Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2006: Benedikt XVI. stellt sich den Fragen der Jugend

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ROM, 7. April 2006 (Zenit.org).- Anlässlich des bevorstehenden XXI. Weltjugendtages, der weltweit am Palmsonntag begangen wird, fand am Donnerstagabend auf dem Petersplatz ein Treffen Benedikts XVI. mit Tausenden Jugendlichen aus der Diözese Rom statt. Die gemeinsame Feier wurde mit Musik und Tanz untermalt. Außerdem gaben zahlreiche Jugendliche öffentlich von ihrem Glauben Zeugnis. Mit der italienischen Nationalmannschaft für rhythmische Gymnastik sowie dem Eisschnellläufer Enrico Fabris war auch die Sportwelt würdig vertreten.



Etwa eine Stunde nach dem offiziellen Beginn der Veranstaltung kam der Heilige Vater auf den Petersplatz, wo er von den Jugendlichen und dem Generalvikar der Diözese Rom, Kardinal Camillo Ruini, begrüßt wurde. Letzterer bedankte sich beim Pontifex für die Fortführung der Tradition der Weltjugendtage, die Johannes Paul II. begonnen hatte. "Die Jugendlichen lieben Jesus Christus und die Kirche. Sie sind voller Zuneigung und Zuversicht für den Papst. Sie versuchen auf ehrliche Weise, ihren Glauben zu leben und ihn mutig unter Beweis zu stellen", so die Worte des Kardinals. Sie würden aber zugleich auch auf die inneren und äußeren Schwierigkeiten, die es gibt, aufmerksam machen. Kardinal Ruini erklärte außerdem, dass das Treffen den Pilgerweg zum Weltjugendtag 2008, der in der australischen Stadt Sydney begangen wird, einläute und dass dieses Treffen den "Heiligen Geist und die Mission" zum Thema habe.

Nach dieser Ansprache wurden das berühmte Weltjugendtagskreuz und die Mutter-Gottes-Ikone auf den Petersplatz gebracht. Das Kreuz wird am Palmsonntag von einer deutschen Delegation aus Köln den Jugendlichen aus Australien überreicht. Danach geht es auf eine Reise durch den afrikanischen Kontinent, dann nach Ozeanien, bis es schließlich im Juli 2008 Sydney erreichen wird. Als die anschließende Lesung des Evangeliums beendet wurde, kam für fünf Jugendliche die Gelegenheit, dem Heiligen Vater eine Frage zu stellen.

Ein 21-jähriger Student aus Rom fragte Benedikt XVI., wie man in der Bibel, die doch vor vielen Jahren und von verschiedenen Menschen geschrieben worden sei, heute noch das Wort Gottes erkennen könne. Der Heilige Vater erklärte, dass es erforderlich sei, drei wesentliche Punkte zu beachten: Der erste sei, dass man die Bibel nicht wie ein herkömmliches Buch lesen dürfe. Als zweites sollte man sie nicht alleine, sondern zusammen mit anderen lesen. Schließlich erinnerte der Papst in seinem dritten Punkt daran, dass man bei der Lektüre die Hilfe der großen Meister Jesus Christus selbst in Anspruch nehmen sollte.

Die zweite Frage, gestellt von Anna, einer 19-jährigen Studentin, betraf die Liebe. Viele hätten Mühe mit ihr, und oft werde sie mit purem Egoismus verwechselt, sagte sie. Heutzutage hätten auch viele Jugendliche Mühe mit der Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Heirat, und das Verbot sexueller Kontakte vor der Ehe erscheine vielen unverständlich und nicht mehr zeitgemäß. Sie bat den Heiligen Vater darum zu erklären, was denn das Wort Gottes dazu sage. "Die Liebe wird heute oft falsch interpretiert", war der Beginn der Erläuterung von Benedikt XVI. Sie sei etwas, das einerseits eine, andererseits etwas Neues schaffe. Nach dem Sündenfall hätte unser Organismus eine Heilung nötig, wozu man die notwendigen Medikamente anwenden müsse. "Wie im Sport, wo es Disziplin und Verzicht gibt, so ist auch das Leben selbst ein Verzicht", fuhr der Papst fort. Dies sei nicht etwas Negatives, sondern helfe uns, ein menschliches und glückliches Leben zu führen.

"Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, denen man in der heutigen Zeit entgegentreten muss, und wie sollten die neuen Apostel sein? Was erwarten Sie von uns, Heiliger Vater?“, fragte die 17-jährige Inělida.

Eine große Herausforderung sei der Säkularismus, also so zu leben, als ob Gott nicht existiere, antwortete der Pontifex. Gott werde zunehmend auf das Private reduziert. Dabei bedeute der Gehorsam gegenüber den Willen Gottes nicht Abhängigkeit, sondern Liebe zu ihm. In einer Zeit, in der es viele verschiedene Gottheiten gebe, sollte man sich für jenen Gott entscheiden, "der uns sein Gesicht in Jesus Christus gezeigt hat. Er ist deshalb kein unbekannter Gott", waren die Worte des Heiligen Vaters.

In der vierten Frage wurde Benedikt XVI. nach seiner eigenen Berufung gefragt. Vittorio, ein 20-jähriger Student aus Rom, fragte aber auch nach Ratschlägen für ein Ordens- oder Priesterleben. Benedikt XVI. erklärte, dass es in seiner Jugendzeit eine antihumane Kultur gegeben habe, die im gezeigt habe, dass es Priester brauche. Dank seinen Eltern und dem Priester seiner Pfarrei habe er die Schönheit der Liturgie und etwas später auch die Schönheit der Erkenntnis entdeckt. Sicherlich habe es auch Schwierigkeiten gegeben. "Ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich die nötigen Fähigkeiten hatte. Es reicht schließlich nicht nur aus, die Theologie zu mögen, um ein guter Priester zu sein", meinte der Papst. In Bezug auf eine mögliche Ordensberufung gab Benedikt XVI. zwei konkrete Ratschläge: Man sollte aufmerksam sein für die Zeichen des Herrn und tiefe Freundschaft mit Christus pflegen.

Die letzte Frage, die vom 17-jährigen Giovanni gestellt wurde, betraf den Glauben und die Wissenschaft. Wie könnten diese zwei Bereiche miteinander vereint werden? Der Heilige Vater antwortete, dass die Natur in einer mathematischen Art und Weise strukturiert sei. "Die Mathematik schenkt uns den Zugang zur Natur und sie gibt uns die Möglichkeit, dass wir sie für unsere Zwecke instrumentalisieren können", fuhr Benedikt XVI. fort. Im Letzten gebe es aber nur eine Vernunft. Der Heilige Vater erwähnte bei dieser Gelegenheit auch die Schöpfungstheorie. Als einzig wirkliches Problem bezeichnete er das "Böse in der Welt. Wir brauchen Gott. Die schöpferische Vernunft ist die Liebe, und diese ist Gott", waren die Schlussworte des Papstes.

Danach erteilte Benedikt XVI. allen Anwesenden den Apostolischen Segen und ging mit einigen Jugendlichen zum Grab des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., um dort zu beten. Begleitet wurden er von Kardinal Ruini und dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien, Msgr. Rylko.

Am Palmsonntag werden wieder Tausende Jugendliche auf dem Petersplatz erwartet, besonders aber die Verantwortlichen des nächsten internationalen Weltjugendtages, die in diesen Tagen an einem internationalen Vorbereitungstreffen teilnehmen.