„Vor allem ist es ihm gelungen, die Ortschristen zu stärken“

Erzbischof Zollitsch lobt den bisherigen Verlauf der Pilgerreise des Papstes

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BETHLEHEM, 13. Mai 2009 (ZENIT.org/dbk.org).- „Der Heilige Vater hat deutlich gemacht, dass er für alle Menschen hierher gekommen ist“, erklärte heute der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, in einer ersten Analyse des bisherigen Besuchs von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land. Er begleitet Papst Benedikt XVI. bei dessen Pilgerreise durch die Heimat Jesu.

„In Jordanien, Israel und den Palästinensischen Gebieten hat er sich sehr willkommen fühlen dürfen. Vor allem ist es ihm gelungen, die Ortschristen zu stärken. Sie fühlen sich durch seine Worte ermutigt, weiterhin am Aufbau der Zivilgesellschaft mitzuwirken. Die mahnenden Aussagen von Benedikt XVI. gegen den schleichenden Christenexodus kamen zu richtigen Zeit“, so Zollitsch.

Ein besonderes Beispiel zivilgesellschaftlichen Engagement der katholischen Kirche sei das Caritas-Babyhospital, so Zollitsch. Als Protektor der Kinderhilfe Bethlehem, die das Krankenhaus unterhält, konnte Zollitsch gemeinsam mit dem Baseler Bischof Kurz Koch den Papst begrüßen.

„An diesem Ort finden Kinder medizinische Hilfe und ihren Müttern wird etwas von der erdrückenden Last und Sorge des Alltags genommen. Zugleich hat dieser Ort hohen symbolischen Wert“, erklärte Zollitsch gegenüber Benedikt XVI. „Über 50 Jahre nach der Gründung ist nicht nur das Hospital selbst, sondern auch seine Unterstützung ein lebendiges und verbindendes Zeichen unseres christlichen Glaubens. Die Kinderhilfe Bethlehem ist das einzige Hilfswerk mit einem multinationalen Vorstand. Dies ist ein klares Zeichen, dass Christen in Europa Hand in Hand, über Grenzen hinweg, den Kindern am Geburtsort Jesu helfen wollen.“

In Europa trage man gern bei zu einem Glaubenszeugnis „in einer Atmosphäre von Verzweiflung und Misstrauen. Das Caritas-Babyhospital ist einzigartig in seiner Sorge um Kinder, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion, und lässt so den Samen des christlichen Glaubens am Geburtsort Jesu wachsen“.

Die bisherige Reise in die Region habe gezeigt, wie sehr dem Papst an einer baldigen friedlichen Lösung des Nahostkonflikts gelegen sei, betonte Erzbischof Zollitsch. „Seine eindeutigen Aussagen gegenüber Staatspräsident Shimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas für eine Zweistaatenlösung lässt keinen Zweifel an der internationalen Haltung des Heiligen Stuhls. Ich habe es als wichtiges Zeichen empfunden, dass Papst Benedikt XVI. an verschiedenen Stellen das Flüchtlingselend der Region angesprochen hat. Gerade die irakischen Flüchtlinge in Jordanien bedürfen der besonderen Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft.“

Die Heilig-Land-Reise habe auch wichtige Impulse für den Dialog der Religionen gesetzt. So sei die Rede in der Hussein-Moschee von Amman in der islamisch-arabischen Staatenwelt positiv aufgenommen worden. „Der Besuch in Yad Vashem und die damit verbundene Erinnerung an die Opfer des Holocaust, deren Erinnerung niemals ausgelöscht werden darf, waren beeindruckende Zeichen und Worte, die gezeigt haben, wie sehr dem Heiligen Vater unsere ‚älteren Brüder‘ am Herzen liegen. Die klare Distanzierung von jeder Form des Antisemitismus gleich zu Beginn des Aufenthaltes in Israel lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sich dieser Papst auch weiterhin gegen jede Form einer Leugnung oder Relativierung des Holocaust unermüdlich einsetzen wird.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz trifft heute Abend unter anderem mit der palästinensischen Ministerin für Frauen, Schule und Tourismus, Koulod Daibes, sowie der Direktorin der Caritas Nahost, Claudette Habseh zusammen. Für Donnerstag ist ein offizieller Besuch von Erzbischof Zollitsch in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem vorgesehen.