„Vorbildliches Zeichen der Einheit mit dem Papst“

Erzbischof Malcolm Ranjith, Sekretär der Gottesdienstkongregation, lobt Liturgie in Maria Vesperbild

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Von Regina Einig

WÜRZBURG, 28. Oktober 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Ein Pontifikalamt mit Tausenden von Pilgern aus ganz Deutschland, die abwechselnd im Gebet und in andächtiger Stille in der Lichterprozession von der Fátimagrotte über den Schlossberg ziehen – das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel hat auch in diesem Jahr die überregionale Anziehungskraft des mittelschwäbischen Marienwallfahrtsortes gezeigt. Die Unbeirrbarkeit, die das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes in der Wallfahrtskirche ausstrahlt, schien die Menschenmenge in der Fátimagrotte ergriffen zu haben.

Bei kühler Witterung waren tausende Pilger, darunter unzählige Familien mit Kindern und bemerkenswert viele junge Menschen angereist. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hatte während der Fahrt nach Maria Vesperbild den heiligen Oswald angerufen, der als Wetterpatron verehrt wird. Offensichtlich mit Erfolg: Kein Regentropfen störte die Lichterprozession auf ihrem Weg über den Schlossberg zur Fátimagrotte, in der ein aufwändiger Blumenteppich an den 150. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes erinnerte.

Eine außerordentlich feierliche Liturgie mit pointierter Predigt von Kurienerzbischof Malcolm Ranjith, Sekretär der römischen Gottesdienstkongregation, belohnte die Pilger. Ganz im Zeichen der Verbundenheit mit der von Papst Benedikt XVI. angestrebten liturgischen Erneuerung präsentierte sich die Altarinsel: Auf Anregung des Zelebranten hatte die Wallfahrtsdirektion vor dem Altar eine Kommunionbank aufgestellt für alle, die kniend kommunizieren wollten.

„Maria ist im Herzen der Sendung Christi“, unterstrich der aus Sri Lanka stammende Erzbischof. Ohne ihr fiat bei der Verkündigung wäre Gottes heilbringendes und endgültiges Kommen in diese Welt nicht möglich gewesen. Die liebevolle Ehrfurcht, mit der die Gottesmutter an der Sendung ihres Sohnes mitgewirkt habe, müsse die Gläubigen inspirieren, selbst eins mit Christus in Geist und Herz zu werden. „Auch wir können, wie Maria, eucharistische Menschen werden“, ermutigte der Erzbischof die Pilger und erinnerte an das Wort Johannes Pauls II., Maria auch in ihrer Beziehung zu diesem heiligsten Mysterium nachzuahmen. Papst Benedikt XVI. habe davon gesprochen, dass in Maria, die „tota pulchra“ (ganz Schöne) die Schönheit der himmlischen Liturgie aufstrahle. Das Leben der Mutter Jesu widerspiegele die Ehrfurcht und das Staunen angesichts des Rufes, ganz mit Jesus vereint zu sein. „Ihr Leib war der Tabernakel seiner Gegenwart, ihr Glaube die unsichtbare Kraft in seiner Heilssendung bis zu der höchsten Hingabe seiner selbst am Kreuz, und ihre Liebe war die Stärke und Inspiration der Kirche“, so Ranjith.

Beten für eine echte Erneuerung der Kirche

Allerdings fehle es bei vielen Jüngern Jesu „in allen Ständen und Berufen der Kirche“ an der Ehrfurcht und Freude, die von der ständigen Gegenwart Jesu unter den Menschen im Altarssakrament komme. Aus Mangel an echtem Glauben und Verständnis der Eucharistie feierten Priester die heiligen Geheimnisse in einer Weise, die ihrer Erhabenheit unwürdig sei. „Auch viele Gläubige haben den Sinn für die Heiligkeit des Messopfers verloren“, stellte Ranjith fest. Die Einladung Jesu, ganz eins mit ihm zu werden und Leben aus seinem Opfer zu schöpfen, werde durch eine rein innerweltliche Sicht auf die Eucharistie herabgesetzt, in der nur noch das irdische „Brot“ gesehen werde. Ranjith forderte die Gläubigen auf, für eine „echte Erneuerung der Kirche, wie der Heilige Vater sie will“ zu beten und empfahl dafür vor allem die würdige Feier der Eucharistie und ein mutiges Zeugnis.

