Vorbereitende Katechese zum Weltjugendtag 2011 in Madrid

Weihe der Jugendlichen der Welt dem Herzen Jesu

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MADRID, Donnerstag, 14. Juli 2011 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. wird die Jugendlichen der Welt am Samstag, dem 20. August 2011, auf dem Flughafengelände Cuatro Vientos von Madrid bei einer Gebetsvigil dem heiligsten Herzen Jesu weihen. Zu diesem Anlass haben die Organisatoren des Weltjugendtages eine Katechese erarbeitet mit dem Ziel, den Jugendlichen zu helfen, sich auf die Weihe der Jugendlichen der Welt dem Herzen Jesu vorzubereiten.

Sie erklären:

„Die Katechese ist aus drei Teilen aufgebaut. Der erste besteht darin, sich der Botschaft des Papstes für den WJT aus der Perspektive des Herzens Jesu anzunähern. Der zweite besteht darin, einen kurzen Exkurs in die Geschichte der Verehrung des Herzens Jesu zu unternehmen. Und im dritten Teil wird der Sinn der Weihe der Jugend dem Herzen Jesu erklärt.

I. „Vom Herzen des Menschen zum Herzen Gottes”

1. Wenn wir in die Tiefen unseres Herzens eintreten, finden wir alle den gleichen Wunsch: glücklich sein zu wollen. Aber wir fragen uns: Wo und wie kann man Glück finden? Die Erfahrung sagt uns, dass sich das Glück des Menschen nur dadurch einstellen kann, wenn seine Sehnsucht nach dem Unendlichen gestillt wird. Wie der Papst in seiner Botschaft sagt: „Der Mensch ist zum wirklich Großen, für das Unendliche geschaffen“ (Benedikt XVI., Botschaft zum WJT 2011 in Madrid).

Wir müssen einen Schritt weiter gehen. Dieser Wunsch des Menschen nach dem Unendlichen ist gleich mit dem Wunsch, von der Liebe Gottes geliebt zu werden, die keine Limits kennt. Antwort auf diese Frage gibt uns die Erscheinung von Gott als: „Gott ist Liebe“. Er hat sich als genau diese unerschöpfliche, unendliche, persönliche und barmherzige Liebe gezeigt, die auf eine einfache Art auf die Sehnsüchte im Herzen aller Menschen nach Glück antwortet. Aus diesem Grund sagt uns der Papst: „Gott ist die Quelle unseres Lebens, ihn zu entfernen, käme gleich, sich von dieser Quelle zu trennen und so unvermeidbar auf die Fülle und die Freude zu verzichten: „Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts“ (2. Vatik. Konzil, „Gaudium et Spes”, 36) (Botschaft des WJT). Das können wir in den vielen Experimenten und Versuchen sehen, die es in unserer Gesellschaft gegeben hat, um fernab von Gott ein „Paradies auf Erden“ zu errichten.

2. Das Problem des Herzens des Menschen löst sich nur vollständig in der Begegnung mit dem Herzen Gottes. Diesbezüglich sagt der Heilige Augustinus: „Du hast uns, Gott, auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir“. Die Unruhe, von der der Heilige aus Hippo spricht, bezieht sich auf die Schwierigkeit, aufgrund unserer menschlichen Beschaffenheit die Liebe „erreichen“ zu wollen; wir sind begrenzt und darüber hinaus sind wir Sünder. Wieder und wieder stolpern wir über den ‚Stein unseres Egoismus‘ und das Durcheinander unserer Leidenschaften, was es uns unmöglich macht, diese Liebe zu erreichen.  Das Herz des Menschen brauchte ein Herz, das auf seinem „Niveau“ und andererseits allmächtig ist, ihn aus seiner Endlichkeit und seiner Sünde heraus zu holen. Gott hat mit Jesus Christus jemanden zur Begegnung mit den Menschen geschickt, der uns mit einem „menschlichen Herzen“ geliebt hat. In der Begegnung des Herzens des Menschen mit dem Herzen Gottes hat sich das Geheimnis der Erlösung vollzogen: „Denn aus dem unendlichen Horizont seiner Liebe heraus wollte Gott in die Grenzen der Geschichte und des Menschseins eintreten; er nahm Leib und Herz an, so dass wir das Unendliche im Endlichen betrachten und ihm begegnen können, dem unsichtbaren und unaussprechlichen Geheimnis des menschlichen Herzens Jesu, des Nazareners.“ (Benedikt XVI., Angelus am 1. Juni 2008).

