Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wünscht sich Änderung der katholischen Haltung zur Unauflöslichkeit der Ehe

Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sei „Reformstau“

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FREIBURG, 31. August 2011 (ZENIT.org). – Wenige Wochen vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in einem Interview mit der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ eine Änderung der katholischen Haltung zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gewünscht.

Er ärgere sich über das schleppende Tempo bei den Veränderungen und frage sich oft, warum es nicht schneller gehe, so Die Zeit.

Den deutschen Bundespräsidenten, Christian Wulff, der als Katholik nach der Scheidung von seiner ersten Frau wiederverheiratet ist, bezeichnete der Oberhirte als einen Katholiken, „der seinen Glauben lebt und darunter leidet, wie die Situation ist.“ Eine Änderung der kirchlichen Haltung sei ein Gebot der „Barmherzigkeit“.

Zollitsch betonte in dem Interview, in Rom gebe es auch Kreise, „die wittern gleich den Glaubensabfall, wenn wir in Deutschland etwas kontroverser diskutieren". Die Bischofskonferenz habe nach der tiefen Krise der Kirche, die durch den Missbrauchsskandal entstanden sei, mit Reformen begonnen.

Positiv äußerte sich der Freiburger Erzbischof auch zu den „Grünen“: „Auch bei den Grünen stelle ich immer wieder Übereinstimmungen mit christlichen Überzeugungen fest", sagte Zollitsch, „da hat sich sicher einiges verändert seit den Anfängen der Grünen." Sie seien „eine Partei, in der viele Christen sich beheimatet fühlen".

Zur Haltung der katholische Kirche zur Pastoral gegenüber wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen hatte sich der damalige Kardinal Ratzinger als Vorsitzender der Glaubenskongregation in einem Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche aus dem Jahr 1994 folgendermaßen geäußert:

„In Treue gegenüber dem Wort Jesu hält die Kirche daran fest, dass sie eine neue Verbindung nicht als gültig anerkennen kann, falls die vorausgehende Ehe gültig war. Wenn Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen.“ (Nr. 4)

„Gläubige, die wie in der Ehe mit einer Person zusammenleben, die nicht ihre rechtmäßige Ehegattin oder ihr rechtmäßiger Ehegatte ist, dürfen nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten. (Nr. 6)

„Die irrige Überzeugung von wiederverheirateten Geschiedenen, zum eucharistischen Tisch hinzutreten zu dürfen, setzt normalerweise voraus, dass dem persönlichen Gewissen die Macht zugeschrieben wird, in letzter Instanz auf der Grundlage der eigenen Überzeugung über das Bestehen oder Nichtbestehen der vorausgehenden Ehe und über den Wert der neuen Verbindung zu entscheiden. Eine solche Auffassung ist jedoch unzulässig.“ (Nr. 7)

„Besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zusammenhang die Schwierigkeiten und Leiden jener Gläubigen, die sich in einer irregulären ehelichen Situation befinden. Die Hirten sind aufgerufen, die Liebe Christi und die mütterliche Nähe der Kirche spüren zu lassen; sie sollen sich ihrer in Liebe annehmen, sie ermahnen, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen, und ihnen in kluger und taktvoller Weise konkrete Wege der Umkehr und der Teilnahme am Leben der kirchlichen Gemeinschaft aufzeigen.“ (Nr. 2)

Alle Zitate aus dem Originaldokument.

Im Zusammenhang mit dem Umweltschutz warnt Papst Benedikt vor einem falsch verstandenen Naturbegriff, der diese "über" den Menschen stellt. Der Mensch sei als Abbild Gottes mit einer unantastbaren Würde ausgestattet und habe als "Krone der Schöpfung", d.h. über allen anderen Lebewesen stehend, den göttlichen Auftrag, die ihm anvertraute Erde, die allen Menschen zugeeignet ist, wie ein guter Gärtner zu gestalten, zu hegen und damit zu bewahren.

[jb]