Wie sehr die Liturgie in Maria Vesperbild diesem Anspruch gerecht wird, machte der Sekretär der Gottesdienstkongregation im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Am Vormittag hatte er das Pilgeramt in der gesteckt vollen Wallfahrtskirche mitgefeiert. Wallfahrtsdirektor Wilhelm Imkamp verteidigte die katholische Kirche in seiner Predigt gegen landläufige Vorwürfe der Leib- und Frauenfeindlichkeit: Das Hochfest Mariä Himmelfahrt erinnere daran, dass das Christentum die Erlösung des Leibes verkünde. In keiner Religion spiele die Frau eine so große Rolle wie Maria in der katholischen Kirche. „Die Frau, die wir grüßen, zieht uns in den Himmel“, so Imkamp und zog einen historischen Vergleich des Ave Maria zum Gruß des „Ave Caesar“, den die Todgeweihten vor Gladiatorenkämpfen im antiken Rom an den Kaiser richteten. Wer vor dem Zeitgeist einknicke und die weltliche Macht grüße, erreiche nur den Jubel der Massen, während das Ave Maria an den Beginn unserer Erlösung erinnere. Die Entscheidung über sein ewiges Los treffe jeder Mensch selbst. „Die Dramatik unseres Lebens leuchtet an diesem Tag hell auf“, stellte Imkamp fest.

Der Gast aus Rom bestätigte, dass in Maria Vesperbild nicht nur der richtige Predigtton getroffen, sondern auch exemplarisch Liturgie gefeiert wird. Hochzufrieden äußerte sich Erzbischof Ranjith am Abend über die tiefe Ehrfurcht während der Eucharistiefeier in der Wallfahrtskirche und registrierte anerkennend, dass die Kommunionbank in dem mittelschwäbischen Marienwallfahrtsort Tradition hat: "Die kniende Mundkommunion zeigt die tiefe Bedeutung der Eucharistie", so Ranjith. Eucharistie sei kein einfaches Mahl, bei dem Brot geteilt werde, sondern die Feier, in der Jesu Leib und Blut gegenwärtig sei. Dass den Gläubigen in Maria Vesperbild sowohl in der Wallfahrtskirche als auch auf dem Kirchplatz Kommunionbänke zur Verfügung stehen wertete der Gast aus Rom als „vorbildliches Zeichen der Einheit mit dem Papst“. „Wir müssen dem Beispiel des Heiligen Vaters folgen“, so Ranjith. Die Haltung bei der Eucharistie sei außerordentlich wichtig, um den Herrn mit Liebe und Ehrfurcht zu empfangen. Die rundum positive Bilanz des Erzbischofs nach dem Fest: „Wunderbar! Ich habe mich in Maria Vesperbild zuhause gefühlt. Die tiefe Frömmigkeit und die Marienverehrung der Menschen hier hat mich an Sri Lanka erinnert. Diese Treue zum Glauben, die von den Christen hier ausgeht, stärkt auch die anderen.“

Das Vertrauen in das gläubige Gottesvolk mag auch bayerische Politiker wie Landwirtschaftsminister Josef Miller und Justizministerin Beate Merk bewogen haben, vor den Wahlen im Herbst noch einmal himmlischen Beistand in Vesperbild zu erflehen. Die jüngsten Auseinandersetzungen um das Kruzifix im Klassenzimmer hatten die Grenzen des katholischen Lebensgefühls im Freistaat eher unsanft aufgezeigt. Immerhin blieben die CSU-Politiker am Freitag vor eiskalten Duschen verschont.

[© Die Tagespost vom 28. Oktober 2008]