3. Die definitive Enthüllung dieser Liebe hat er uns am Kreuz gezeigt. Die Liebe, die Gott für uns hat, ist mit der Hingabe Seines Lebens an ihre Grenze gekommen. Das offene Herz Jesu am Kreuz als Folge des Schwerthiebs des Soldaten ist der deutlichste Ausdruck dafür, wie und wie sehr uns Gott liebt. Der Papst sagt in seiner Botschaft „Aus dem offenen Herzen Jesu am Kreuz ist göttliches Leben geflossen“ (Botschaft des WJT). So – am Kreuz – verwandelt Jesus unser „Herz aus Stein”, das durch die Sünde verletzt ist, in ein „Herz aus Fleisch“, wie das Seine: Er gibt uns Seine Liebe und macht uns fähig, an Seiner Stelle und mit Seiner eigenen Liebe zu lieben.

4. Aus dem auferstandenen und lebendigen Herzen Jesu fließt die Quelle, aus der der Mensch trinken soll, um seinen unendlichen Durst, zu lieben und geliebt zu werden, zu stillen. Es ist deswegen diese persönliche Begegnung „von Herz zu Herz“, in der der Mensch erfährt „verwurzelt in Christus und auf IHN gegründet, fest im Glauben“ (Kol 2,7 ) zu sein. Die Heiligkeit besteht darin, ganz in die Strömung dieser Liebe einzutreten, die aus dem Herzen Jesu fließt. „Das Motto von Kardinal Newman „Cor ad cor loquitur - das Herz spricht zum Herzen“ gibt uns einen Einblick in sein Verständnis des christlichen Lebens als Berufung zur Heiligkeit, die als der sehnliche Wunsch des menschlichen Herzens erfahren wird, in innige Gemeinschaft mit dem Herzen Gottes zu gelangen. (Benedikt XVI., Predigt zur Seligsprechung von Kardinal Newman).

II.  „Sieh das Herz, das die Menschen so sehr geliebt”

Die Kirche hat über die Jahrhunderte hinweg die Bedeutung der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesus vertieft. Viele Männer und Frauen haben in der Betrachtung dieses Bildes einen gültigen Weg eingeschlafen, sich ganz und gar mit Christus zu identifizieren, um dieses Ziel der Heiligkeit zu erreichen.

Unter diesen Heiligen muss Santa Margarita Maria von Alacoque (1647-1690) hervorgehoben werden; Ordensfrau im Orden der „Heimsuchung Mariens“ in Paray-le-Monial. Ihr zeigt sich Jesus in der Eucharistie, ihr das Geheimnis seines Herzens enthüllend: „Sieh das Herz, das die Menschen so sehr geliebt und das nichts weiter als Undankbarkeit und Schande erfährt“. Ihr ganzes Leben lang hat die heilige Margarita gelehrt, das Herz Jesu zu lieben, begleitete es in der Heiligen Stunde der  Eucharistie, in der Weihe an Ihn und im Vollbringen kleiner Liebesdienste als Wiedergutmachung der Sünden. Es floss auch in das ein, was sie an jeden ersten Freitag im Monat praktizierte: Beichte und Kommunion für die Sühne der Sünden. Sie wurde 1864 vom seligen Pius XVI. selig und 1920 von Benedikt XV. heilig gesprochen. Ihr Jahrestag wird am 16. Oktober gefeiert.

Zusammen mit dieser Heiligen muss auch der Heilige Claudius von Colombière S.J. (1641-1682) hervorgehoben werden. Er war Spiritual der Heiligen Margarita Maria. Es wurde sein Auftrag, die Botschaft der Liebe des Herzens Jesu an den entferntesten Orten bekannt zu machen. Ihm ist es zu verdanken, dass sich der Jesuitenorden die Verbreitung der Verehrung des Herzens Jesu zur Aufgabe gemacht hat.

Das Echo dieser Enthüllungen im Leben der Kirche war so groß, dass der Selige Pius IX. im Jahre 1856 für die gesamte Kirche das Fest des Heiligsten Herzens Jesu verkündete und Papst Leo XIII. im Jahre 1899 die gesamte Menschheit dem Heiligsten Herzen weihte. Hunderte von Ordensgemeinschaften, die sich der Erziehung von Jugendlichen, der Pflege von Alten und Kranken oder der Mission widmeten, wurden in dieser Zeit geboren, angesteckt von der Spiritualität des Herzens Jesu. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben die Pontifexe immer wieder eingeladen, sich an das Heiligste Herz als „der hauptsächliche Mittler und das Sinnbild der Liebe, mit der der göttliche Erlöser unerlässlich den ewigen Vater und alle Menschen liebt“ zu wenden (Pius XII.,  „Haurietis Aquas”). 

