Vorhof der Völker: Glaube und Vernunft widersprechen sich nicht

Redebeitrag von Kardinal Péter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Präsident der Bischofskonferenz, Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (C.C.E.E.) (Ungarn)

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VATIKANSTADT, 18. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Während der 14. Generalkongregation der Bischofssynode am Dienstag, dem 16. Oktober, erläuterte Kardinal Erdö den „Vorhof der Völker“ und den Dialog mit den Wissenschaften. Bei dem Wissen über Gott könnten wir auf die göttliche Offenbarung zurückgreifen, dieses überwältigende Ereignis könnten wir dank der Tradition kennen lernen, die durch die Kirche übermittelt wurde.

[Wir veröffentlichen den zusammengefassten Redebeitrag in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls:]

Nummer 54 des Instrumentum laboris spricht vom „Vorhof der Völker“. Um die Evangelisierung durchführen zu können, ist es erforderlich, von den Grundlagen unserer Existenz auszugehen. In der Tat bezieht sich unser Glaube auf die Realität. Auf die Gesamtheit alles Seienden. Die heutige wissenschaftliche Sicht der Welt bietet uns eine äußerst weite Perspektive. Wenn wir versuchen, uns das Universum vorzustellen, dann öffnet sich unsere Phantasie zu Gott hin, zu seiner grenzenlosen Wirklichkeit. Gottes unendlich große Wirklichkeit erzeugt, wenn sie der Welt begegnet, in der sie ganz zuinnerst vorhanden ist, aber zugleich über Raum und Zeit steht, Situationen, die uns oft paradox erscheinen mögen.

Die Naturwissenschaften, die Physik, die Astronomie beweisen uns die Elastizität und den Reichtum grundlegender Begriffe wie etwa derjenigen der Materie oder der Energie. Wir sprechen sogar von dunkler Energie oder Antimaterie, Kategorien, die nützlich sind, gewisse Basisphänomene des Universums zu erklären. Es ermangelt auch nicht an Wissenschaftlern, die dafür offen sind, die Existenz eines transzendenten Gottes zu akzeptieren, der folglich nicht identisch ist mit dem Universum selbst.

Wenn wir Christen verkündigen, dass dies ein persönlicher Gott ist, der uns liebt, der uns erlöst hat, der uns einlädt zu einem glücklichen und ewigen Leben in Gemeinschaft mit Ihm, dann formulieren wir damit keine Folgerungen, die sich automatisch aus unseren Kenntnissen über die Natur ergeben. Wir können auf eine andere Quelle zurückgreifen, die für unseren Glauben erforderlich ist: die göttliche Offenbarung, die in ihrer Vollständigkeit in der Person Jesu Christi zu uns gekommen ist. Dieses überwältigende Ereignis können wir dank der Tradition kennen lernen, die durch die Kirche übermittelt wurde und die bezeugt ist im Bekenntnis der Generationen und Abergenerationen von Heiligen von den Tagen der Apostel bis in unsere Tage hinein.

Die Überlieferung des Glaubens klingt wie eine authentische Antwort auf unsere große Erfahrung bzw. Frage im Hinblick aufs Universum. Wir leben also in einer Epoche, die ungeheuer viele Gelegenheiten gibt, unseren Glauben auch durch den Dialog mit den Naturwissenschaften und den Geschichtswissenschaften zu verkündigen.