Vor dreißig Jahren veröffentlicht: "Salvifici doloris"

Apostolisches Schreiben von Johannes Paul II.

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 248 klicks

Vor 30 Jahren, am 11. Februar 1984, wurde das apostolische Schreiben „Salvifici Doloris“ von Johannes Paul II. veröffentlicht. Der Text, der sich mit dem Leiden der Menschen, seinem Sinn und der Rolle der Kirche auseinandersetzt, ist heute noch so aktuell wie zum Zeitpunkt seiner Erstveröffentlichung.

Johannes Paul II. unterstreicht die Verantwortung der Kirche, die den Menschen in ihrem Leiden beistehen müsse; es sei eine ihre wichtigsten Herausforderungen, die leidenden Menschen zu suchen: „Wenn also der Mensch während seines irdischen Lebens in der einen oder anderen Weise auf dem Weg des Leidens geht, müsste die Kirche zu allen Zeiten – und vielleicht ganz besonders im Jahr der Erlösung – dem Menschen gerade auf diesem Weg begegnen. Die Kirche, die aus dem Geheimnis der Erlösung im Kreuz Christi geboren wird, ‚muss die Begegnung‘ mit dem Menschen vor allem auf dem Weg seines Leidens ‚suchen‘. Bei dieser Begegnung wird der Mensch ‚der Weg der Kirche‘; und dieser Weg gehört zu ihren bedeutendsten Wegen.“

Das Leid wird immer als ein Fehlen des Guten gedeutet und in Beziehung zum Übel gesetzt: „Im christlichen Denken wird also die Wirklichkeit des Leidens durch das Übel erklärt, das in irgendeiner Weise immer auf ein Gut bezogen ist.“

Eine Frage, die sich alle Menschen stellen, ist die nach dem Warum. Zu ergründen, weshalb einigen Menschen ein persönliches Leid widerfährt oder aber ganze Regionen von Katastrophen oder Kriegen überzogen werden, ist eine Dauerfrage, die die Menschen zu ergründen versuchen. Johannes Paul II. verweist in diesem Zusammenhang auf die Offenbarung: „Um aber die richtige Antwort auf das ‚Warum‘ des Leidens finden zu können, müssen wir auf die Offenbarung der göttlichen Liebe schauen, die tiefste Quelle für den Sinn von allem, was ist. Die Liebe ist auch die reichste Quelle für den Sinn des Leidens, das immer ein Geheimnis bleiben wird: Wir sind uns bewusst, wie unzureichend und unangemessen unsere Erklärungen sind. Christus lässt uns jedoch in das Geheimnis eindringen und das ‚Warum‘ des Leidens entdecken in dem Maße, wie wir fähig sind, die Tiefe der göttlichen Liebe zu erfassen.

Dies ist ein äußerst wichtiger Aspekt des Leidens. Er ist in der gesamten Offenbarung des Alten und besonders des Neuen Bundes tief verwurzelt. Das Leiden soll der ‚Bekehrung‘ dienen, das heißt, der ‚Wiederherstellung des Guten‘ im Menschen, der in diesem Ruf zur Buße die göttliche Barmherzigkeit erkennen kann. Die Buße hat zum Ziel, das Böse zu überwinden, das unter verschiedenen Formen im Menschen steckt, und das Gute in ihm selbst wie auch in den Beziehungen zu den Mitmenschen und vor allem zu Gott zu festigen.“ Wesentliche Aspekte sind demnach die Wiederherstellung des Guten und die Umkehr durch Buße.

Johannes Paul II. geht anhand der Figur Jesu Christi nicht nur der Frage nach dem Warum nach, sondern erläutert auch „die höchst mögliche Antwort auf diese Frage“: „Christus leidet freiwillig, und er leidet unschuldig. Er greift in seinem Leiden jene Frage auf, die – von den Menschen immer wieder gestellt – in geradezu radikaler Weise vom Buch Ijob aufgeworfen wird. Doch Christus stellt nicht nur wiederum diese Frage (und das auf noch radikalere Weise, weil er ja nicht nur ein Mensch wie Ijob, sondern der eingeborene Sohn Gottes ist), sondern er gibt auch ‚die höchst mögliche Antwort auf diese Frage‘. Die Antwort ergibt sich sozusagen aus der Frage selbst. Christus gibt die Antwort auf die Frage nach dem Leiden und nach dem Sinn des Leidens nicht nur in seiner Lehre, in der Frohen Botschaft, sondern vor allem durch sein eigenes Leiden, das mit der Lehre der Frohen Botschaft organisch und untrennbar verbunden ist. Dieses Leiden ist ‚das letzte, zusammenfassende Wort dieser Lehre‘: ‚das Wort vom Kreuz‘, wie der hl. Paulus einmal sagen wird.“

Abschließend fasst Johannes Paul II. zusammen: „Er (der Sinn des Leidens, Anm. d. R.) ist ‚übernatürlich‘, weil er im göttlichen Geheimnis der Erlösung der Welt wurzelt, und ist andererseits zutiefst ‚menschlich‘, weil der Mensch in ihm sich selbst, sein Menschsein, seine Würde, seine Sendung wiederfindet. ... Wir wollen dieses Jahr der Erlösung in besonderer Verbundenheit mit allen Leidenden leben. Darum sollen unter dem Kreuz auf dem Kalvarienberg in geistiger Weise alle Leidenden zusammenkommen, die an Christus glauben, vor allem jene, die gerade wegen ihres Glaubens an den Gekreuzigten und Auferstandenen zu leiden haben: Das Opfer ihrer Leiden soll uns der Erfüllung der Gebete des Heilands für die Einheit aller (102) näher bringen. Dorthin sollen alle Menschen guten Willens kommen; denn am Kreuz hängt der ‚Erlöser des Menschen‘, der Mann der Schmerzen, der die leiblichen und moralischen Leiden der Menschen aller Zeiten auf sich genommen hat, damit sie ‚in der Liebe‘ den heilbringenden Sinn ihres Schmerzes und gültige Antworten auf alle ihre Fragen finden können.“