der Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich „in den Dienst der Nation gestellt haben".

Dies wurde vom pakistanischen Premierminister Reza Gilani durch die Anregung der Verleihung einer besonderen Ehrung, der Hilal-e-Shuja'at"-Auszeichnung, die zu den angesehensten des Landes gehört, bereits in die Praxis umgesetzt.

Unterdessen organisieren christliche Gemeinden weiterhin Gebetswachen und Gedenkfeiern zur Erinnerung an den ermordeten Minister Bhatti. Gestern fand in der Kirche von der Hl. Dreifaltigkeit in Karachi ein Gebetstreffen statt, an dem zahlreiche Religionsvertreter und zivile Autoritäten teilnahmen und in deren Rahmen der ermordete Minister wiederholt als „Märtyrer" bezeichnet wurde.

Außerdem nahmen an einer interreligiösen Gedenkfeier für Bhatti, die gestern in Lahore stattfand, neben christlichen Religionsführern auch zahlreiche Menschenrechtsaktivisten und muslimische Religionsvertreter teil, darunter auch Mullah Abdul Khabeer Azad von der Badshahi-Moschee.