Die Betrachtung des Herzens Jesu heute bereichert die Kirche mit neuen Wegen der Heiligkeit und zeigt sich den Menschen unserer Zeit, die der göttlichen Barmherzigkeit bedürfen, wie ein Bote der Hoffnung, damit „auf den Ruinen, die der Hass und die Gewalt hinterlassen haben, eine Zivilisation der Liebe wächst, ein Reich des Herzens Christi (Johannes Paul II., Botschaft an den Generaloberen der Gemeinschaft Jeus, P. Peter Hans Kolvenbach, 5. Oktober 1986).

III. Die Weihe zum Herzen Jesu um „in IHM verwurzelt und auf IHN gegründet, fest im Glauben” zu bleiben (Kol 2, 7)

Die Weihe dem Herzen Jesu ist ein Akt, mit dem die Jugendlichen der Welt, den Papst an ihrer Spitze, den vertrauenden Blick auf Jesus Christus richten können und ihnen zu helfen „in Ihm verwurzelt und auf Ihn gegründet, fest im Glauben“ (Kol 2,7) zu leben.

Es geht darum, die Erfahrung des geliebten Jüngers wieder zu beleben, der das offene Herz Jesu am Kreuz betrachtet, an seine Liebe glaubt und sich in seinen Zeugen verwandelt. “Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr.” (Joh 19, 35).

Es ist also ein Akt des Glaubens. Indem wir dem Herzen Jesu geweiht werden, lädt uns der Heilige Vater ein, unseren Glauben zu bekennen „Wir glauben fest daran, dass Jesus Christus sich am Kreuz hingegeben hat, um uns Seine Liebe zu schenken; in Seinem Leiden hat er unser Leid getragen, unsere Sünden auf sich genommen, uns Vergebung erlangt und mit Gott, dem Vater versöhnt; uns den Weg zum ewigen Leben geöffnet“ (Botschaft des WJT).Dieses Bekenntnis machen wir nicht nur aufgrund der Kenntnis von Wahrheiten, sondern als Frucht der persönlichen Beziehung zu Christus, die sich auf das Vertrauen in die Liebe seines Herzens gründet. Außerdem machen wir dieses Bekenntnis des Glaubens vereint mit dem Papst, den Bischöfen und Priestern seiner Kirche, was bedeutet, dass unser „persönlicher Glaube an Christus mit dem der Kirche verbunden ist“  (Botschaft des WJT). Es ist im „Herzen der Kirche“, wo wir den Herzschlag des Herzens Christi erfahren können.

An zweiter Stelle ist es auch ein Akt der Hoffnung. Wir weihen uns nicht nur jeder seinem Herzen, sondern der Papst vertraut uns „Jugendliche der Welt“ auch dem Heiligsten Herzen Jesu an. In den Jugendlichen von heute ist die Hoffnung der Zukunft der Kirche und der Menschheit zu finden. Die Jugendlichen haben, wie der Papst es ausdrückt „ohne den gestorbenen und auferstandenen Christus, keine Erlösung. Nur Er kann die Welt vom Bösen erlösen und das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe wachsen lassen, nach dem wir alle streben“ (Botschaft des WJT).Vereint im „einen Herzen“ bitten wir mit der gesamten Kirche „Komm, Herr Jesus“, hilf den Jugendlichen des dritten Jahrtausends, damit sie Baumeister einer Zivilisation der Liebe sind, die gebaut wird, „wenn die Menschen und Völker Gottes Gegenwart annehmen, Ihn in Wahrheit anbeten und Seine Stimme hören“ (Botschaft des WJT).

Und zum Letzten ist die Weihe ein Akt der Liebe. Die Jugendlichen des dritten Jahrtausends möchten wie der Apostel Thomas „Jesus berühren, indem sie die Hand in die Zeichen Seines Leidens legen, die Zeichen Seiner Liebe“(Botschaft des WJT). Im Geweihtwerden „berühren wir Jesus”, erneuern die Gnade unserer Taufe, bei der wir voll in diese Liebe eingeführt wurden. Sie festigt in uns den Wunsch, beständig aus den Quellen zu trinken, aus denen das göttliche Leben sprudelt; diese sind die Sakramente, insbesondere das Sakrament der Eucharistie und das der Vergebung. Und zum Schluss tauchen wir in seinen barmherzigen Blick ein, um immer nahe an den Ärmsten und den Kranken zu sein, und so für diese die Liebe Gottes spürbar Wirklichkeit werden zu lassen.

In der Nachfolge des Beispiels der geliebten Jünger sind auch wir eingeladen, „Maria in unserem Zuhause aufzunehmen“. Wir weihen uns dem Herzen Jesu auch mit der Gottesmutter als besonderer Fürsprecherin und Vermittlerin. Sie, die „das Wort Gottes mit  Glauben aufnahm“ lehrt uns, an die Liebe zu glauben und auf Ihn zu vertrauen und so Zeugen unter unseren Geschwistern, den Menschen, zu sein.“